Festungsbau im 20. Jahrhundert:

Bunker und Festungen
des Atlantikwalls

Atlantikwall: Bunker und Festungen der deutschen
Verteidigungslinie, die zwischen 1942 und 1944 und
das europäische Festland aus Sicht Nazi-Deutschlands
vor einer Invasion schützen sollte.

Die Bunker und Festungen des Atlantikwalls

Der Atlantikwall war eine von Hitler-Deutschland während des Zweiten Weltkriegs errichtete Verteidigungs- beziehungsweise Bunkerlinie entlang der von Deutschland in Europa besetzten Länder Frankreich, Belgien, Niederlande, Dänemark und Norwegen. Auslöser für den Bau des Atlantikwalls war der Kriegseintritt der Vereinigten Staaten. Hitler sah dadurch die militärische Stärke der Westalliierten deutlich gestärkt und befürchtete eine Invasion über den Ärmelkanal. Deswegen forderte er 1941, dass an der gesamten Küste des Atlantiks, des Kanals und der Nordsee ein "Gürtel aus Bollwerken" entstehen muss, um auf diese neue Bedrohung zu reagieren. Während dieser Verteidigungswall auf dem Festland die befürchtete Invasion abwehren sollte, ging es in Norwegen darum, die für das deutsche Militär so wichtigen Rohstoffvorkommen zu sichern. Die Umsetzung dieses gigantischen Bauvorhabens begann 1942. Der Anfang verlief schleppend, weil im Verlauf des Krieges gar nicht genug Material zum Bau der notwendigen Bunkeranlagen zur Verfügung stand. Und eigentlich standen auch nicht genügend Mannschaften zur Verfügung, um später dann den Atlantikwall zu besetzen. Sie wurden an den vielen Fronten des Dritten Reichs benötigt - insbesondere in Russland.


Die Grundidee des Atlantikwalls

Atlantikwall zwischen Le Havre und Cherbourg - Lage der Küstenbatterien und Landungsstrände am 6. Juni 1944

Mehr Informationen zum Aufbau und der
Struktur des Atlantikwalls.

Die Grundidee des Atlantikwalls war eigentlich recht simpel: Entlang der von Nazi-Deutschland besetzten Ländern sollte eine Kette mächtiger Geschütze installiert und mit Bunkern gesichert werden. So hätte man anlandende (Invasions-) Schiffe frühzeitig bekämpfen und versenken können. Für die Nachverteidigung wiederum - wenn die alliierten Truppen also die Strände erreicht hätten - sah man sogenannte Widerstandsnester (kurz "WN") vor, in denen schwere Maschinengewehre positioniert wurden. Sie deckten den Stand und hatten sich überlappende Schussfelder, um ein Durchkommen angreifender Soldaten zu erschweren. Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der ab November 1943 die direkte Verantwortung für den Atlantikwall hatte, ging bei seiner Strategie davon aus, dass eine Invasion gebrochen werden könnte, wenn die deutsche Verteidigung die ersten 24 Stunden an den Stränden keinen Durchbruch zulässt - Mensch und Material also an den Ständen gebunden und vernichtet werden. Aus diesem Grund ließ Rommel nicht nur die Bunkerlinie weiter ausbauen, um weitere Widerstandsnester in kürzeren Abständen zu errichten, sondern er installierte sogar direkt an den Stränden etliche Hindernisse, um das Anlanden von Booten und Lastensegler zu erschweren. Sein Kalkül: Je schwieriger es für den Gegner wird, an Land zu kommen, desto mehr Zeit hätten die deutschen Soldaten in den Widerstandsnestern, ihn effektiv zu bekämpfen.

Die deutsche Heeresführung ging eigentlich davon aus, dass die Alliierten im Fall einer Invasion bei Calais übersetzen würden, weil hier der Ärmelkanal besonders schmal war. Die Normandie hatte niemand wirklich im Blick. An dieser Stelle war der Atlantikwall auch nicht so stark befestigt wie erwartungsgemäß bei Calais und den umliegenden Stränden.



