Blick in die Geschichte:
Exkurs

Der Gruson'sche Fahrpanzer
gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Hermann Grusons legendäre Grusonwerke bei Magdeburg war spezialisiert auf moderne Panzertürme. Eines seiner ersten Produkte mit großem Erfolg und quasi ein Vorläufer späterer Panzertürme war der Gruson Fahrpanzer.

Drei relevante Akteure der deutschen Rüstungsindustrie

Der Entwicklung moderner Panzertürme wie man sie als Standard in den neuen Panzerfestungen verbaute, erfolgte über viele Jahre hinweg. Den Anstoß gab 1840 der schwedische Industrielle Martin von Wahrendorff. Er entwickelte für die Artillerie das erste Hinterlader-System und kurz darauf auch die ersten Geschütze mit gezogenem Lauf. Beides zusammen eröffnete der Artillerie ganz neue Perspektiven. Sie wurde deutlich schlagkräftiger, weil durch diese Erfindungen eine höhere Schussrate, eine höhere Reichweite und eine bessere Treffgenauigkeit erzielt werden konnte. Relevante Weiterentwicklungen - sowohl bei einer offenen Feldschlacht als auch beim Festungskampf.

In Deutschland wiederum gab es drei Akteure, die diese Entwicklung aufgriffen und entweder neue Waffen entwickelten oder sie bauten. Sie prägten maßgeblich die Entwicklungen hierzulande. Später setzte dann ein Konzentrationsprozess ein, so dass viele Menschen heute nur noch den zuletzt Genannten beziehungsweise ein Unternehmen kennen. Es war nämlich die deutsche Waffenschmiede im Ersten Weltkrieg. Seine Produkte wie die "Dicke Berta" sind heute noch bekannt.


Maximilian Schumann

Maximilian Schumann (1827-1889) war preußischer Ingenieuroffizier. Er avancierte in den 70er-Jahren des Jahrhunderts zu einem der wenigen deutschen Spezialisten für die Verwendung von Gussstahl zur Panzerung von Geschützständen. Seiner Feder entsprangen erste Konstruktionen neuartiger Panzerlafetten und Panzerdrehtürme. Um sich ganz seinen Studien und Konstruktionen widmen zu können, quittierte er 1872 seinen Dienst, gründete ein Unternehmen, welches er bereits zehn Jahre später mit der Firma seines erbittertsten Widersachers Hermann Gruson vereinigte.

Miteinander vereint standen sie in einem zunehmenden Wettbewerb mehrerer französischer Industrieunternehmen, die sich auch auf dem Markt tummelten und in kurzer Folge eine Reihe wichtiger Neuerungen hervorbrachten.

Schumann und Gruson entwickelten einen neuen Panzerturm indem sie die Panzerwirkung des mehrere Zentimeter dicken Stahls mit einer Wölbung versahen, die widerstandsfähiger war als flache Platten. Sie entwickelten auch den ersten „Fahrpanzer“. Dabei handelte es sich um eine fahrbare Panzerlafette mit einer 5,3-cm-Schnellfeuerkanone. Die modernen Panzertürme, die gegen Ende des 19. Und Beginn des 20. Jahrhunderts in den Festungen rund um Metz und Thionville bzw. in der Festung Kaiser Wilhelm II. bei Mutzig (Straßburg) installiert wurden, basieren auf den Überlegungen von Maximilian Schumann und Hermann Gruson.

Hermann Gruson

Hermann Gruson (1821-1895) wer ein deutscher Ingenieur und Unternehmer. Er gründete die legendären Gruson-Werke bei Magdeburg, die lange Zeit zu einem der wichtigsten Rüstungsunternehmen in Deutschland zählten. Die Ursprünge seines Unternehmens lagen allerdings im Schiffsbau. Gruson Passion war die Eisen-Gießerei. Er entwickelte Methoden zur Erhöhung der Festigkeit von Gusseisen; der von ihm entwickelte Hartguss hatte große Bedeutung für die Entwicklung des Maschinenbaus und konnte u.a. auch zur militärischen Panzerung in Form von Panzerplatten eingesetzt werden. Zu seinem Sortiment gehörten allerdings auch sogenannte Hartguss-Granaten mit denen bis dahin gebräuchliche Panzerungen durchschlagen werden konnten.

