Festungsstädte im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert:

Historische Bilder und Postkarten
ausgewählter Festungsstädte

Wir sollten nie aufhören, zu neuen Zielen
aufzubrechen. Doch am Ende unserer
Erkundung sind wir plötzlich wieder da,
wo die Reise begann, und wir meinen,
zum ersten Mal hier zu sein.

Thomas Stearns Eliot
1888-1965

Historische Bilder und Postkarten ausgewählter Festungstädte in Frankreich

Historische Bilder ausgewählter Festungsstädte im 19. und 20. Jahrhundert

Ausgewählte Festungsstädte im Portrait

Im Verlauf des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts entstanden in Europa etliche neue Festungen - viele dieser Festungen, insbesondere die im deutsch-französischen Grenzgebiet dokumentiere ich hier. Diese Zeit war geprägt von gewaltigen Umbrüchen, die alle Einfluss auf den Festungsbau hatten. Wie baut man eine Festung? Wo soll sie entstehen? Und gegen wen soll sie eigentlich Schutz bieten?

Die riesigen Umbrüche betrafen in gewisser Weise alle Bereiche des Lebens: massive politische Veränderungen, die unter anderem dazu führten, dass neue Staaten entstanden (wie beispielsweise Belgien) oder sich der deutsche Staatenbund zum deutschen Kaiserreich einte. Die industrielle Revolution formte aus Bauernstaaten nach und nach industrielle Großmächte und die Möglichkeiten neuer Produktionsverfahren beflügelte die Rüstungsindustrie. Traurige Wahrheit ist auch, dass es nicht ohne Kriege ging. Die Folgen des napoleonischen Krieges wurden während des Wiener Kongresses Anfang des 19. Jahrhunderts verarbeitet, die Folgen des Deutsch-französischen Krieges von 1870/71 waren nicht weniger weitreichend - sie führten zur Annexion der französischen Regionen Elsass-Lothringen durch das deutsche Kaiserreich (Reichsland Elsass-Lothringen) und verfestigten das Misstrauen (oder soll ich lieber Feindschaft sagen) zwischen Frankreich und Deutschland. Nicht zu vergessen ist hier der Erste Weltkrieg mit seinen unendlichen Schrecken, Millionen an Toten, Verwundeten und an den Folgen des Krieges leidenden Menschen.

All diese Umbrüche hatten Einfluss auf den Festungsbau. Letztlich ist er doch nur ein Abbild der politischen Lage sowie der architektonisch und technisch Möglichkeiten. Er ist ein Abbild der Waffentechnik, die sich ebenfalls - beflügelt durch die bereits genannte industrielle Revolution - im Verlauf des 19. Jahrhunderts rasant entwickelte. Wie grundlegend solche Umbrüche sein können zeigt die sogenannte Brisanzgranatenkrise: 1880 wurden Sprenggranaten entwickelt. Geschosse für moderne Artillerie mit gewaltiger Sprengkraft. Auf einen Schlag galten alle bisher errichteten Festungen als veraltet. Sie konnten einem solchen Beschuss nicht standhalten und waren somit nutzlos (siehe: Entwicklung des Festungsbaus und Brisanzgranatenkrise)

Die Liste der Veränderung wäre noch lang. Doch eins dabei sollte man nicht außer Acht lassen: Die Menschen. Wie lebten Sie? Was taten Sie? Wie sahen die Städte aus, die von den wuchtigen Festungen - seien es einzelne Befestigungsanlagen oder ausgesprochen komplexe Festungssysteme - geschützt wurden? Diesem Abschnitt widme ich mich hier. In den Antiquariaten gibt es dazu reichlich Material zu diesem Thema. Alte Fotografien, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstanden und ein interessantes Bild dieser Städte zeichnen.



Deutsche Kaiserreich: Festungsstädte im damaligen Reichsland Elsass-Lothringen

Erster Weltkrieg - Zweisprachigkeit der Bevölkerung im Reichsland Elsass-Lothringen - 1914

Diese Karte vom Reichsland Elsass-Lothringen wurde 1915 veröffentlicht und soll aufgrund der Sprachgrenzen aufzeigen, dass ein Großteil der Menschen in der Region Deutsch spricht ... also auch zu Deutschland gehört. So war die damalige Logik bzw. Propaganda. | Quelle: Karten und Skizzen zum Weltkrieg 1914/15 von Eduard Rothert aus dem Jahr 1915.Druck und Verlag von A. Bagel, Düsseldorf.

Das Reichsland Elsass-Lothringen war ein Verwaltungsgebiet des Deutschen Reichs von 1871 bis 1918. Die ursprünglich zu Frankreich gehörenden Provinzen fielen nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 an das Deutsche Kaiserreich. Aus damaliger deutscher Sicht war dies ein Glücksfall. Dann nun hatte man einen Puffer zwischen den beiden, sich feindlich gegenüberstehenden Nationen. Erstmals seit langer Zeit konnte das Kaiserreich die Grenze sichern - und zwar auf französischem Territorium. In späteren Militärstrategien kam dem Reichsland eine immer wichtigere Rolle zu - siehe dazu den nächsten Abschluss über den Schlieffen-Plan von 1905.

Die Annexion 1871 führte in ganz Frankreich zu einer Welle nationaler Entrüstung. Aus französischer Sicht gehörte das Gebiet zur "Grande Nation", die Zwangsabtretung war demzufolge ein nicht hinnehmbarer Verlust. So verurteilte der französische Schriftsteller Victor Hugo (1802-1885) den Versuch, "aus einem Elsässer oder einem Lothringer einen preußischen Untertan machen zu wollen". Während viele Franzosen ihre Heimat verließen, wanderten Deutsche ins "Reichsland" ein, insbesondere Beamte und Militärs. Schon 1875 stellten sie fünf Prozent der Bevölkerung, 1890 etwa zehn Prozent und 1910 ganze 15 Prozent. Die deutsche Verwaltung, die die Franzosen als Fremdherrschaft interpretierten, verfolgte stark repressive Germanisierungspolitik, was immer wieder zu Konflikten führte. Verboten war das Singen der Marseillaise und die Verwendung französischer Hoheitssymbole.

