Festung Koblenz

Preußische Festungen in und in der
unmittelbare Nähe von Koblenz, die
in der ersten Hälfte des
19. Jahrhunderts auf Befehl des
Preußenkönigs Friedrich Wilhelm III.
errichtet wurden.

Viele dieser Festungen wurden
1927 als Folge des Versailler Vertrages
geschleift und sind heute nicht mehr vorhanden.
Aber es gibt beeindruckende Ausnahmen davon.

Festungsstadt Koblenz


Anfang des 19. Jahrhunderts: Die napoleonischen Kriege sind vorbei. In Europa soll nun endlich wieder Frieden herrschen und während des Wiener Kongresses 1814/14 einigten sich die Fürsten- und Königshäuser in Europa auf eine neue Ordnung. Einer der Gewinner war das Königreich Preußen, denn ihm wurden unter anderem weite Landstriche im heutigen Westdeutschland zugesprochen. Dazu gehörten etliche linksrheinische Gebiete - auch die strategisch wichtige Stadt Koblenz, wo die Mosel und der Rhein zusammenfließen, was damals die Verkehrsader schlachthin war. Diese Regionen waren in gewisser Weise nun der Schutzwall gegen Frankreich, das noch immer territoriale Ambitionen dort hatte. Für den preußischen König Friedrich Wilhelm III. war das ein Glücksfall. Denn erstmals konnte sich Preußen in Gebiete ausdehnen, von denen man zuvor nur zu Träumen wagte. Und natürlich war eine der ersten Aufgaben, diese neuen Besitztümer militärisch zu sichern.

Historische Karte der Stadt Koblenz

Historische Karte der Festungsstadt Koblenz
Wikipedia: Unknown, Koblenz Stadtplan 1905, Veränderter Ausschnitt, CC0 1.0

Also erging bereits 1815 vom Preußenkönig die Order, die strategisch wichtige Stadt Koblenz zu einer befestigten Stadt auszubauen. Die Planungen sahen etliche Festungswerke vor, mit denen man den Zusammenfluss der Mosel mit dem Rhein angemessen schützen wollte. Man hatte noch immer Sorge, dass sich Frankreich erneut dieses Ortes bemächtigen will - vielleicht nicht gleich, denn der Gegner war vorerst gezähmt. Aber später.

Dem Wunsch des Königs entsprechend entstand daher zwischen 1815 und 1834 rund um die (damalige) Stadt Koblenz ein neues Festungssystem, welches aus der Stadtbefestigung selbst und etlichen vorgelagerten Werken bestand. Aber was sag ich: Eigentlich wurde an den Festungen viel, viel länger gewerkelt. Ständig nahm man Erweiterungen und Verbesserungen vor, so dass ein einzigartiger Mix unterschiedlicher Epochen und Baustile entstand. Während die Anlagen des linken Rheinufers noch an mittelalterliche Bauten erinnern oder sich an die Renaissance anlehnen, findet man bei den Anlagen auf der rechten Rheinseite bereits Elemente späterer preußischer (Standard-) Festungen, die eigentlich erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert zum Einsatz kamen. Die noch heute zu bestaunende Festung Ehrenbreitstein gehörte dazu. Aber auch Bollwerke wie die Feste Kaiser Franz, die sich nördlich der Stadt befand und von der aus man die Mosel sichern konnte. Oder die Festungen Großfürst Konstantin beziehungsweise die Feste Alexander. Namensgeber waren jeweils die Könige mit Preußen verbündeter Länder während der napoleonischen Kriege.

Diese Seite gibt Dir einen kurzen Überblick über diese Werke, von denen heute meist nur noch klägliche Reste vorhanden sind. Etlichen Bauten wurden nämlich nach Ende des Ersten Weltkriegs und als Folge des Versailler Vertrags in den 1930-Jahren geschliffen. Das bedeutet nichts anderes, als dass man sie entmilitarisierte und letztlich dem Erdboden gleich machte. Auch wenn von dieser großen Festungsgeschichte heute nicht mehr viel übrig geblieben ist und eigentlich nur noch die Festung Ehrenbreitstein ein Highlight darstellt, ist die Stadt Koblenz natürlich stolz auf die Vergangenheit und vermarktet sie touristisch. Der nachfolgende Link führt Dich daher zu einem Flyer der Stadt Koblenz, der die Lage der Festungen ziemlich gut veranschaulicht.



Festung Ehrenbreitstein und umliegende Festungswerke


Anfang des 19. Jahrhunderts galt die Festung Ehrenbreitstein als eine der stärksten und mächtigsten Festungen in Europa. Sie thront auf einem steilen und schroffen Felsen 118 Meter oberhalb des Rheins und schützt den Zusammenfluss von Rhein und Mosel. Der Bau dieser außergewöhnlichen Festungsanlage, die noch heute vollständig erhalten ist, geht auf den König Friedrich Wilhelm III. zurück. Er veranlasste 1815 den Ausbau der Stadt Koblenz zu einer Festungsstadt und ließ zwischen 1817 bis 1832 auch Ehrenbreitstein errichten. Die Anlage besteht jedoch nicht nur aus der Festung selbst, sondern ihr enormer militärischer Wert wird komplettiert durch etliche Befestigungsanlagen, die im näheren Umfeld errichtet wurden.

