Feste Kaiserin

Festung, die vom Deutschen Kaiserreich
im sogenannten Reichsland Elsass-Lothringen errichtet wurde.


Festung des zweiten Festungsgürtels um Metz.
Erbaut vom deutschen Militär
in den Jahren 1899-1905

Französischer Name:
Groupe fortifié Jeanne d'Arc

Metz

Kaiserin Auguste Viktoria

Kaiserin

Er war der Namensgeberin dieser neuen Festung:
Kaiserin Auguste Viktoria

Sie war die letzte Deutsche Kaiserin und
die Gemahlin von Wilhelm II., (1858-1921)



Feste Kaiserin: Festung westlich von Metz

Die eindrucksvolle Feste Kaiserin (franz. Groupe fortifié Jeanne d'Arc) wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet und befindet sich auf einer Anhöhe westlich von Metz. Sie gehört zum äußeren Festungsring rund um die Stadt und bildet einen Verbund mit der Feste Leipzig im Norden und der Feste Kronprinz, die südliche gelegen ist. Dieser Teil des Verteidigungsrings wurde besonders stark ausgebaut, weil man im Fall eines erneuten Krieges mit Frankreich den Hauptangriff erwartete.

Viele Festungen des zweiten Verteidigungswalls von Metz galten damals als die modernsten Festungen, die das deutsche Kaiserreich errichtete – so auch die Feste Kaiserin. Lange Zeit hielten die Militärarchitekten an kompakt errichteten Festungsanlagen fest und versuchten diese Bauform obendrein noch durch Standardisierung möglichst effizient zu errichten. Das Biehlersche Einheitsfort ist ein guter Beweis dafür. Dann – gegen 1890 – änderte sich sprunghaft die Waffentechnik. Geschütze mit gezogenen Rohren gab es schon seit einiger Zeit. Mit ihnen erhöhte sich die Reichweite und Treffgenauigkeit der Artillerie. 1890 hingegen begann man die Geschosse mit Explosivstoff zu füllen. Festungen herkömmlicher Bauweise konnten so innerhalb kurzer Zeit in Bruch und Trümmer gelegt werden. Ein einziges und gut platziertes Explosivgeschoss konnte ganze Teile einer Festung auf einem Schlag zerstören. Im kaiserlichen Deutschland sprach man seinerzeit von der Brisanzgranatenkrise, weil den Militärs schlagartig klar war, dass alle just rund um Metz errichteten Festungen (des ersten Festungsrings) quasi unbrauchbar waren. Also ersannen die Militärarchitekten einen neuen Festungstyp. Eine ähnliche Entwicklung gab es übrigens auch in Frankreich. Während man jedoch in Deutschland diesen neuen Typ als „Feste“ bezeichnete, sprechen die Franzosen von einer „aufgelösten Formation“. Die Grundideen sind in jedem Fall gleich:

  • Die Festungsanlagen wurden nicht mehr kompakt errichtet, sondern man verteilte einzelne Werke im Gelände und nutzte so die natürlichen Gegebenheiten aus, um sie zu schützen. Die Feste Kaiserin (und um die geht es hier ja eigentlich) umfasst insgesamt vier über das Festungsgelände verteilte Artillerie- und mehrere Infanteriewerke.

  • Gleichzeitig grub an die bunkerähnlichen Bauten in die Erde, so dass sie von der Feindseite komplett von einem Erdwall geschützt sind. Das diente zum Schutz vor feindlichem Artilleriebeschuss mit Sprenggeschossen. Die Kehlseite der Kasernen war frei zugängig.

  • Anders als zuvor besaß die Kehlseite der Werke jedoch keine Fenster mehr wie die Festungen, die noch einige Jahre zuvor errichtet wurden. Sie waren bunkerähnlich – ohne Öffnungen, sondern ausschließlich mit Belüftungsanlagen ausgestattet. Bis auf wenige Ausnahmen folgen viele Infanteriewerke der Feste Kaiserin diesem Bauprinzip. Das gilt insbesondere für die mächtige Zentralkaserne (siehe Titelbild).

  • Last but not least verzichtete man auf Geschützstellungen unter freiem Himmel. Man schütze die Artillerie vielmehr durch schwere Panzerkuppeln, so dass durch feindliche Artillerie nicht mehr so leicht ausgeschaltet werden konnten. Diese Panzertürme waren drehbar, um der eigenen Artillerie mehr Flexibilität zu verleihen. Im Gegensatz zu französischen Panzertürmen waren die der Deutschen jedoch nicht versenkbar.