Die Elsass-lothringische Frage erhielt mit Beginn des Ersten Weltkriegs neue Brisanz. Frankreich wollte seiner Forderung nach Rückgabe der Provinzen Nachdruck verleihen und konzentrierte anfangs die Angriffe in diesem Gebiet. Sie konnten jedoch keine nachhaltigen Erfolge erzielen und mussten sich nach deutscher Gegenoffensive auf eigenes Staatsgebiet zurückziehen.

Der Versailler Vertrag regelte schließlich die Eingliederung von Elsass-Lothringen in Frankreich. Die anfängliche Freude vieler Elsass-Lothringer wurde durch die rigide Assimilationspolitik Frankreichs aber erheblich gedämpft. Elsass-Lothringen blieb über Generationen hinweg ein "Zankobjekt" der beiden benachbarten Staaten und seine Bewohner wechselten innerhalb von drei Generationen viermal ihre Staatsangehörigkeit.

Stadt


Stadt


Frankreich: Festungsstädte entlang der Barrière de Fer

Historische Karte - sie zeigt die Festungsstädte Metz sowie Thionville auf deutscher und Verdun bzw. Toul auf französischer Seite. Beide fühlten sich vom jeweils anderen bedroht.

Ausschnitt: Die Barrière de Fer zwischen Verdun un Toul.
Quelle: The Americans in the Great War - V2 The Battle of Saint Mihiel von 1915 / Autor: Michelin & Cie

Es gibt Historiker, die sagen, dass der Grundstock der viel zitierten deutsch-französischen Feindschaft Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf deutscher Seite während der napoleonischen Kriege entstand und auf französischer Seite spätestens nach dem für die Franzosen verloren gegangenen Deutsch-französischen Krieg und die Annexion Elsass-Lothringen durch das Kaiserreich gelegt wurde. Wie auch immer: Die Franzosen errichteten Ende des 19. Jahrhunderts eine wuchtige Verteidigungs- und Festungslinie, um sich vor einem Angriff des Kaiserreichs zu schützen.

Offiziell reichte diese Verteidigungslinie (Barrière de Fer) von der Atlantikküste bis zum Mittelmeer. Tatsächlich fokussierte sie die direkte (neue) deutsch-französische Grenze und reiche von Verdun, über Toul und Épinal bis Belfort. Diese Städte spielten beim Ausbau der neuen Festungslinie der Franzosen eine ganz besondere Rolle. Sie wurden umgeben von einer Vielzahl kleinerer und größerer Forts und auch der Raum zwischen ihnen sicherte man durch Befestigungsanlagen. Diese Städte waren Frankreichs Bollwerk gegen das deutsche Kaiserreich.

Analog zu der deutschen Generalität machten sich natürlich auch die Franzosen Gedanken darüber, wie ein künftiger Krieg gegen das deutsche Kaiserreich geführt werden sollte. Für sie war dabei ein wichtiges Etappenziel, die verloren gegangenen Regionen Elsass und Lothringen wieder für sich zu gewinnen.

Anfangs waren diese Pläne noch recht defensiv ausgerichtet. Als 1911 General Joseph Joffre Oberbefehlshaber der französischen Armee wurde, änderte sich die Haltung. Beeinflusst von General Ferdinand Foch, der sich für eine Offensivstrategie gegenüber Deutschland aussprach, änderte Joffre seine Pläne, indem er den Plan XVII annahm. Als dann der Erste Weltkrieg ausbrach, bestimmte dieser das Vorgehen der Franzosen. In dem Zusammenhang fragt man sich vielleicht, warum "Plan XVII". Das ist einfach beantwortet: Es war der 17. Plan der französischen Generalität seit dem Deutsch-französischen Krieg. Wikipedia: Karte des Plans XVII.

Der Plan XVII beschrieb die Mobilisierung und den Aufmarsch der französischen Streitkräfte. Er sah vor, dass die Hauptmasse der Kampfverbände für die französisch-belgische und die französisch-deutsche Grenze gleichermaßen vorgesehen war. Er ging bereits von einem Durchmarsch deutscher Truppen durch Belgien aus. Er sah aber auch eine massive Offensive französischer Truppen gegen Elsass-Lothringen vor, weil man 1871 an Deutschland abgetretenen Regionen wieder zurückgewinnen wollte. Konkret: Im Kriegsfall sollten französische Truppen unmittelbar in die vom Kaiserreich annektierten Regionen einmarschieren.

Die Strategie der Franzosen war "zweigeteilt": Mit Annahme des Plans XVII durch Joffre im Jahr 1913 begann auch eine massive Unterstützung Russlands. Die Franzosen gaben erhebliche Mittel, damit Russland seine Truppen innerhalb von 15 Tagen mobilisieren kann. Je schneller Russland ins Feld ziehen kann, desto geringer wird der Druck auf Frankreich sein.

Stadt


Stadt


Bei der Gelegenheit: Wann Du an weiteren Aufnahmen an einigen der zuvor genannten Städte interessiert bis und auch mehr über die Kriegsschauplätze an der Westfront in Frankreich und Belgien des Ersten Weltkriegs erfahren möchtest, empfehle ich Dir die alten Michelin's Illustrated Guides. Einige von Ihnen sind Online anzusehen.

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