Exkurs:
Artillerie gegen Ende des 19. Jahrhunderts
(Brisanzgranatenkrise)




Nichts hat sich in den
letzten 500 Jahren geändert.
Nur die Waffen sind tödlicher geworden.

Graffito



Brisanzgranate / Sprenggranate

Die sogenannte Brisanzgranatenkrise (auch Sprenggranate, wobei dieser Name die Wirkung besser beschreibt) stellte gegen Ende des 19. Jahrhunderts die gesamte Kriegsführung auf den Kopf und löste beim Militär eine regelrechte Krise aus. Jedes Land wollte sie haben und im Fall der Fälle zum Einsatz bringen. Doch den Offizieren war auch klar, dass auf einen Schlag alle Festungen, die beispielsweise von den Preußen "in alter Manier" (also dem Biehlerschen Einheitsfort entsprechend) erreichtet wurden, nutzen waren. Sie konnten keinen ausreichenden Schutz mehr für Mann und Material bieten.

Historische Geschosse - Brisanzgranaten - Sprenggranaten

Quelle:
Brockhaus' Konversationslexikon
14. Auflage, Leipzig

Der Name "Brisanzgranate" bildet sich aus dem französischen Wort brisant. Es steht für "zerbrechen, zertrümmern und zerquetschen". Dies beschreibt die Wirkung der neuen Geschosse sehr gut. Denn ihre Wirkung konnte verheerend sein. Letztlich wird eine neue Generation von Artilleriegeschosse beschrieben, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt wurden. Besonders effektiv war die Kombination mit modernen Geschützen, die einen gezogenen Lauf hatten. Sie hatten eine deutlich höhere Reichweite als bisherige Artilleriegeschütze. Heißt: Man konnte Ziele über eine große Distanz bekämpfen und mittels der Sprenggranaten hocheffektive Geschosse direkt im Ziel platzieren.

Doch was war die Neuerung bei den Brisanzgranaten?
Und warum spricht man heute von der Brisanzgranatenkrise?

Das ist ziemlich einfach beschrieben: Bei den Brisanzgranaten wurde das Geschoss nicht mehr wie bisher mit Schwarzpulver gefüllt, sondern mit hochexplosive Sprengstoff. Man setzte beispielsweise Pikrinsäure und Zellulosenitrat. Sie hatten dadurch eine erhebliche Sprengwirkung und konnten klassische Festungsanlagen zermalmen. Im Ersten Weltkrieg verfügte die Artillerie über verschiedene Arten solcher Granaten. Sie dienten als "einfache" Sprenggranaten" mit denen man die Soldaten der Gegner im Schützengraben bedachte, als Leucht- oder Betongranaten oder als Schrapnells. Letztere waren ebenfalls ein bevorzugtes Mittel, um es gegen Soldaten im Schützengraben einzusetzen. Mit dem Aufkommen der chemischen Kriegsführung kamen auch Gasgranaten hinzu.

Festungsanlagen, die beispielsweise die Franzosen gegen Ende des 19. Jahrhunderts zur Landesverteidigung errichteten (Barrière de Fer) oder die Deutschen seit 1871 im Reichland Elsass-Lothringen (unter anderem rund um Straßburg) waren mit dem Aufkommen dieser modernen Granaten nicht mehr funktionsfähig im ursprünglich erdachten Sinne. Man musste sie entweder verstärken und modernisieren oder konnte sie nur noch als Truppenunterkunft beziehungsweise Materiallager nutzen.

In den Geschichtsbüchern parallel zum Aufkommen dieser neuen Distanzwaffe von der Brisanzgranatenkrise gesprochen. Krise, weil mit einem Schlag alle just in den Jahren zuvor für viel Geld errichteten Festungen ausgebaut werden mussten, was abermals Unsummen verschlang. Teilweise begann man mit der Modernisierung der Festungen direkt nach Fertigstellung der eigentlichen Bauarbeiten. Die französischen Anlagen bei Verdun (Landrécourt oder Génicourt) sind Beispiele dafür.


Geschütze gegen Ende des 19. Jahrhunderts / Anfang des 20. Jahrhunderts

Die modernen Geschütze der damaligen Zeit schienen die Menschen zu interessieren und faszinieren. In den Konversationslexika, die Anfang des 20. Jahrhunderts veröffentlicht wurden, gibt es etliche und detailreiche Zeichnungen von modernen Waffen. Die Autoren widmeten der Waffentechnik etliche Seiten in ihren Werken, was für mich ein Abbild des öffentlichen Interesses an diesen Themen ist. Nachfolgende einige Abbildungen, die ich unter anderem der 14. Auflage des Brockhausch'schen Konversationslexikon entnahm.


    • Geschütze gegen Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts
    • Geschütze gegen Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts
    • Geschütze gegen Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts
    • Geschütze gegen Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts

Artillerietechnik

Erster Weltkrieg - Feldpost

Die Propaganda eines jeden Landes und der damaligen Zeit verherrlichte natürlich diese Neuerung. Man kann dies sehr gut erkennen, wenn man mal einen Blick in das Konversationslexikon von Brockhaus wirft oder sich die Feldpost des Ersten Weltkriegs ansieht. Teilweise wird die Situation so pervertiert dargestellt, dass man Soldaten liebevoll diese Todesbringer streicheln lässt. Heute ist das gar nicht mehr vorstellbar. Aber damals ... mit dem Ehrenkodex, der auch den Tod für das Vaterland verherrlichte, war das normal.




Wissenswert.

Außerdem empfehle ich Dir diese
zweiteilige Dokumenation über den .
Ersten Weltkrieg, die ich bei Youtube
fand. Sie ist sehenswert - wenn auch grausam.

    • LINK: FILM

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

    • LINK: WISSENSWERTES