Festungsbau in Deutschland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts:

Festungen
des Deutschen Bundes



Im Verlauf der letzten Jahrhunderte waren Festungen ein Stützpfeiler der Landesverteidigung. Man errichtete sie zum Schutz strategisch wichtiger Orte oder Verkehrswege. In diesem Abschnitt stelle ich verschiedene Festungen vor, portraitiere sie und fasse die geschichtlichen Hintergründe ihrer Entstehung kurz zusammen.




Der Deutsche Bund - warum gab es ihn überhaupt?

Napoleon Bonaparte / Quelle: Historische Postkarte

Napoleon Bonaparte
Quelle: Historische Postkarte

Europa Ende des 18. Jahrhunderts: Das revolutionäre Frankreich befand sich seit 1792 im Krieg mit mehreren europäischen Großmächten. Die Idee war, die französische Revolution zu exportieren. Napoleon Bonaparte war der Führer dieser Bewegung. Der Expansionswille Frankreichs richtete sich insbesondere gegen Deutschland, welches damals aus einer Vielzahl kleiner Staaten bestand. Napoleon und seine Truppen gewannen die Kontrolle über sie, lösten sie auf und fassten sie zu neuen (größeren) Einheiten zusammen, installierte Vasallen als Statthalter, die ihm verpflichtet waren. Die so geschaffenen Rheinbundstaaten sollten ein Gegengewicht zu den Großmächten Preußen und Österreich darstellen.

Napoleons Vorherrschaft in Europa konnte erst mit der Völkerschlacht bei Leipzig im Jahr 1813 gebrochen werden. Den durch den gescheiterten Russlandfeldzug geschwächten napoleonischen Truppen stand eine Allianz aus Preußen, Österreich, Schweden und anderen Staaten gegenüber. Napoleon zog sich mit den Resten seiner Armee hinter den Rhein zurück.

Nun galt es, in Europa die alte Ordnung wieder herzustellen - was nicht hieß, die alten Grenzen wieder aufleben zu lassen. Die mächtigen Monarchen Europas trafen sich zum Wiener Kongress 1814/15 und einigten sich auf eine neue Friedensordnung. Landesgrenzen wurden neu gezogen und den Siegern fielen Landstriche zu, die zuvor nicht zu ihnen gehörten. So ging das gesamte Rheinland beispielsweise an Preußen, weil man in dem Königreich eine Schutzmacht sah, die dauerhaft verhindern sollte, dass Frankreich nochmals seine Grenzen über den Rhein hinweg verschiebt. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. traute Frankreich naturgemäß nicht. Noch während des Kongressen erließ er die Order, die Städte Koblenz und Köln zum Schutz neu befestigen zu lassen.


Die Gründung des Deutschen Bundes 1815:

Beim Deutschen Bund handelt es sich um einen Zusammenschluss souveräner Fürsten und freier Städte in Deutschland. Er wurde 1815 gegründet und wurde von Anfang an maßgeblich vom österreichischen Kaiser, aber auch den Königen Preußens, Dänemark und den Niederlanden beeinflusst. Sein Ende fand er 1866 wegen Streitigkeiten zwischen Österreich und Preußen.

Der Deutsche Bund wurde geschlossen, um den Mitgliedern mehr Sicherheit nach außen und innen zu geben. Insofern hatte er nur zwei Aufgaben: (1) Wurde ein Mitglied angegriffen, sollten die anderen Staaten des Deutschen Bundes zur Hilfe eilen. (2) Gibt es einem Land Probleme, weil das Volk sich gegen den Souverän erhebt, sollten die übrigen Mitglieder ebenfalls Hilfe leisten. Damit reagierten die Fürsten Deutschlands auf die Erfahrungen der französischen Revolution von 1789 bis 1799.


Der Deutsche Bund und seine Festungen

Ausgehend von dem Ziel, die Grenzen des Deutschen Bundes zu sichern, wurden bereits 1815 ausgewählte Festungen zu Bundesfestungen bestimmt und militärisch ausgebaut: Mainz (1825), Luxemburg und Landau (1831) sowie Ulm und Rastatt (ab 1841). Im Fall eines erneuten französischen Angriffs gegen Deutschland sollten sie vorrückten Truppen aufhalten.

