Exkurs:
(Kurz-)
Geschichte des Festungsbaus



Eine Festung ist ein in Friedenszeiten
ausgebauter Ort, der in Kriegszeiten
gegen einem der Zahl nach überlegenen und
mit allen Angriffsmitteln ausgerüsteten Gegner
nachhaltig verteidigt werden kann.

Meyers Konversations-Lexikon
Jahrgang 1888



Festungsbau - Abbild der Waffentechnik

Historische Geschosse - Brisanzgranaten - Sprenggranaten

Mit dem Aufkommen moderner Artillerietechnik waren viele Festungen veraltet. => Brisanzkranatenkrise

Der Festungsbau war immer ein Abbild der Waffentechnik seiner Zeit. In früherer Zeit reichten einfache Pfahlwerke, den Erd- und Steinwälle folgten später Mauern, die wiederum an Dicke und Höhe zunahmen – alles in Abhängigkeit von der Zerstörungskraft der Angriffswaffen.

Mit dem Aufkommen effektiver Feuerwaffen änderte sich die Konzepte des Festungsbaus grundlegend. Moderne Geschütze, die insbesondere im Verlauf des 19. Jahrhunderts einen rasanten Entwicklungsschub erfuhren, konnten immer größere Distanzen überwinden. Und die modernen Sprenggeschosse hatten verehrende Wirkung.

Oberirdische Bauten, die zudem meist gemauert wurden, konnten einem Beschuss durch moderne Artillerie und den verwendeten Brisantgranaten nicht standhalten - siehe dazu den Abschnitt Eisen & Stahl. Sie boten den verteidigenden Soldaten nicht mehr ausreichend Schutz. Außerdem waren die Festungsmauern ein hervorragendes und trotz großer Dicke einfach zu zerstörendes Ziel. Also begannen die Architekten den Bauhorizont der Festungen zu versenken. Heißt: Wo einst hohe Festungsmauer waren, entstanden nun tiefe Gräben. Und die einst oberirdisch angelegten Gebäude wurden unter die Erde verfrachtet. Dieser Logik folgend veränderten sich auch die Baumaterialien. Steine wurden durch modernen Stahlbeton ersetzt.


Das Biehlersche Einheitsfort

Wie andere Nationen auch reagierte das deutsche Militär auf die Entwicklung der Waffentechnik. Und wie es für Deutsche typisch ist, wurde sogleich ein Standard entwickelt. Das Biehlersche Einheitsfort (auch Schemafort) vereinte die zuvor genannten Eigenschaften. Es war die Antwort der Preußen auf die moderne Militärtechnik und die standardisierte Bauweise konnte schnell und daher recht kostengünstig realisiert werden.

Alles in allem entstanden zwischen 1870 und 1890 etwa 70 solcher Festungswerke. Einige von ihnen konnte ich in Metz begutachten. Kennzeichnend für das Biehlersche Einheitsfort war, dass Sie tief in das umgebende Gelände eingebettet waren. Sie hatten eine hatten die gestalterische Form einer Lünette. Obendrein wurde die eigene Artillerie besser vor feindlichen Feuer geschützt und bei einem feindlichen Grabenübergang konnte dieser effektiver bekämpft werden.

Schematische Darstellung eines Biehlerschen Einheitsforts

Schematischer Aufbau eines Biehler-Forts.

Kennzeichnend ist seine kompakte Bauweise, was sich angesichts moderner Artillerie-Technik als Nachteil herausstellte. Das Fort bot gegnerischen Truppen eine noch immer konzentrierte Angriffsfläche.


Maßgeblichen Einfluss auf künftige Entwicklungen hatte natürlich die Entwicklung der Waffentechnik - das sagte ich bereits. Letztlich waren es die neuen Sprengstoffe, die im 19. Jahrhundert entwickelt wurden und großen Einfluss auf künftige Wehrbauten hatten. Wenn ein kompakt errichtetes Fort mit den seinerzeit als modern geltenden Mitteln angegriffen wurde, bot es den Soldaten nicht mehr ausreichend Schutz (was sicher den Militärs etwas egal war) und konnte seine eigentliche Aufgabe zur Verteidigung eines Landstriches nicht mehr wahrnehmen (was wahrscheinlich entscheidend für künftige Entwicklungen war). Im Internet fand ich dazu ein sehr interessantes Video, welches ich Dir in dem Zusammenhang empfehle.


Der neue Festungstyp: die Feste

Zuerst einmal möchte ich die Herkunft der etwas seltsam anmutenden Bezeichnung "Feste" für eine moderne Festungsanlage des 19. Jahrhunderts erläutern. In früheren Zeiten beschrieb das altdeutsche Wort "Veste" (ab dem 16. Jahrhundert auch "Feste" geschrieben) nichts anderes als eine Burg. Es wurde der Einfachheit halber von dem Adjektiv abgeleitet - also "fest". Irgendwann verschwand der Begriff, weil man von Burgen oder Festungen sprach ... nicht von einer Feste. Ende des 19. Jahrhunderts wiederum suchten die deutschen Militärarchitekten nach einem Begriff, der die neue Bauweise der seinerzeit entstehenden Festungsanlagen beschrieb. Und da die Worte "Fort" oder "Festung" im Regelfall mit einer herkömmlichen Bauweise verbunden wurden, grub man den altdeutschen Begriff der "Feste" wieder aus.


Soweit semantische Hintergründe; nun wieder zurück zum eigentlichen Thema.
Was kennzeichnet eine Feste?


Ende des 19. Jahrhunderts machte die Militärtechnik enorme Sprünge. Alte Festungsanlagen mit kompakter Bauweise waren dem nicht mehr gewachsen. Die logische Konsequenz, die die deutschen Militärarchitekten daraus zogen, war, die einzelnen Bestandteile einer Festungsanlage einerseits im Gelände zu verteilen und andererseits dabei die Gegebenheiten des Geländes auszunutzen.