Feste Kaiserin

Festung Metz - deutsche Festungen rund um Metz - 19. - 20. Jahrhundert - www.festungen.info

Festung Metz: Feste Kaiserin - 10-cm-Kanone unter Panzer - Artilleriewerk der Festung
Dieses Bild entstand im Jahr 2010. Leider ist dieser eindrucksvolle Panzerturm heute nicht mehr vorhanden. Ein anderer Festungsverein baute ihn wegen seines guten Erhaltungszustands aus.


Feste Kaiserin: eine Festung neuen Typs

Schematische Darstellung der Feste Kaiserin

Schematische Darstellung der Feste Kaiserin

Die Feste Kaiserin ist ein sehr eindrucksvolles Beispiel für diesen neuen Festungstyp, den die Deutschen erstmals bei Straßburg (Feste Kaiser Wilhelm II.) testeten und dann zum Standard aller neuen Festungen rund um Metz erklärten.

Wie bereits erwähnt verfügt die Feste Kaiserin über vier Panzerbatterien. Zwei von ihnen waren mit 10-cm-Kanonen bewaffnet und die übrigen zwei bestückte man mit 15-cm-Haubitzen. Leider ist heute von ihnen nicht mehr viel zu sehen. Das war vor einigen Jahren noch anders. Wegen ihres guten Zustandes bedienten sich hier jedoch Festungsvereine. Sie bauten die Panzertürme aus, um sie in den von ihnen gepflegten Festungsanlagen zu verwenden.

Mit Ihren sieben Kasernen konnte die Feste Kaiserin alles in allem bis zu 1.680 Mannschaften aufnehmen. Die größte und eindrucksvollste Kaserne ist das Infanteriewerk West – ich sprach vorhin von der Zentralkaserne. Sie besitzt eine doppelte Grabenstreiche zum Schutz und an ihrer Kehlseite prangt ein riesiges Wappen, welches heute leider arg in Mitleidenschaft gezogen ist.

Die meisten Werke der Festung sind heute noch in ihrem ursprünglichen Zustand zu begutachten. Lediglich das Infanteriewerk Ost wurde nach dem 2. Weltkrieg umgebaut. Es diente Amerikanern und Kanadiern zur Überwachung des Luftraums in Nordfrankreich mittels Radar. Diese Aufgabe übernahmen die Franzosen (an anderer Stelle) mit ihrem Eintritt in die Nato dann selbst.


Feste Kaiserin: Rundgang durch die Festung

Feste Kaiserin


Feste Kaiserin: Im Inneren einer Infanteriekaserne

Obwohl die Feste Kaiserin gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichtet wurde und als eine der modernsten Festungen rund um Metz gilt, errichteten die Deutschen noch eine Infanteriekaserne, die eher an klassische Festungsanlagen erinnert. Diese Infanteriekaserne im Herzen der Festungsanlage hat noch Fenster. Das ist ungewöhnlich. Denn einige Jahres später glichen auch solche Kasernen eher einem Bunker - sie waren aus massivem Stahlbeton.

Feste Kaiserin

Feste Kaiserin: Im Inneren einer Panzerbatterie

Besonders eindrucksvoll empfand ich meinen Rundgang durch eine der Panzerbatterien der Feste Kaiserin. Ich besuchte sie vor einigen Jahren und die nachfolgenden Bilder geben Dir einen guten Einblick in die düstere Location. Ich kann jedem Interessierten nur zur Vorsicht raten. Der Besuch solcher Orte ist gefährlich und wenn etwas passiert … das Handy geht in dem Bunker nicht. Also solltest Du einen Besuch angemessen vorbereiten und auch nicht allein unterwegs sein.




Last but not least: Abschließend der Einblick in das Innere der Zentralkaserne und zwar konkret in die Doppelgrabenstreiche, die ich bereits oben als Außenansicht zeigte. Für mich war dies das einzige Highlight dieser mächtigen Infanteriekaserne. Ansonsten fand ich dort nur Kasematten zur Unterbringung der Mannschaften.


Feste Kaiserin - deutsche Festung - Metz - Frankreich - Moselstellung

Festung Metz: Feste Kaiserin - im Inneren einer Grabenstreiche

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