  • Das Fort Rheineck befand sich im Norden der Festung Ehrenbreitstein. Leider wurde die Anlage 1927 komplett geschleift, so dass heute nichts mehr zu sehen ist.

  • Das Fort Pleitenberg basiert auf einem französischem Fort und wurde 1827 sowie 1841 ausgebaut. Es befindet sich nordwestlich von Ehrenbreitstein. 1850 folgte abermals eine Erweiterung, bei der u.a. ein Reduit entstand, welches heute noch vorhanden ist. Der übrigen Teile des Forts wurde 1927 geschleift.

  • Das Fort Asterstein wiederum wurde zwischen 1819 und 1826 errichtet. Endgültig mit Truppen belegt wurde es jedoch erst im Jahr 1830. Namensgeber war der preußische General Ernst Ludwig von Aster.

  • 1859 errichtete man südlich des Forts Asterstein ein Erdwerk, welches zwischen 1864 und 1868 zum Fort Rheinhell ausgebaut wurde. Auch diese Festung wurde im letzten Jahrhundert geschleift, so dass heute nicht einmal mehr Reste zu sehen sind.

  • Unweit des Forts Asterstein entstand 1866 und 1867 die Arzheimer Schanze, deren Wälle zur Geschütz- und Gewehrverteidigung ausgebaut wurden nebst einer kasemattierten Kaserne zur Unterbringung der Soldaten. Das Werk wurde komplett zerstört und ist heute überbaut.

  • Die Bienhornschanze, an die heute nur noch eine gleichnamige Straße erinnert, entstand 1857 ebenfalls anfangs als Erdwall. Sie befand sich südlich des Fort Rheinhell und war auf die südwestliche Front ausgerichtet.

  • Last but not least gab es noch das Werk Glockenberg, welches südlich des Forts Asterstein und westlich des Fort Rheinhell errichtet wurde. Anfangs war es ein kleines Festungswerk mit einfachem Geschützturm. 1841 erfolgte eine Erweiterung. Wie sollte es auch anders ein: Das Werk Glockenberg wurde ebenfalls 1927 als Ergebnis des Versailler Vertrages geschleift.

Festung Koblenz

Festungen rund um Koblenz (Serie im Aufbau)

Fort Asterstein

Festung Koblenz

Weitere Festungsanlagen rund um Koblenz


Auch wenn die eindrucksvolle Festung Ehrenbreitstein heute als historisches Militärdenkmal eine herausragende Stellung hat, gab es rund um Koblenz natürlich noch weitere Festungsanlagen. Nämlich im Nordwesten die Feste Kaiser Franz und im Südwesten die Feste Alexander, die beispielsweise dreimal so groß war für Ehrenbreitstein. Heute ist von diesen Anlagen fast nichts mehr übrig. Sie wurden alle Anfang des letzten Jahrhunderts als Folge des Versailler Vertrages geschleift. Das heißt nichts anderes als den Abriss der Festungen.

  • Wie bereits gesagt: Im März 1815 verfügte Friedrich Wilhelm III., dass Koblenz zur Festung ausgebaut werden soll. Nordwestlich der Kernstadt errichtete man dazu auf einer kleinen Anhöhe die Feste Kaiser Franz. Wie so viele Festungsanlagen rund um Koblenz fielen große Teile der Feste Kaiser Franz dem großen Schleifen im Jahr 1927 zum Opfer – als Folge des verlorenen Ersten Weltkriegs bzw. des Versailler Vertrages. Heute sind von der Festung noch einige Mauerreste und das Kernwerk vorhanden.

  • Wiederum südwestlich des Zusammenflusses der Mosel mit dem Rhein veranlasse König Friedrich Wilhelm III. den Bau der Feste Kaiser Alexander. Das war die größte Befestigungsanlage bei Koblenz; sie war dreimal so groß wie die bereits erwähnte Festung Ehrenbreitstein. Zur Feste Alexander gehörte das vorgelagerte Fort Großfürst Konstantin, die Schanze Großfürst und die Batterie Hübeling bzw. die Moselbatterie. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden sie komplett eingeebnet. Heute sind lediglich noch das Reduit und der Torbau vorhanden.



Ich sagte es ja bereits: Etliche Festungsanlagen rund um Koblenz wurden in den 30-Jahren des letzten Jahrhunderts niedergerissen. Im Festungsbaujargon spricht man von "schleifen". Man kann sich die Mächtigkeit der damals errichteten Bollwerke heute kaum noch vorstellen. Die Stadt Koblenz war allerdings so freundlich und hat einen Plan erstellt, dem man die Lage und Größe der damaligen Festungen gut entnehmen kann. Folge einfach dem Link ...

Lageplan der Festungen rund um Koblenz





Wissenswert.

Ich gab mir Mühe und versuchte die Geschichte des Festungsbaus mit wenigen Worten zusammenzufassen. Dabei konzentriere ich mich auf die preußischen Festungen Ende des 19. Jahrhunderts.

    • LINK: WISSENSWERTES

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen Festungen rund um Metz erfahren möchtest, lade Dir die KMZ für Google Earth herunter. Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

    • LINK: WISSENSWERTES

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