Exkurs:
Kriegspropaganda
während des Ersten Weltkriegs



Auf die Dauer vermag auch die
frechste und bestorganisierte Propaganda
nichts gegen die Wahrheit.

Albert Schweitzer
1875-1965


Propaganda, Fake News und alternative Fakten


Angesichts anhaltender Debatten über Fake News oder „alternative Tatsachen“ erscheint es mir angebracht, mich auf meiner Homepage auch der Kriegspropaganda während des Ersten Weltkriegs zu widmen. Denn die weltweite Auseinandersetzung wurde nicht nur blutig und brutal auf den Schlachtfeldern geführt, sondern zusätzlich perfide und raffiniert in den heimischen Wohnzimmern. Massenmedien hatten ihren Anteil daran. Sie wurden von den Mächtigen missbraucht, um der Bevölkerung ihr eigenes Bild der Situation einzuimpfen. Kritischer Journalismus? Fehlanzeige. Das gab es damals noch nicht – jedenfalls nicht nach heutigen Maßstäben.

Die Kriegspropaganda der Kriegsgegner im Ersten Weltkrieg kann man eigentlich in zwei sich grundsätzlich voneinander unterscheidende Konzepte unterteilen.


Deutsche Propaganda im Ersten Weltkrieg

Erster Weltkrieg: Deutsche Kriegspropaganda

Deutsche Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg
Quelle: Landkarten-Handlung Dietrich Reimer (Ernst Vohse), Berlin SW 48, Wilhelmstr. 29


Die Zentralstelle für Auslandsdienst – so wurde die für die Propaganda zuständige Behörde im deutschen Kaiserreich seinerzeit bezeichnet – wurde bereits 1914 gegründet. Es folgten nach und nach weitere Institutionen wie beispielsweise das Bild- und Filmamt, welches 1917 gegründet wurde. Beide hatten die Aufgabe, sich auf die Stärken der eigenen Truppen zu konzentrieren und die Kampfmoral an der „Heimatfront“ aufrecht zu halten. Mit zunehmendem wirtschaftlichem Notstand im kaiserlichen Deutschland waren auch die Kriegsanleihen wichtig. Sie wurden besonders intensiv beworben. Ein beliebtes Mittel dabei waren die Feldpostkarten. Mit ihnen versuchte man, der Bevölkerung in der Heimat die Heldentaten an der Front nahezubringen. Hier ging es auch darum, den fortwährenden Todesnachrichten entgegenzuwirken. Also zeigten die Postkarten häufig entspannte Situationen mit lachenden Soldaten in Schützengräben, die wiederum mit der Wirklichkeit so gar nichts zu tun hatten.

Ein anschauliches Beispiel für die Verblendung, die während der letzten Kriegsjahre verbreitet wurde, ist das Propagandaplakat "Die brennenden Wunden Frankreichs". Es wurde in der Endphase des Ersten Weltkriegs aufgelegt und durch die "Landkarten-Handlung Dietrich Reimer" in Berlin vertrieben.




Französische Propaganda im Ersten Weltkrieg

Französische Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg
Quelle: Plakat nach Zeichnung von Abel Faivre (1867-1945)
Druck: Devambez, Paris


Selbstredend bedienten sich auch die Franzosen und Engländer der Propaganda, um in der Bevölkerung eine für sie dienliche Stimmung zu schüren. Und in beiden Ländern wurden dazu eigens eigene Stäbe eingerichtet. Schwerpunkt der französischen Propaganda waren deutsche Gräueltaten in Belgien und Frankreich. Selten basierten die Aussagen auf Fakten. Meist nutzte man Gerüchte oder selbst erfundene Geschichten (mit einem Funken Wahrheit darin), um die plakativen Aussagen zu präsentieren.

Zentral war für die Franzosen dabei, dass es immer um die Verteidigung des Vaterlandes ging und man die Deutschen zurückschlagen muss. Im Verlauf des Kriegen nahm auch das Werben für Kriegsanleihen zu, denn der Staat brauchte dringend frische Ressourcen, um die Rüstungsindustrie oder kriegswichtige Rohstoffe bezahlen zu können.

Die französischen Propagandaplakate und -postkarten unterschieden sich jedoch noch in einer anderen Hinsicht von dem deutschen Pendant. Sie waren aufwendiger gestaltet und nicht selten künstlerisch deutlich anspruchsvolle. Der berühmte Zeichner Abel Faivre (1867 - 1945) war einer der engagierten Künstler. Von ihm stammt unter anderem das Titelbild dieser Seite und das nebenstehende Plakat, mit dem zu Kriegsanleihen aufgerufen wird.

In England wiederum stand der Wehrdienst im Vordergrund. Zu Beginn des Krieges gab es dort keine Dienstverpflichtung, so dass die Armee auf Freiwillige angewiesen war. Die Propaganda konzentrierte sich also darauf, den Kriegsdienst als moralische und vaterländische Verpflichtung darzustellen, um die jungen Männer dazu zu bewegen, sich den Truppen anzuschließen. Allein in den ersten Monaten des Ersten Weltkriegs wurden mehrere Millionen Propagandaplakate veröffentlicht. Sätze wie "Europa im Krieg - wo bist Du" waren allgegenwärtig.


Quellennachweis - Titelbild:
"L' EMPRUNT DE LA LIBERATION" ist von Abel Faivre, 1867–1945
(Abel Faivre, Abel Faivre 1918 Poster, veränderte Farbgebung + veränderter Ausschnitt, CC0 1.0)



Wissenswert.

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es war ein industrieller Krieg.
Um Dir einen Eindruck zu vermitteln, habe ich einige Bilder zusammengetragen.

    • LINK: WISSENSWERTES

Zwischen 1914 und 1918 brannte die Erde. Wichtige Schlachten des Ersten Weltkriegs in Europa habe ich in einer KMZ für Google-Earth zusammengetragen. Sie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es gibt etliche Dokumentationen über den Verlauf dieses großen Schlachtens. Diese kann ich Dir ganz besonders empfehlen.

    • LINK: FILM

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