Geschichte des Festungsbaus:
Deutsche Festungen im ausgehenden 19. Jahrhundert

Festungen des
deutschen Kaiserreichs


Zwischen der Reichsgründung im Jahr 1871
und dem Ende des 19. Jahrhunderts

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Infolge der Reichsgründung am 18. Januar 1871
wurde Deutschland – als Kaiserreich – zum Nationalstaat geeint.

Das Deutsche Kaiserreich war ein von
Preußen dominierter Obrigkeitsstaat.

Bis 1890 spielte Reichskanzler Otto von Bismarck
in der Innen- und Außenpolitik eine prägende Rolle.
Diese wurde anschließend von Kaiser Wilhelm II. übernommen.
Dessen Außenpolitik führte Europa
1914 in den Ersten Weltkrieg.

Infolge der Reichsgründung am 18. Januar 1871 wurde Deutschland zum Nationalstaat geeint. Das Deutsche Kaiserreich unter Wilhelm I. war ein von Preußen dominierter Obrigkeitsstaat.

Karte - Deutsches Kaiserreich - anno 1900

Das deutsche Kaiserreich anno 1900.

Bis 1890 spielte Reichskanzler Otto von Bismarck in der Innen- und Außenpolitik eine prägende Rolle. Diese wurde anschließend von Kaiser Wilhelm II. übernommen. Seine Außenpolitik führte Europa 1914 in den Ersten Weltkrieg.





Ein Blick in die Geschichte

Um die damalige Zeit und insbesondere die Strategien beim Bau neuer Festungen im Deutschen Kaiserreich zu verstehen, erfordert einen kurzen Blick in die Geschichte:

18. Januar 1871 ... Schloss von Versaille: Der preußische König Wilhelm I. wird zum deutschen Kaiser ausgerufen. Fürsten und adlige Militärs waren anwesend, um dieses Jahrhundertereignis gebührend zu feiern und Wilhelm I. entsprechend zu huldigen. Während im Schloss von Versaille dieses Illustre Publikum feierte, tobte nicht weit von ihnen noch der Deutsch-französische Krieg - eine kurze Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich. Deutschland gewann diesen Krieg. Es war ein schneller Sieg, denn die Kämpfe dauerten nicht einmal ein Jahr. Seine folgen waren allerdings weitreichend - bis ins 19. Jahrhundert hinein. Dazu aber gleich mehr.

Die ersten Jahres des deutschen Reichs bestimmten Kaiser Wilhelm I. und sein Reichskanzler Otto von Bismarck mit seinen weitreichenden Befugnissen die Geschicke des Landes. Unter ihrer Führung wurde Deutschland außenpolitisch inmitten Europas ein wirtschaftlich und militärisch starker Nationalstaat.

Die Nachbarn sahen das mit Argwohn. Das galt insbesondere für Frankreich - nicht zuletzt, weil man die Schmach des verlorenen Krieges 1870/71 nicht überwinden konnte. Zentrales Ziel der Bismarck'schen Außenpolitik war es daher, im Fall eines Krieges Deutschland vor einem Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland zu schützen.

Kaiser Wilhelm I. verstarb am 9. März 1888. Drei Tage später wurde sein Sohn, Friedrich III., zum neuen Kaiser proklamiert. Bereits 99 Tage nach seinem Amtsantritt, am 15. Juni 1888, starb Friedrich III. an Kehlkopfkrebs.

Deutscher Kaiser - Kaiser Wilhelm II


"Ehe die Theorie des ewigen Friedens allgemein zur Anerkennung gelangt, werden noch manche Jahrhunderte vergehen."

Kaiser Wilhelm II.
letzter deutscher Kaiser
1859-1941







Aufgrund der kurzen Amtszeit wird er auch als „99-Tage-Kaiser“ bezeichnet. Gerade einmal zehn Tage nach seinem Tod wurde sein 29-jähriger Sohn als Kaiser Wilhelm II. inthronisiert.

Mit dem Tod Friedrich III. und der Machtübernahme Wilhelm II. ging auch nach und nach die Ära Otto von Bismarcks zu Ende. Er wurde 1890 aus seinem Amt entlassen. Damit änderte sich auch grundlegend die deutsche Außenpolitik. Historiker sagen heute häufig, dass damals bereits der Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt wurde. Denn: Fortan formulierte Kaiser Wilhelm II. für Deutschland eine ‚Weltgeltung‘. Er verabschiedete sich von der bisherigen Bündnispolitik und versuchte dem wirtschaftlich starken Deutschland eine Vormachtstellung zu sichern.

Obwohl Kaiser Wilhelm II. immer wieder seinen guten und friedlichen Willen bekundete, zerschlägt er in den Folgejahren durch wenig diplomatische Aussagen und seinem wechselhaften Verhalten auf europäischer Bühne viel Porzellan. Er überschätzt seinen Einfluss – beispielsweise auf den verwandten russischen Zaren. All dies lieferte den Ententemächten, die sich durch das wirtschaftlich und militärisch aufstrebende Deutschland bedroht fühlen, willkommene Anlässe, sich durch neue Bündnisse zusammenzuschmieden. Das wiederum führt dazu, dass sich das Deutsche Kaiserreich eingekreist fühlt und in Österreich seinen letzten großen Verbündeten sieht.

Aufgrund der kurzen Amtszeit wird er auch als „99-Tage-Kaiser“ bezeichnet. Gerade einmal zehn Tage nach seinem Tod wurde sein 29-jähriger Sohn als Kaiser Wilhelm II. inthronisiert.