Die Bundesfestungen sollten die Westgrenze zu Frankreich sichern: Im Fall eines erneuten Angriffs Frankreichs auf Deutschland sollten diese Festungen die vorrückenden französischen Truppen aufhalten und zu einem Festungskrieg zwingen. Das würde den eigenen Truppen die Möglichkeit geben, sich angemessen zu formatieren und eigene Offensiven vorzunehmen.

Natürlich konnten die Bundesfestungen im Fall des Falles nicht die gesamte Last tragen. Daher war ein Zusammenwirken mit weiteren Festungen und hier insbesondere den preußischen Festungen entlang des Rheins (Köln, Koblenz) wichtiger Teil des Konzepts.



Besonderheiten der Bundesfestungen am Beispiel der Bundesfestung Ulm

Bundesfestung Ulm - historische Karte

Historische Karte: Bundesfestung Ulm
Quelle: Unknown author, Festung Ulm, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

Weitere Informationen:
- Bastionäre Festungen.
- Neupreußische Festungsmanier.
- Polygonalfestungen.
- Gürtelfestungen.
- Brisanzgranatenkrise.

Militärgeschichtlich markiert der Ausbau der Bundesfestungen eine Abkehr von traditionellen Bastionärfestungen - dem Festungsbaustandard der letzten Jahrhunderte, der maßgeblich von dem Franzosen Sébastien Vauban geprägt wurde. Die Bundesfestung Ulm, die zwischen 1843 und 1859 errichtet wurde zeigt diese Abkehr sehr deutlich. Sie ist zugleich ein gutes Beispiel für die neupreußische bzw. die neue deutsche Befestigungsmanier.

Die Bundesfestung Ulm besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen:

(1) Kern der riesigen Festungsanlage ist die polygonale Hauptumwallung rings um die Stadt. Sie ist geprägt von langen Mauer- und Wallbauten, die stumpfwinklig aufeinandertreffen. Und sie ist geprägt von wuchtigen Kasematten, die zur Aufnahme möglichst vieler Geschütze über mehrere Stockwerke verfügen. Von ihnen aus konnte man geschützt und dennoch effektiv die langen, geraden Gräben bestreichen, um vorrückende Truppen aufzuhalten. Zweifelsfrei stärkster Teil der Hauptumwallung war die Wilhelmsburg mit der Wilhelmsfeste.

(2) Unabhängig von der Hauptumwallung rund um die Stadt errichtete man ein einigem Abstand zu dieser weitere polygonale Außenforts. Sie hatten die Aufgabe, einen frontalen Angriff auf den Hauptteil der Festung zu verhindern und dienten zugleich als wichtige Stützpunkte vorgelagerter Truppen und insbesondere vorgelagerter Artillerie. Wollten feindliche Truppen zur Hauptfestung vordringen, mussten sie zuerst diese autonom agierenden Forts niederkämpfen. Ein verlustreiches Unterfangen.

Unterm Strich war die Bundesfeste Ulm somit eine moderne Gürtelfestung, und sie markiert zugleich die endgültige Abkehr deutscher Festungsbauingenieure vom traditionellen Bastionärsystem.

Ironie der Geschichte war, dass diese moderne Festung eigentlich schon direkt nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1859 als veraltet galt. Die Entwicklung gezogener Rohre für Artilleriegeschütze ermöglichten Angreifern nämlich eine deutlich weitere Reichweite und deutlich verbesserte Treffgenauigkeit. Die vorgelagerten Forts verloren damit ihre Aufgabe, weil die neuen Geschütze über genügend Reichweite verfügten, um die Hauptumwallung dennoch direkt anzugreifen. Natürlich reagierte man auf diese Bedrohung mit einer Verstärkung besonders exponierter Festungsteile. Das verringerte das Risiko im Fall eines Angriffs - eliminierte es aber nicht.



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