Blick in die Geschichte:
Deutsches Kaiserreich 1871-1918

Kaiser Wilhelm II.

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"Es ist nicht gut, an dem Alten und Hergebrachten viel zu ändern und zu rütteln, namentlich muss man sich hüten, allzu rasche Veränderungen vorzunehmen; das wirklich Veraltete wird schon die Zeit selbst beseitigen. Leichter ist es einzureißen als aufzubauen."

Kaiser Wilhelm I.
letzter deutscher Kaiser
1797-1888

Kaiser Wilhelm I. und sein Verhältnis zu Frankreich

Kaiser Wilhelm I. war zu Lebzeiten ein populärer Monarch. 1861 wird er zum König von Preußen gekrönt und 1871 (eher widerwillig) zum ersten Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs. Die Regierungsgeschäfte übergab er frühzeitig an Otto von Bismarck, den er zu seinem Ministerpräsidenten machte und ihm bei den Regierungsgeschäften weitgehend freie Hand ließ. In Deutschland verehrten ihn viele Menschen zutiefst und waren stolz, dass Deutschland einen in Europa so bedeutenden Herrscher hatte. Ihm zu Ehren wurden damals viele protzige Denkmäler errichtet, die zum Teil bis heute die Zeit überdauerten.

Ganz in der Tradition damaliger Monarchenhäuser trat Wilhelm I. früh in die preußische Armee ein und war bereits in jungen Jahren an den napoleonischen Kriegen beteiligt. Für Preußen war das damals eine schwierige Zeit, denn es drohte, unter französischer Ägide unterzugehen. Erst ein Bündnis mit Russland wendete während der Befreiungskriege zwischen 1812-1815 das Blatt. Wilhelm I. war an ihnen ab 1814 als junger Offizier beteiligt. Seither sagte man Wilhelm I. eine tiefe Abneigung gegen Frankreich nach, die die kommende Zeit prägen sollte. Seine Ansichten waren dabei durchaus im Einklang mit der Haltung vieler Deutschen, bei denen die Machtansprüche Napoleon Bonaparte, seine Feldzüge gegen Deutschland, seine Siege und anschließende Herrschaft durch Vasallen in der Bevölkerung großes Ressentiment gegenüber den Franzosen schürte. Später dann musste Wilhelm I. abermals gegen Frankreich ins Feld ziehen. 1870, im Deutsch-französischen Krieg, führte Wilhelm den Oberbefehl in der kriegsentscheidenden Schlacht bei Sedan und nach dieser gelingt deutschen Truppen die Festnahme des französischen Kaisers Napoleon III..

Spätestens nach Ende des Deutsch-französischen Krieges beruhte diese Abneigung zwischen Franzosen und Deutschen auf Gegenseitigkeit. Der für Frankreich verloren gegangene Krieg, die Erkenntnis, dass man Deutschland militärisch nicht gewachsen war (was zu einer grundlegenden Umstrukturierung der französischen Armee nach 1871 führte) und insbesondere der Umstand, dass man Elsass und Lothringen dauerhaft an das just in Versaille proklamierte Deutsche Kaiserreich abtreten musste, führte unter den Franzosen zu großen Vorbehalten. Die Folgen all dieser Dinge kennen wir: Sie mündeten in den Ersten Weltkrieg.

Steckbrief: Kaiser Wilhelm I.

  • Name: Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen

  • Geboren: 22. März 1797 in Berlin

  • Gestorben: 9 März 1888 in Berlin

  • Vater: Friedrich Wilhelm III. von Preußen (1770-1840)

  • Mutter: Luise von Mecklenburg-Strelitz (1776-1810)

Wichtige Ereignisse in seinem Leben:
  • 1807: Ernennung zum Offizier; Beginn seiner Laufbahn in der preußischen Armee.

  • 1814: Bereitungskriege gegen Napoleon, sie prägten seine Abneigung gegen Frankreich.

  • 1819: Sprecher des Militärs innerhalb des Hauses Hohenzollern.

  • 1848: Eintreten für die gewaltsame Niederschlagung der Märzrevolution in Berlin.

  • 1849: Wilhelm setzt sich an die Spitze der Gegenrevolution.

  • 1850: Wilhelm nimmt eine gemäßigtere Haltung gegenüber dem Liberalismus ein.

  • 1858: Eid auf die preußische Verfassung

  • 1859: Friedrich Wilhelm wird als erstes Kind geboren (später Kaiser Friedrich III.)

  • 1861: Nach dem Tod seines Bruders wird er als Wilhelm I. König von Preußen.

  • 1862: Wilhelm ernennt Otto von Bismarck zum Ministerpräsidenten.