1860 erhielt Gruson vom preußischen Militär erste und umfangreiche Rüstungsaufträge. Nach und nach weitere sich seine Produktpalette für das Militär aus. Anfangs waren es Lafetten für 21-cm-Geschütze, ab 1873 produzierte er Geschütz-Drehtürme. In dieser Zeit tat er sich auch mit Maximilien Schumann zusammen und beide produzierten ab 1882 die Schumann'sche Panzerlafette. Sie waren denen aus französischer Produktion weit überlegen und wurden zum „Kassenschlager“, indem der sie nicht nur in Deutschland, sondern auch in Belgien, Holland, Österreich und Rumänien verkaufte. Eines der heute wohl am ehesten bekannten Produkte sind der Gruson-Fahrpanzer und seine ersten Panzertürme für deutsche Befestigungsanlagen.

Gut zehn Jahre vor seinem Tod wandelte Gruson sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft um; wenige Jahre später verkaufte er sie an die Friedrich Krupp AG. Das war 1892. Krupp führte sein Produktionsprogramm fort und baute es aus: Während des Ersten Weltkriegs war man an der Entwicklung des ersten deutschen Panzers beteiligt – dem A7V. In den 1930er Jahren fertigte man Prototypen des Panzer I, der sich zur anfänglichen Standardbewaffnung der deutschen Panzertruppen entwickelte.

Friedrich Alfred Krupp

In Europa gab es verschiedene Unternehmen, die sich der Produktion moderner Kriegswaffen verschrieben hatten und gutes Geld damit verdienten. Das deutsche Unternehmen Krupp war eines von Ihnen. Es wurde bereits Anfang des 19. Jahrhunderts von Friedrich Krupp gegründet und befasste sich von Anfang an mit der Herstellung von Gussstahl - später mit der Herstellung von Artilleriegeschützen aller Art. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts und erst recht im 20. Jahrhundert entwickelte sich Krupp zu einer der führenden Waffenproduzenten.

Natürlich erkannte das Unternehmen die enormen Chancen, die sich durch die zuvor beschriebenen Entwicklungen boten. Schnell produzierte man ein reichhaltiges Arsenal an Artilleriegeschützen aller Art - von kleinen Mörsern bis hin zu schweren Schiffsgeschützen.

Der beiliegende Verkaufsprospekt wurde Ende des 19. Jahrhunderts aufgelegt und gibt nicht nur einen guten Überblick über die Geschütze, die Krupp feil bot, sondern auch über den damaligen Stand der Waffentechnik, mit denen sich wiederum die Festungsbaumeister befassen mussten.


Verkaufsprospekt der Rüstungsfirma Krupp von 1896

Die nachfolgenden Links führt dich zu dem historischen Verkaufskatalog der Friedrich Krupp AG aus dem Jahr 1896.

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Teil (1) | Teil (2) | Quelle:
BvD

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Der Gruson'sche Fahrpanzer

Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 6. Auflage, Leipzig, Wien, Bibliographisches Institut., 1906

Quelle: Meyers Konversations-Lexikon, 6. Auflage,
Leipzig, Wien, Bibliographisches Institut., 1906

Der Gruson’sche Fahrpanzer hat weniger mit einem modernen Panzer tun zu wie wir ihn heute kennen. Er ist vielmehr die transportable Variante eines Panzerturms. Er wurde Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt. Er war sogar zum besseren Transport über längere Strecken zerlegbar und verfügte in einem späteren Modell über eine 12-cm-Haubitze.

Letztlich (und vielleicht auch etwas despektierlich formuliert) ist es ein gepanzerter Metallzylinder, der mitunter auf einem hölzernen, dreirädrigen Wagen montiert war (einer Lafette) und obenauf eine Miniaturpanzerturm hatte, der drehbar war. An der Rückseite befand sich der Einstieg – eine kleine Doppeltür, durch die die Artilleristen in das beengte Innere des Miniaturpanzerturms schlüpfen konnten.

An der Front konnte man dieses Gefährt direkt an die Stelle seines Einsatzes fahren. Das waren meist vorgefertigte, später auch betonierte Stellungen, in den sich das Fahrzeug einpasste. Gelegentlich wurden sie auch fest installiert und verblieben dauerhaft an Ort und Stelle.

Anfang des 20. Jahrhunderts, mit dem Bau moderner Panzerfestungen und der Weiterentwicklung moderner Panzertürme galten die Gruson Fahrpanzer als veraltet. Interessanterweise gehörten Sie allerdings auch bei neuen deutschen Festungen, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in Elsass-Lothringen errichtet wurden, zur Standardbewaffnung. Sie spielten eine untergeordnete Rolle, dennoch errichtete man in der Feste Kaiser Wilhelm II. (bei Straßburg) oder der Feste Wagner (bei Metz) entsprechende Geschützstände für sie.


Historische Informationen - externe Quellen:

- Gruson'sche Panzerlafetten, 1887
- Youtube-Dokumentation

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