Schematische Darstellung der Feste Kaisern - Festung bei Metz


Schematischer Aufbau der Feste Kaiserin.


Diese deutsche Festung, die zwischen 1899 und 1905 erbaut wurde, gilt als idealtypische "Feste". Die einzelnen Bauten (also die Artillerie- und Infanteriewerke) sind im Gelände verteilt und bieten deutlich weniger Angriffsfläche für feindlichen Beschluss als ein Fort kompakter Bauweise.

=> Bilder von der Feste Kaiserin



(1) Anders als bis dato üblich wurde die Befestigungsanlage nicht mehr kompakt erreichtet, sondern man verteilte die Bauten im Gelände – das sagte ich bereits. Man trennte insbesondere Artillerie und Infanterie voneinander und brachte sie in verschiedene Werke (Bunkern) unter. Dabei nutzen die Architekten für deren Bau die natürlichen Gegebenheiten des Geländes. Es sollte verhindert werden, dass Artillerieangriffe große Teile der Anlage auf einen Schlag zerstören.

Feste Haeseler (Werk Sommy) - Groupe fortifié Verdun - Metz - Frankreich

Die Panzertürme sind beeindruckende Einbauten der Festungen ab Ende des 19. Jahrhunderts. Hier findest Du ein paar Impressionen. => Panzertürme

Selbstredend ist, dass alle Bauten zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit aus Stahlbeton bestanden und mit moderner Technik ausgestattet waren. Für damalige Verhältnisse bedeutete das elektrischen Strom, Zentralheizung, eine (eigen-) ständige Trinkwasserversorgung. Es gab auch Telefon, um äußere Stellungen mit der Kommandozentrale zu verbinden. Die Artillerie- und Infanteriewerke wurden selbstverständlich unterirdisch miteinander verbunden, damit die Soldaten auch bei Kampfhandlungen sicher die ihnen zugedachte Position erreichen konnten.

Bei der Gelegenheit ist ein Wort der Warnung angebracht: Solltest Du Interesse haben, solche Stellungen zu erkunden, sei vor den Gefahren gewarnt. Du weißt nicht, ob diese unterirdischen Gänge sicher sind. Wenn Du sie unbedingt erkunden möchtest, solltest Du unbedingt angemessene Sicherheitsmaßnehmen ergreifen.


(2) Darüber hinaus mussten die Geschütze der Befestigungsanlage, die den Fernkampf zu führen hatten, besonders geschützt werden. Durch die hohe Reichweite (seinerzeit) moderner Geschütze gab es im Bereich der Festung letztlich keinen Ort mehr, der nicht durch einen unmittelbaren Treffer bedroht war. Ein solcher Volltreffer war somit jederzeit möglich und hätte die Kampfkraft der Stellung empfindlich beeinträchtigt. Es galt also, die Geschütze entsprechend zu schützen. Die Ingenieuren lösten das Problem mittels einer Stahlkuppel. Die Folge: Die Soldaten, die die Geschütze bedienten, hatten keine Sicht mehr auf das Kampfgebiet. Also entstanden parallel dazu sog. Beobachter, die auch durch eine Stahlkuppel geschützt wurden. Ihre Aufgabe war die Beobachtung des Umfelds, und sie hatten bei Kampfhandlungen den Feuerkampf zu lenken.



(1) Anders als bis dato üblich wurde die Befestigungsanlage nicht mehr kompakt erreichtet, sondern man verteilte die Bauten im Gelände – das sagte ich bereits. Man trennte insbesondere Artillerie und Infanterie voneinander und brachte sie in verschiedene Werke (Bunkern) unter. Dabei nutzen die Architekten für deren Bau die natürlichen Gegebenheiten des Geländes. Es sollte verhindert werden, dass Artillerieangriffe große Teile der Anlage auf einen Schlag zerstören.

(2) Darüber hinaus mussten die Geschütze der Befestigungsanlage, die den Fernkampf zu führen hatten, besonders geschützt werden. Durch die hohe Reichweite (seinerzeit) moderner Geschütze gab es im Bereich der Festung letztlich keinen Ort mehr, der nicht durch einen unmittelbaren Treffer bedroht war. Ein solcher Volltreffer war somit jederzeit möglich und hätte die Kampfkraft der Stellung empfindlich beeinträchtigt. Es galt also, die Geschütze entsprechend zu schützen. Die Ingenieuren lösten das Problem mittels einer Stahlkuppel. Die Folge: Die Soldaten, die die Geschütze bedienten, hatten keine Sicht mehr auf das Kampfgebiet. Also entstanden parallel dazu sog. Beobachter, die auch durch eine Stahlkuppel geschützt wurden. Ihre Aufgabe war die Beobachtung des Umfelds, und sie hatten bei Kampfhandlungen den Feuerkampf zu lenken.


Das neue Konzept wurde den den Deutschen erstmals bei der Feste Kaiser Wilhelm II bei Mutzig und den Festungsbauten rund um Metz angewendet. Hier entstanden nach 1897 in schneller Folge etliche Anlagen, die vorbildlich für ihre Zeit waren. Als erste Befestigung des neuen Typs errichtete das deutsche Militär die Feste Haeseler südlich von Metz. Es folgen unter anderem die Feste Kronprinz, Leipzig, Lothringen, von der Goltz, Luitpold und Wagner.




Wissenswert.

Außerdem empfehle ich Dir diese
zweiteilige Dokumenation über den .
Ersten Weltkrieg, die ich bei Youtube
fand. Sie ist sehenswert - wenn auch grausam.

    • LINK: FILM

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

    • LINK: WISSENSWERTES