Mit dem Tod Friedrich III. und der Machtübernahme Wilhelm II. ging auch nach und nach die Ära Otto von Bismarcks zu Ende. Er wurde 1890 aus seinem Amt entlassen. Damit änderte sich auch grundlegend die deutsche Außenpolitik. Historiker sagen heute häufig, dass damals bereits der Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt wurde. Denn: Fortan formulierte Kaiser Wilhelm II. für Deutschland eine ‚Weltgeltung‘. Er verabschiedete sich von der bisherigen Bündnispolitik und versuchte dem wirtschaftlich starken Deutschland eine Vormachtstellung zu sichern.

Obwohl Kaiser Wilhelm II. immer wieder seinen guten und friedlichen Willen bekundete, zerschlägt er in den Folgejahren durch wenig diplomatische Aussagen und seinem wechselhaften Verhalten auf europäischer Bühne viel Porzellan. Er überschätzt seinen Einfluss – beispielsweise auf den verwandten russischen Zaren. All dies lieferte den Ententemächten, die sich durch das wirtschaftlich und militärisch aufstrebende Deutschland bedroht fühlen, willkommene Anlässe, sich durch neue Bündnisse zusammenzuschmieden. Das wiederum führt dazu, dass sich das Deutsche Kaiserreich eingekreist fühlt und in Österreich seinen letzten großen Verbündeten sieht.

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Die neue Offensivstrategie des Kaiserreichs - auch beim Festungsbau

Um es vorwegzusagen:

Die Art neue Festungen zu errichteten änderte sich im frisch gegründeten Deutschen Kaiserreich unter Wilhelm I. nicht. Man setzte weiterhin auf die neupreußische bzw. neudeutsche Festungsbaumanier - also auf Polygonal-Befestigungen, die mit einem gewissen Abstand um den zu schützenden Ort platziert werden, autonom kämpfen können, sich dabei aber auch gegenseitig decken und zusammen einen Festungsgürtel bilden. Dies alles blieb gleich - wurde maximal vor Ort den Gegebenheiten angepasst. Man setzte auch weiterhin auf das Biehlersche Standardfort, welches wenige Jahre zuvor entwickelt wurde.


Was war also neu unter Kaiser Wilhelm I.?

Mit Gründung des Deutschen Kaiserreich, nach Ende des Deutsch-französischen Krieges und der damit verbundenen Annexion der französischen Regionen Elsass-Lothringen veränderten sich die Strategien und Schwerpunkte hinsichtlich der Landesverteidigung. Es verschob sich insbesondere im Westen des Kaiserreich schlicht der Fokus:

Zuvor galt es, Städte wie Koblenz oder Köln vor einem französischen Angriff zu sichern. Nun konzentrierte man sich auf die neu entstandene deutsch-französische Grenze, die Nahe der Städte Thionville, Metz und Straßburg verlief. Köln und Koblenz waren militärisch ausgebaut. Das neu gebildete "Reichsland Elsass-Lothringen" nicht. Unabhängig davon galt es weiterhin, die Ostgrenze zu Russland militärisch zu schützen, weil man sich mit der Zeit immer stärker durch das benachbarte Zarenreich bedroht fühlte. Mit Reichsgründung änderte sich die Blick nach Osten nicht wesentlich. Kaiser Wilhelm I. ließ wie sein Vorgänge auch, Städte wie Königsberg, Posen etc. befestigen. Einen Schwenk gab es unter Kaiser Wilhelm II., der einen viel stärkeren Fokus auf die West- als auf die Ostgrenze hat. Das sieht man, wenn man sich die Bauvorhaben gegen Ende 19. bzw. zu Beginn des 20. Jahrhunderts ansieht.

Und was war noch neu?

Parallel dazu entwickelte sich nach und nach eine Offensivstrategie gegenüber Frankreich und Russland, die ihren Höhepunkt in dem später entworfenen Schlieffen-Plan von 1905 findet. Wie das in Verbindung mit eigentlich defensiv ausgerichteten Festungen gehen soll, versuche ich kurz zu erklären:

  • Seit Reichsgründung konzentrierten sich die Planungen deutscher Militäringenieure den militärischen Ausbau weniger, strategisch herausragender Orte. Dort errichtete man wuchtige Festungsringe und - im Fall der Stadt Metz - baute man diese sogar zu einer der am besten befestigten Städte in Europa aus.

  • Die Festungen, die seinerzeit entstanden, folgten jedoch nicht nur einer Defensivstrategie. Heißt am Beispiel Köln: Hier wollte man die Stadt vor einem französischen Angriff schützen. Dazu errichtete man einen wuchtigen Festungsring rund um die Stadt.

  • Im Falle der Städte Metz und später auch Thionville war das anders. diese Festungen sollten im Fall eines Krieges aus die vorrückenden Feldarmeen schützen und ihnen als Ausgangs- und Stützpunkt dienlich sein.

    Metz kann man hier abermals als gutes Beispiel nennen. Denn dort errichtete man nicht nur eine Vielzahl neuer Festungen, sondern einen (für die kleine Stadt eigentlich absolut überdimensionierten) Zentralbahnhof, der umgeben wurde von prachtvollen und breiten Straßen - ideal zum Verlegen großer Truppenkontingente. Es entstanden auch rings um den Stadtkern herum etliche Kasernen. Jahre später - zur Zeit des Ersten Weltkriegs - zeigte sich der Nutzen dieser vorausblickenden Planung der deutschen Militärstrategen.

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19. Jahrhundert: Deutsche Festungen zur Sicherung der damaligen West- und Ostgrenze des deutschen Kaiserreichs

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