Impressionen vom Atlantikwall

Quelle dieses Bildes: © oliverstockphoto/123RF.com



2.685 Kilometer und 8.000 Bunker

In den Jahren 1942 bis 1944 wurde von Hitler-Deutschland mit großer Anstrengung am Atlantikwall gearbeitet. Es galt in kürzester Zeit die komplette Atlantik- und Nordseeküste angemessen vor einer Invasion der Alliierten zu schützen. Bis zur Invasion der Alliierten am 6. Juni 1944 im Rahmen der Operation Overlord waren die Befestigungen in Frankreich am weitesten fortgeschritten - im Gegensatz zu Belgien, Holland etc.. Alles in allem umfasst der gesamte Atlantikwall auf seiner ganzen Länge mehr als 8.000 Bunker und Befestigungsanlagen. Aus Effizienzgründen entwickelten die Architekten für die einzelnen Funktionen der Werke sogenannte Regelbauten.

Atlantikwall- Invasion Normandie - Originalaufnahme vom D-Day - 6. Juni 1944

Invasion alliierte Streitkräfte in der Normandie.
D-Day - 6. Juni 1944.

Hierbei handelt es sich um standardisierte Bauten, so dass man nicht permanent auf die lokalen Gegebenheiten neue Konstruktionen anfertigen und diese errichten musste. Die Regelbauten vereinfachten und beschleunigten Planung und Bau des Atlantikwalls enorm. Die Idee stammt vom Westwall, wo viele dieser oder ähnlicher Bauten ebenfalls zum Einsatz kamen.

In der deutschen Propaganda wurde der Atlantikwall immer und immer wieder als das Bollwerk gegen den Feind dargestellt. Er galt als unüberwindbar. Natürlich wurde in der Wochenschau nichts über seine Schwächen gesagt - ins nachvollziehbar.

Vergleicht man den Atlantikwall mit der Maginot-Linie oder dem Westwall, fallen entscheidende Unterschiede auf. Einmal abgesehen, dass der Atlantikwall im Jahr 1944 noch gar nicht fertig war (auch wenn die Wochenschau anderes berichtete), stellte er letztlich nur einen einfachen (und nicht in mehreren Linien gestaffelten) Verteidigungswall dar. Einmal durchbrochen ... und man war durch.

Das ist bereits der erste Unterschied zur Maginot-Linie. Viel entscheidender war jedoch, dass die einzelnen Widerstandsnester teilweise viel zu weit voneinander entfernt positioniert wurden und sich im Regelfall nicht gegenseitig decken konnten. Sie hatten (wenn alles gut geplant war) maximal überlappende Schussfelder. Im Gegensatz dazu konnten sich die einzelnen Werke der Maginot-Linie im Feuer unterstützen. Sie bildeten quasi Einheiten und erhöhten so ihre Feuerkraft bzw. konnten dem Nachbarn in Bedrängnis direkt zur Hilfe "eilen". Es kämpfte also nicht jeder Bunker für sich, sondern sie kämpften im Verbund.

Darüber hinaus gab es noch zwei weitere Besonderheit, die den Atlantikwall beispielsweise vom Westwall unterscheidet: (1) Die Bunker und Festungen des Westwalls hatten alle einen Schutz vor Gasangriffen. Jeder Regelbau verfügte über einen Bereich zur Kontamination. Außerdem waren dort Kohlefilter verbaut, um die Atemluft im Fall eines Gasangriffs zu reinigen. Die Bunker des Atlantikwalls hatten dieses alles nicht. Sie dienten schlicht als "Ummantelung" der Stellungen, die sich in ihrem Inneren befanden. (2) Die Bewaffnung am Atlantikwall bestand aus verschiedenen Waffengattungen. Im Gegensatz dazu kamen beim Westwall hauptsächlich Infanterie- und Flakeinheiten zum Einsatz. Es fehlte die Artillerie, die beim Atlantikwall aus zuvor genanntem Grund eine wichtige Aufgabe hatte.



Die Bunker des Atlantikwalls

Obwohl der Atlantikwall und der Westwall auf deutscher Seite bzw. die Maginot-Linie auf französischer Seite jeweils Bollwerke zum Schutz gegen das Vorrücken feindlicher Truppen waren, gibt es zwischen ihnen jedoch entscheidende Unterschiede. Beim Bau der Maginot-Linie konzentrierte man sich auf wenige, strategisch wichtige Punkte, an denen wuchtige Infanterie- oder Artilleriewerke mit hoher Feuerkraft errichtet wurden. Die Deutschen verfolgten ein anderes Konzept. Der Atlantik- und Westwall bestehen letztlich aus einer Vielzahl eher klein gehaltener Bunker. Jeder Stützpunkt allein betrachtet hatte - wenn man einmal von den Artilleriestückpunkten an der Atlantikküste absieht - eher eine überschaubare Feuerkraft und Größe. Sie alle zusammen stellten jedoch einen schwer zu überwindenden Verteidigungswall für den Gegner dar.