  • 1864: Oberbefehl der preußischen Armee im Deutsch-Dänischen Krieg.

  • 1867: Wilhelm übernimmt den Vorsitz im Norddeutschen Bund.

  • 1870: Beginn des Deutsch-französischen Krieges.

  • 1870: Wilhelm hat das Kommando über deutschen Truppen in der Schlacht von Sedan.

  • 1871: Wilhelm zum Kaiser des neu gegründeten Deutschen Reichs ausgerufen.

  • 1888: Kaiser Wilhelm I. stirbt in Berlin.

Kaiser Wilhelm I. und der Festungsbau

Wilhelm I. wurde am 2. Januar 1861 nach dem Tod seines Bruders zu König von Preußen gekrönt. Kurz nach seiner Krönung beruft er Otto von Bismack zum Ministerpräsidenten, der wiederum seine Position nutzt, um in drei Kriegen das Deutsche Reich politisch zu einigen. Den militärischen Oberbefehl hat jeweils Wilhelm I:

Es begann mit dem Deutsch-dänischen Krieg (1864) und setzte sich fort mit dem Deutschen Bruderkrieg (1866), bei dem Wilhelm eine Koalition aus Österreich und Bayern schlägt. Später folgt dann der Deutsch-französische Krieg, bei dem Wilhelm - wie bereits erwähnt - den Oberbefehl in der entscheidenden Schlacht bei Sedan hatte.

Die erste Panzerfestung bei Thron

Wilhelm I. richtete seinen Blick aber auch nach Osten: Obwohl das Zarenreich während der Napoleonischen Kriege noch Verbündeter war, galt es nun, auch die Ostgrenzen Preußens zu schützen. Strategisch wichtige Städte wurden zwar im Verlauf des 19. Jahrhunderts wiederholt militärisch ausgebaut, doch die Festungen galten als "etwas in die Jahre gekommen".

Also ließ Wilhelm weit vor den Toren dieser Städte neue Gürtelfestungen errichten. Seinerzeit und unter der Ädige von Wilhelm I. baute man beispielsweise Thron (heute in Polen) und Königsberg (heute in Russland) entsprechend aus. Gegen Ende seiner Amtszeit entwickelten deutsche Ingenieure sogar erste Pläne eines gänzlich neuen Festungstyps, mit denen man auf die Bedrohung just entwickelter Brisanzgranaten reagierte.

Dieser Prototyp moderner deutscher Festungen, der zum Standard für alle folgenden Investitionen werden sollte, konnte jedoch erst nach seinem Tod fertiggestellt , um dann nach ihm benannt zu werden: Feste König Wilhelm I. (in Anlehnung daran, dass er lieber König von Preußen war) bei Thron. Heute heißt sie Fort I Jan III Sobieski- es war die erste Panzerfestung, die Deutschland erbaute.

Panzerfestungen bei Metz, Thionville und Straßburg

Nach Gründung des Deutschen Reichs 1871 und dem Frankfurter Frieden zwischen Deutschland und Frankreich vom 10. Mai 1871 entwickelten die Generalstäbe beider Seiten erste Überlegungen zur jeweiligen Sicherung der Grenzen und in gewisser Weise auch als Vorbereitung einer erneuten kriegerischen Auseinandersetzung. Während Frankreich mit der Barrière de Fer eine neue Festungskette von Verdun, über Toul, Épinal bis Belfort errichtete, baute Deutschland die nach dem Sieg über Frankreich annektierten Städte Straßburg, Metz und Thionville und die bereits verfügbaren Rheinbefestigungen weiter aus. Es begann damit, das Kaiser Wilhelm I. unmittelbar nach Kriegsende den Befehl erteilte, die rund um Metz noch unter den Franzosen begonnenen Festungsbauten zu vollenden (siehe: erster Festungsring rund um Metz).

Unabhängig davon errichtete man rund um Straßburg etliche neue Festungen zum Schutz der strategisch wichtigen Stadt. Der Einfachheit halber bediente man sich dabei den Plänen von Hans Alexis von Biehler, der Jahre zuvor das sog. Biehlersche Standardfort entwickelte.

Parallel dazu entwickelte man die Pläne moderner Panzerfestungen weiter und es begann - allerdings erst nach dem Tod Wilhelm I. - der Bau einer neuen Sperrfestung westlich von Straßburg, der späteren Feste Kaiser Wilhelm II.. Ihre Baupläne waren abgeleitet von dem Prototyp bei Thorn, und sie setzte Maßstäbe, die später bei der Errichtung des zweiten Festungsrings rund um Metz noch weiter "verfeinert" wurden.

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