Österreich-Ungarn und Italien: Eine schwierige Nachbarschaft
Alpenkrieg 1915-1918 aus Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg

Quelle: Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg, Wien 1934 / Alpenkrieg 1915-1918 aus Österreichs Volksbuch vom Weltkrieg

Das war schon eine verzwickte Situation zu Beginn des letzten Jahrhunderts: Offiziell waren die Monarchien Österreich-Ungarns und Italien verbündete. Sie bildeten zusammen mit dem Deutschen Kaiserreich den sogenannten Dreierbund. Die Donaumonarchie in Wien traute seinen südlichen Nachbarn nicht. Das hatte seinen Ursprung bereits im früheren 19. Jahrhundert. Einst reichte der Machtanspruch Wiens bis weit in Norditalien hinein: So gehörten die Lombardei, Trentino, Südtirol und Venetien bis Mitte des Jahrhunderts noch zu Österreich-Ungarn. Die italienischen Unabhängigkeitskriege, die Italien mit seinem nördlichen Nachbarn führte, hatten allerdings zur Folge, dass die Lombardei und Venetien Italien zufiel und Österreich-Ungarn eine "Keilspitze" beherrschte - bestehend aus Trentino und Südtirol.

Geschockt vom Verlust wichtiger norditalienischen Regionen begann Österreich-Ungarn dann im Verlauf des 19. Jahrhunderts seinen Machtanspruch in der Region mit neu errichteten Festungen zu unterstreichen. Anfangs begann man wichtige Pässe und Verkehrswege militärisch zu sichern und die Stadt Trient zu einer Gürtelfestung auszubauen. Später folgten weitere Festungen unweit der damaligen österreich-ungarisch-italienischen Grenze. Beispiele dafür sind die Werkgruppe Lavarone-Folgeria (südöstlich von Trient gelegen) oder die weiter nördlich erbaute Sperre Landro-Plätzwiese. Mit der Zeit gehend handelte es sich bei diesen Werken um sehr moderne Festungsanlagen, bei denen man verschiedene, vom Deutschen Kaiserreich entwickelte Konzepte zum Bau neuer Panzerfestungen übernahm. Wesentlichste Merkmale waren die neuen Panzertürme zum Schutz der 10-cm-Turmhaubitzen oder die gepanzerten Maschinengewehrstellungen. Siehe: Österreich-Ungarische Panzerfestungen.

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs waren verschiedene dieser Festungen noch nicht hundertprozentig oder gerade erst fertiggestellt. Und andere Festungen wiederum (wie beispielsweise die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rund um Trient gebauten Werke) galten bereits als maßlos veraltet. Unterstützt mit schwerer Artillerie hätten die Italiener sie in kurzer Zeit niederkämpfen können. Dennoch setzte Österreich-Ungarn auf die verbliebene Kampfkraft all seiner Werke im unzugänglichen gebirgigen Gelände und spekulierte darauf, dass der Gegner seine Artillerie just wegen der schwierigen geografischen Gegebenheiten nicht nah genug an die eigenen Festungen heranführen könnte.

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