Im Gegensatz zu den Franzosen setzten die Deutschen dabei nicht auf individuell auf die jeweilige geografische Situation ausgerichtete Bunker, die dann eigens von Architekten entworfen wurden. Man setzte auf einen Baukasten unterschiedlichster Regelbauten. Das waren standardisierte Bauformen von Bunkern, die sich in Größe, Ausstattung und Kampfkraft voneinander unterschieden. Je nach Gegebenheit vor Ort entschied man sich für einen dieser genormten Bunker. Waren die Position und die Aufgabe eines Bunkers einmal festgelegt, ergaben sich (quasi automatisch) verschiedene Regelbauten, die man hier zum Einsatz bringen konnte. War auch dieser Ausgewählt, ging das Übrige recht schnell. Baukolonnen konnten unmittelbar mit dem Erdaushub beginnen. Die Bauzeit richtete sich natürlich nach der Größe des Bunker – ist klar. Die sogenannten Widerstandsnester konnten innerhalb von 3 bis 5 Wochen errichtet werden. Bei mittleren Gefechtsständen musste man 10 bis 12 Wochen veranschlagen.


  • Regelbau 102 - Doppelgruppenunterstand für 30 Mann - Atlantikwall - Zweiter Weltkrieg
  • Regelbau 105d - MG-Kasematte für 6 Mann - Atlantikwall - Zweiter Weltkrieg
  • Regelbau 134 - Munitionsbunker - Atlantikwall - Zweiter Weltkrieg
  • Regelbau 409a - Geschützstand für 3,5-cm-Flak - Atlantikwall - Zweiter Weltkrieg
  • Regelbau R 616 - Kommandobunker - Atlantikwall - Zweiter Weltkrieg

Schematische Darstellung einiger Regelbauten des Atlantikwalls. Klick auf ein Bild und der Link führt Dich zu dem Thema (interner Link).


Man könnte annehmen, dass es nur wenige Regelbauten gibt. Immerhin ist es ein Baukasten. Falsch. Es gibt eine Vielzahl unterschiedlicher Typen. Doch selbst das war noch effektiver anstatt für jede Geländesituation einen speziellen Bunker eigens konstruieren zu müssen. Wie schon gesagt: Wenn der Pioniertrupp, der mit der Erkundung des Geländes beauftragt war, einmal die Position und den zu nutzenden Regelbau festgelegt hat, konnten die Bauarbeiten direkt beginnen. Denn für den Bau selbst war damit alles definiert.

Um die einzelnen Regelbauten zu unterscheiden, hat man sie einfach durchnummeriert - was auch sonst. Je nach Entwicklungsstufe unterscheidet man zwischen einzelnen Serien. Demnach gibt es die 100er- oder 200er-Serien. Die Reihe geht bis zur 600er-/700er-Serie. Insbesondere die Bunker der 600er-Serie wurden beim Atlantikwall zum Einsatz gebracht. Das Konzept, auf standardisierte Bunkertypen zu setzen, wurde erstmals bei der Errichtung des Westwalls angewendet. Dabei handelt es sich also um Konstruktionen, die fast ausschließlich vom Heer genutzt wurden, weil sich andere Waffengattungen an der Verteidigung des Westwalls nicht im nennenswerten Umfang beteiligen sollten. Diese Typen sind nur nummeriert, sonst nichts. Häufig haben Sie am Ende einen kleinen Buchstaben. Dazu gleich mehr.

Spätere Entwicklungen für den Atlantikwall beziehungsweise spezielle Entwicklungen für die Marine oder die Luftwaffe wurden dadurch gekennzeichnet, dass man ihnen einen entsprechenden Buchstaben vorwegstellte. Ein Beispiel: Der Regelbau 120 ist beispielsweise ein Artillerie-Beobachtungsstand mit Panzerturm, den das Heer nutzte. Die Version M120 jedoch wurde der Marine zugeordnet. Es war ein Beobachtungs- und Leitstand – diesmal jedoch für eine 17-cm-Batterie. Es war also eine Abwandlung des zuerst genannten 120er.




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