Festungen
der Barrière de Fer


Festungen der französischen Verteidigungslinie,
die ab 1871 von General Séré de Rivières
erdacht und errichtet wurde.


Keine Kriege werden zugleich so ehrlos
und unmenschlich geführt als die,
welche Religionsfanatismus und
Parteihass im Inneren eines Staates entzünden.

Johann Christoph Friedrich von Schiller
1759-1805



Die französische Verteidigungslinie - Barrière de Fer

Im 19. Jahrhundert war das französische Militär fest davon überzeugt, dass die direkte Grenze zum Erzfeind Deutschland am besten durch ein ausgeklügeltes System unterschiedlicher Festungen gesichert werden kann. Diesem Konzept folgend begannen sie in den 1867 der Errichtung etlicher neuer Festungen, um wichtige Verkehrsknotenpunkte oder ausgewählte Städte wie Metz, Thionville (dt. Diedenhofen) oder Belfore zu sichern.

Wenige Jahre später brach der Deutsch-Französische Krieg 1870/71 aus, bei dem Frankreich aus der Sicht viele Franzosen eine schmachvolle und demütigende Niederlage hinnehmen musste. Als Folge des verlorenen Krieges musste Frankreich große Teile Lothringens und das Elsass an das neu gegründete Deutsche Reich abtreten, so dass alle bisherigen Anstrengungen, die Ostgrenze zum Erzfeind angemessen zu sichern, hinfällig waren. Die neu errichteten Festungen rund um Metz fielen an Deutschland, die sie zügig ausbauten, um selbst wiederum ihre neue Grenze zu sichern.

General Séré de Rivières, barriere de fer,

General
Raymond Séré de Rivières
(1815-1895)

Das veranlasste die französische Regierung in den 1870er- und 1880er-Jahren eine neue Festungslinie zu errichten, die letztlich aus mehreren Festungsringen rund um ausgewählte Städte besteht. Sie sollte das Gleichgewicht wieder herstellen und die neue Ostgrenze zu Deutschland bzw. dem Reichsland Elsass-Lothringen angemessen sichern. Mit der Durchführung dieses Vorhabens wurde General Séré de Rivières beauftragt. Deswegen bezeichnet man die Festungslinie auch als Barrière de Fer (dt. Eisenbarriere) oder Système Séré de Rivières.

Das neue Konzept sah vor, dass vorwiegend alte Festungs- und Garnisonsstädte wie Verdun, Toul, Belfort, Nancy oder Reims mit einem Ring aus Forts, Zwischenwerken, Infanteriewerken und natürlich schlagkräftigen Batterien gesichert wurden. Speziell an der Schlacht um Verdun nahmen Forts der Barrière de Fer teil.

Das von Séré de Rivières erdachte Befestigungssystem basierte auf der Annahme, dass Deutschland bei seinem Angriff Frankreich zwar weitaus überlegen sein würde. Trotzdem galt es, einen Durchmarsch deutscher Truppen und eine drohende (nochmalige) Eroberung von Paris zu verhindern. Séré de Rivières bezog ferner in seine Überlegungen mit ein, dass zur Bewegung umfangreicher Truppenkontingente Eisenbahnlinien und gut ausgebaute Straßen notwendig waren. Es war daher sein Anliegen mit Hilfe klug platzierter Verteidigungsanlagen wichtige Verkehrsknotenpunkte sperren zu können, um sie für große Truppeneinheiten unpassierbar zu machen.


Barrière de Fer - das militärische Konzept

Das System von Séré de Rivières bestand im Wesentlichen aus vier Komponenten, wobei deren Zusammenspiel die eigentliche Stärke des neuen Verteidigungsgürtels ausmachen sollte:

Schematische Darstellung der Barrière de Fer - Frankreich zu Beginn des Ersten Weltkriegs 1914


=> Überblick / Festungen
Schematische Darstellung der Barrière de Fer plus Überblick über die Lage der Festungen

(1) Ankerpunkt des Systems waren die sogenannten Camps Retranchés, also Großfestungsanlagen mit etlichen Gürtelforts. Sie wurden um die Städte Verdun, Toul, Epinal und Belfort angelegt, indem man auf den die Städte jeweils umgebenden Höhen ein Gürtel aus Forts und Zwischenwerken errichtete.
Die Anlagen befanden sich meist fünf bis sechs Kilometer von der Stadt entfernt. Die Forts waren wichtige Stützpunkte im System und zugleich logistische Zentren für die Operationen der eigenen Armee. Sie beherrschten zudem strategisch wichtige Verkehrsknotenpunkte und Durchgangsstraßen - selbstredend schützten Sie auch die Stadt, die sie umgaben.

(2) Zwischen jeweils zwei Städten (Verdun und Toul bzw. Epinal und Belfort) wurden Verbindungsforts - auch Rideau-Forts genannt - errichtet. Mit ihnen sollte der Zwischenraum zwischen den Großfestungsanlagen (also dem Festungsring rund um die Städte) gesichert werden. Die Idee dabei: Der Angreifer würde durch diese Forts gezwungen werden, eine Seitwärtsbewegung zu vollziehen, um dann zwischen Toul und Epinal (wo es diese Verbindungsforts nicht gab) durchzustoßen.

(3) Die Stelle zwischen Toul und Epinal wurde als Trouée de Charmes (Loch von Charmes) genannt. Das Besondere dabei war, dass hier nur relativ kleine Truppeneinheiten durchgelangen konnten, die wiederum von der eigenen Armee hätte zurückgedrängt werden können.

(4) Last but not least wurden in der Nähe wichtiger Verkehrsknotenpunkten, die nicht durch das geschilderte System geschützt werden konnten, zusätzliche Sperrforts (frz. Forts d’Arrêt) errichtet. Sie befanden sich im Regelfall in unmittelbarer Nähe von Eisenbahnlinien und waren auf einen eigenständigen Kampf ausgerüstet.


Barrière de Fer - besuchte Festungen

Barrière de Fer - besuchte Festungen

Nachfolgend zeige ich Dir nur einen Teil der Festungen der Barrière de Fer - nämlich die, die ich bisher besuchen konnte. Teilweise handelt es sich dabei um Museen und teilweise liegen die Festungen verwunschen und vergessen im Wald. Just bei den zuletzt genannten Anlagen solltest Du sehr vorsichtig sein, wenn Du auch einen Besuch planst. Last but not least: Eine Übersicht über alle Festungen dieser französischen Verteidigungslinie findest Du, wenn Du dem Link folgst.

Festungen in Frankreich



Wissenswert.

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

    • LINK: WISSENSWERTES

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen
Festungen der Barrière de Fer erfahren möchtest,
lade Dir die KMZ für Google Earth herunter.
Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.