Sturmtruppen im Grabenkrieg

Erster Weltkrieg - deutsche Sturmtruppen im Schützengraben | Quelle: Historische Postkarte

Historische Postkarte aus der Zeit
des Ersten Weltkriegs

Weitere Informationen / externe Links:
- Hauptmann Rohr - Portrait bei Wikipedia
- Sturmbataillon Nr. 5 - englische Homepage
- Verlustenliste des Sturmbataillon Nr. 5

Im Herbst 1914 verkeilte sich die Westfront. Der Bewegungskrieg wurde zum zermürbenden Stellungskrieg und die militärische Führung erkannte schnell, dass die Taktik des fortwährenden Infanterieangriffs auf offenem Feld nicht dazu führte, den Gegner niederringen zu können. Die neuen Waffen, die die Schlachtfelder beherrschten (Maschinengewehr, Flammenwerfer oder Infanteriegeschütze) bevorteilten den Verteidiger. Ein Anrennen gegen damit ausgestattete Linie gleich einem Himmelfahrtskommando. Denn:

Die damalige Taktik beruhte auf stetigen Infanterieangriffen in geschlossener Ordnung. Das heißt, dass die Truppen in Massen vorrückten - das Gewehr in der Hand, die Bajonette aufgepflanzt. Während des Angriffs auf die feindlichen Schützengräben mussten sie das sogenannte Niemandsland durchqueren, während die feindliche Artillerie sie mit Schrapnellfeuer bombardierte. Es galt auch Drahthindernisse zu überwinden und Granattrichter zur durchschreiten. Währenddessen versuchten die Verteidiger sie mit Maschinengewehrfeuer oder Mörsern zu durchlöchern. Nachdem sie dann den feindlichen Graben erreicht hatten, mussten die (meist wenigen) Überlebenden ihn vom Feind "säubern" - oft im Nahkampf mit Messern und Keulen. Gleichzeitig mussten sie aber auch mit einem sofortigen Gegenangriff rechnen. Für die Generäle war dies eine schier ausweglose Situation. Ihr Rezept darauf war einzig, immer noch mehr Material einzusetzen und noch mehr Soldaten zum Sterben an die Front zu schicken. Einer der traurigen Höhepunkte dieses Wahnsinns war die Schlacht um Verdun.

Die Sinn- und Erfolglosigkeit der Infanterieangriffe in geschlossener Ordnung wurde auch bald dem einfältigsten Frontkommandeur klar. Um dieses Problem zu überwinden, schufen die Deutschen die sogenannten Sturmtruppen. Das waren Eliteeinheiten, die den Auftrag hatten, in die feindlichen Schützengräben einzudringen, damit der Rest der Armee besser vorrücken konnte. Das Konzept der Sturmtruppen wurde bereits von den Buren in ihrem Krieg gegen das Britische Empire zwischen 1899 und 1902 angewendet. Die Deutschen kopierten es: Die Buren zeichneten sich nicht nur als Scharfschützen aus, sondern waren geschickt im Guerillakrieg, in Überraschungsangriffen und Hinterhalten. Während des Krieges schlossen sich die Buren in Trupps von drei oder vier Männern zusammen, um die britischen Linien zu überqueren und die ausgedehnten Netzwerke von Stacheldraht und Blockhäusern zu umgehen, die sie schützten. Sobald sie auf feindlichem Gebiet waren, versammelten sie sich in größeren Gruppen und griffen die feindlichen Versorgungslinien an, wobei sie die Eisenbahnlinien abschnitten und den Telegrafen störten. Nach ihren Einfällen würden sie in kleinen Gruppen wieder fliehen, bevor feindliche Verstärkungen in das Gebiet eintrafen. Obwohl die Buren schließlich durch das zahlenmäßige Gewicht des Britischen Empire besiegt wurden, gelang es ihnen, dem Feind demütigende Niederlagen zuzufügen.

Die ersten Versuche zur Erprobung der Taktik scheiterten, weil die Kommandeure vor Ort die Soldaten wie die Infanterie einsetzen. Sie konnten dieser neuen Taktik nichts abgewinnen - weil sie sie nicht kannten und sich den Nutzen nicht vorstellen konnten. Angesichts der ausweglosen Lage arbeitete man dennoch weiter an der Taktik des Sturmangriffs. Man bildete - ähnlich wie seinerzeit die Buren - kleine 3- bis 4-Manngruppen, die mit Granaten und Flammenwerfern ausgerüstet waren, um hinter die feindlichen Linie zu gelangen wo sie Maschinengewehrnester auszuschalten. Dabei rückte ein Mann vor. Er bildete die Spitze und hatte die Aufgabe, die Drahthindernisse zu durchtrennen. Ihm folgten Kameraden und deckten ihn mit ihren Waffen. Nach dem Überqueren des Niemandsland griffen sie mit Granaten und Flammenwerfern die Widerstandsnester des Feindes an, zerstörten sie (wenn es gut verlief) und machten so den Weg für die Infanterie frei. Am 12. Oktober 1915 konnte eine kleine Sturmtruppe bei den Kämpfen in den Vogesen den Erfolg dieser Taktik unter Beweis stellen. Sie wurde fortan an allen Frontabschnitten eingesetzt und stetig "verfeinert". Anfangs bildeten die Deutschen nur kleine Gruppen - später ganze Bataillone, die speziell für den Sturmangriff ausgerüstet und ausgebildet wurden. Bereits am 22. Februar 1916 wurden bei der Schlacht um Verdun eigens gebildete Sturmkompanien eingesetzt. Um die Linien der Franzosen zu durchbrechen, wurde jeder Division der 5. Armee vor Verdun eine Sturmkompanie zugeteilt. Sie sollten die Angriffe führen. Es gelang ihnen tatsächlich, die französischen Befestigungen zu durchbrechen, was in der Folge zur (glücklich verlaufenen) Einnahme der Festung Douaumont führte.

Eine Rückkehr zum Bewegungskrieg brachte allerdings auch das nicht – lediglich das Töten wurde effektiver gestaltet. Und als die Engländer bzw. Franzosen diese Taktik übernahmen, war die Lage wieder "ausgeglichen".

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