Preußische Festungen im 19. Jahrhundert:

Festungen rund um
Thorn

Thorn war einst eine bedeutende
Stadt in Westpreußen - nahe der deutsch-russischen Grenze.
Während des deutschen Kaiserreichs
wurde die Stadt zu einer Gürtelfestung ausgebaut.

Heute:
Toruń - Polen

Festungsstadt Thorn (Toruń)

Toruń (ehemals Thorn) war eine der großen Festungsstädte des deutschen Kaiserreichs in Westpreußen. Die an der Weichsel liegende Stadt verfügte gegen Ende des 19. Jahrhunderts über ein mächtiges Befestigungssystem und sicherte die damalige Ostgrenze des Kaiserreichs zu Russland. Sie war ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und im Fall eines Krieges mit dem östlichen Nachbarn ein zentral gelegener Angriffspunkt.

Erste Pläne zum Ausbau der Stadt zu einer Gürtelfestung wurden direkt nach der Gründung des deutschen Kaiserreichs (1871, Versaille) bzw. nach Ende des Deutsch-französischen Krieges (1872) entwickelt. In den folgenden 37 Jahren errichtete man rund in und vor allem rund um die Stadt rund 200 Verteidigungsanlagen – darunter sieben Hauptfestungen, sechs Zwischenforts, sechs Artillerie-Batterien und etliche Infanteriestützpunkte. Außerdem verteilte man im Gelände weitere Munitionsbunker, von denen aus die Artilleriestellungen bzw. Batterien versorgt wurden.

Den Ausbau Thorns zu einer Gürtelfestung des deutschen Kaiserreichs kann man grob in zwei Phasen unterteilen:

Zwischen 1877 und 1884 entstanden sieben Forts. Sie galten allerdings kurz nach ihrer Fertigstellung bereits wieder als veraltet. Man baute sie vornehmlich aus Ziegelsteinen, und sie konnten von den inzwischen aufgekommenen Spreng- bzw. Brisanzgranaten innerhalb kurzer Zeit in Schutt und Asche gelegt werden. (siehe: Brisanzgranatenkrise).

Zwischen 1888 und 1893 folgte daher eine zweite Bauphase, in der man sieben weitere und modernere Festungen errichtete. Das heutige Fort I (Feste König Wilhelm I., heute Fort Sobieski) was zuletzt errichtete Fort, galt technisch als besonders fortschrittlich und war zugleich der Prototyp moderner Panzerfestungen. Es wurde in nur vier Jahren (1888 bis 1892) erbaut. Das Besondere an der Feste König Wilhelm I. waren die vier modernen Panzertürme, die man mit Haubitzen des Kalibers 21-cm bestückte. Zusätzlich installierte man zwei gepanzerte Beobachter für die Artillerie und zwei weitere Infanteriebeobachter.

Bei später errichteten Festungen in Elsass-Lothringen (Feste Kaiser Wilhelm II. bei Mutzig, Straßburg oder Feste Kaiserin bei Metz) profitierte man von den Erfahrungen, die man bei der Feste König Wilhelm I. sammelte.

Festungsstadt Thorn - preußische Festungen des 19. Jahrhunderts

Festungsstadt Thorn (Toruń)

Feste König Wilhelm I. - Prototyp moderner Panzerfestungen :

Das heutige Fort I war ein Prototyp moderner Panzerfestungen, die die Deutschen gegen Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten. Im Gegensatz zu früheren Festungen wurde bei diesen die Festungsartillerie durch sog. Panzertürme geschützt. Vier von diesen wurden im Fort I installiert. Man sieht, dass es sich um frühe Versionen handelt, weil man noch 21-cm-Haubitzen installierte (Modell Gruson). Später griff man im Regelfall auf 10-cm- oder 15-cm-Haubitzen zurück. Sie bildeten neben 10-cm-Kanonen die Standardbewaffnung der Panzerfestungen rund um Metz.


Weitere Informationen:

- Festungsbau: Panzerfestungen + Panzertürme deutscher Festungen
- Festungen: Feste Kaiser Wilhelm II. + Feste Kaiserin + Feste Kronprinz

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Feste König Wilhelm I.: Prototyp künftiger Panzerfestungen

Das Feste König Wilhelm I. (heute Fort I Jan III Sobieski) ist die einzige Panzerfestung, die das deutsche Kaiserreich außerhalb der von Frankreich annektierten Gebiete Elsass-Lothringen errichtete. Es ist sogar der Prototyp vieler dort gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Panzerfestungen wie die Feste Kaiser Wilhelm II. bei Mutig (Straßburg). Am Bau der Festung beteiligt war Hans Alexis von Biehler, der Jahre zuvor das sogenannte Biehlersche Standardfort entwickelte. Das war eine Blaupause zum Bau neuer Festungen – gut siebzig Festungen wurden diesem Standard folgend errichtet.

Die Festung Wilhelm I. war also ein Prototyp künftiger Panzerfestungen. Sie weist Merkmale herkömmlicher Festungen auf als auch typische Elemente künftiger Panzerfortifikationen (häufig auch „Feste“ genannt, um sie von klassischen Forts abzugrenzen).

Das Fort wurde 1888 bis 1892 im Rahmen des militärischen Ausbaus der Stadt Thron errichtet. Es ist zugleich das jüngste aller Fort, die man als Gürtel um die Stadt herum positionierte. Zentrales Element der Festung ist ein zentrales Artilleriewerk (Fort I) mit seinen vier Panzertürmen (4x 21-cm-Haubitzen, Reichweite: bis zu acht Kilometern).

Neben der Hauptbefestigung um fasst die Anlage aber auch noch in der Nähe befindliche Schutzräume der Infanterie, zwei Flügel-Batterien (4x 90-mm-Kanonen und 4x 150-mm-Kanonen sicherten die Flanken) und weitere Bauten, die von der Artillerie und Infanterie genutzt wurden. Darüber hinaus gab es weitere gepanzerte Beobachter. All dies war von einem trockenen Graben umgeben.

In gewisser Weise wurde mit dieser „aufgelösten Bauweise“ ein zentrales Element künftiger Panzerfestungen vorweggenommen – nämlich das Verteilen der einzelnen Werke einer Festung im Gelänge, das Ausnutzen der geografischen Möglichkeiten vor Ort, um letztlich die einzelnen Elemente der Festung optimal vor feindlichen Feuer zu schützen.

Die Besatzung der gesamten Anlage umfasste 200 Infanteristen und gut 150 Artilleristen – plus 13 Offiziere. Ihre bzw. die Hauptaufgabe der Festung bestand darin, die Umgebung der Mündung des Drwęca gut 10 Kilometer südlich – also die Ostgrenze zu Russland – als auch die strategisch wichtigen Straßen in der näheren Umgebung zu sichern.

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