Deutsches Kaiserreich
von 1871 bis 1918

Wer die Vergangenheit nicht kennt,
wann die Gegenwart nicht verstehen.
Wer die Gegenwart nicht versteht,
kann die Zukunft nicht gestalten.

George Santayana
1863-1952

Die Kaiserzeit von 1871 bis 1918

Das Deutsche Kaiserreich bezeichnet man heute als konstitutionelle Monarchie. Damit meint man eine Staatsform, die den Übergang zwischen einer Monarchie und einer Demokratie (wie wir sie heute kennen) darstellt. Manche würden sie auch als ‚Sonderform‘ der Monarchie bezeichnen. Denn es gibt weiterhin einen König oder Kaiser, dessen Macht jedoch durch eine Verfassung eingeschränkt ist. Es gibt neben dem Monarchen zusätzlich auch ein (gewähltes) Parlament, das die Gesetzgebung allein oder in Zusammenarbeit mit dem Monarchen verantwortet. Anders formuliert: Offiziell darf der Monarch nicht alles nach eigenem Gutdünken entscheiden. Das Parlament schränkt seine Handlungsfreiheit ein – sofern es wirklich einen Kontrapunkt zum Monarchen darstellt.

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gab es in Deutschland starke Bestrebungen, die vielen Fürstentümer und Reichsstädte zu vereinigen und zu einem Nationalstaat zusammenzufassen. Die Gründung des Königreichs Italien 1861 galt vielen als Vorbild. Treibende Kraft war das Königreich Preußen mit seiner expansiven Machtpolitik und hier wiederum war es Otto von Bismarck, der die Fäden zusammenhielt und mit Geschick daran zog. Zwischen 1871 bis 1890 war er auch erster Reichskanzler des neu gegründeten Deutschen (Kaiser-) Reichs. In Deutschland lebten seinerzeit 41 Millionen Menschen. Es war der bevölkerungsreichste Staat in Mitteleuropa. Und Deutschland befand sich im Wandel. Man war auf dem Weg von einer Agrarwirtschaft zu einem Land mit einflussreicher Industrie, die später sogar die führende Wirtschaftsnation England überflügelte.

Das Königreich Preußen beziehungsweise Otto von Bismarck waren also treibende Kraft beim Bestreben, aus insgesamt 22 Fürstentümern und drei freien Reichsstädten eine Einheit (natürlich unter der Führung Preußens) zu formen. Dieses Ansinnen in Verbindung mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Deutschland wurde von den europäischen Nachbarn mit Argwohn betrachtet, was unter anderem zum Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 führte.

Historische Aufnahme: Otto von Bismarck

Otto von Bismarck
Quelle: Historische Postkarte

Bismarck nutzte diesen Krieg geschickt, um die deutschen Staaten (also die zuvor genannten Fürstentümer und Reichsstädte) unter der Führung Preußens zu einigen und zum Sieg gegen die Franzosen zu führen. Noch vor Ende des Krieges wurde am 18.1.1871 im Spiegelsaal von Versailles die Reichsgründung verkündet. Der preußische König Wilhelm I. wurde als deutscher Kaiser ausgerufen. Fortan stand Deutschland unter der Führung Preußens, Frankreich musste 1871 die wirtschaftlich starken Regionen Elsass-Lothringen abtreten und Österreich galt zwar als enger verbündetet, hatte aber keinen Einfluss mehr auf Deutschland.

Die ersten Jahre des deutschen Reichs bestimmte Kaiser Wilhelm I. und Otto von Bismarck, dem der Kaiser weitreichende Befugnisse einräumte. Letztlich war er als erster deutscher Reichskanzler auch in diesen Jahren der entscheidende ‚Strippenzieher‘. Außenpolitisch schuf Bismarck mitten in Europa einen wirtschaftlich und militärisch starken Nationalstaat. Die Nachbarn standen der Entwicklung weiterhin skeptisch gegenüber. Das gilt insbesondere für Frankreich – nicht zuletzt, weil man weniger Jahre zuvor die Schmach eines verlorenen Krieges gegen Deutschland hinnehmen musste und die wichtigen Wirtschaftsregionen Elsass-Lothringen an das Kaiserreich abtreten musste. Zentrales Ziel deutscher Außenpolitik (also der Bismarck’schen Politik) war es, im Fall eines Krieges Deutschland vor einem Zweifrontenkrieg gegen Frankreich und Russland zu schützen. Er versuchte dies mit bilateralen Vereinbarungen und dem Bestreben, Frankreich in Europa zu isolieren.



Das Deutsche Kaiserreich unter Kaiser Wilhelm II.

Deutscher Kaiser - Kaiser Wilhelm II

Kaiser Wilhelm II.
Quelle: Historische Postkarte

Kaiser Wilhelm I. verstarb am 9. März 1888. Drei Tage später wurde sein Sohn, der schwerkranke Friedrich III., zum neuen Kaiser proklamiert. Mit seiner Inthronisierung verbanden sich Hoffnungen auf eine Liberalisierung des Reiches und einen größeren Einfluss des Parlaments auf politische Entscheidungen. Wegen seiner Krankheit konnte er die Politik allerdings kaum beeinflussen. Lediglich die Entlassung des hochkonservativen preußischen Innenministers von Puttkamer war ein Zeichen in die erwartete Richtung. Bereits 99 Tage nach seinem Amtsantritt, am 15. Juni 1888, starb Friedrich III. an Kehlkopfkrebs. Aufgrund der kurzen Amtszeit wird er auch als „99-Tage-Kaiser“ bezeichnet. Zehn Tage nach seinem Tod wurde sein 29-jähriger Sohn als Kaiser Wilhelm II. inthronisiert.

Mit dem Tod Friedrich III. und der Machtübernahme Wilhelm II. ging auch nach und nach die Ära Otto von Bismarcks zu Ende. Er wurde 1890 aus seinem Amt entlassen. Damit änderte sich auch grundlegend die deutsche Außenpolitik. Historiker sagen heute häufig, dass damals bereits der Grundstein für den Ersten Weltkrieg gelegt wurde. Denn: Fortan formulierte Kaiser Wilhelm II. für Deutschland eine ‚Weltgeltung‘. Er verabschiedete sich von der bisherigen Bündnispolitik und versuchte dem wirtschaftlich starken Deutschland eine Vormachtstellung zu sichern.

Der nachbarschaftliche Argwohn stieg – gefördert durch den enormen wirtschaftlichen Druck, der inzwischen von Deutschland ausging. England als der ‚wirtschaftliche Maß der Dinge‘ wurde überflügelt. Seinerzeit prägte sich auch der Begriff ‚Made in Germany‘. Englische Industrielle wollten damit auf die minderwertige Qualität deutscher Produkte hinweisen. Das kehrte sich jedoch ins Gegenteil. Made in Germany wurde zu einem Qualitätsstandard. Das fußte auf den enormen wissenschaftlichen Errungenschaften, den deutsche Forscher und Ingenieure seinerzeit erarbeiteten. Albert Einstein, Max Planck waren in aller Munde. Innerhalb weniger Jahre erhielten deutsche Forscher nicht weniger als 21 Nobelpreise. Viele dieser Erfindungen nutzen wir noch heute. Das Waschmittel Persil ist ein Beispiel dafür. Es geht auf deutsche Erfinder zurück.

Kaiser Wilhelm II. war von diesen Errungenschaften begeistert und erkannte früh die Bedeutung der Wissenschaft für den weiteren technischen Fortschritt des Landes – auch im Bereich der Militärtechnik. Denn Deutschland erstarkte in diesen Jahren auch in diesem Bereich. Militärisch eh schon hochgerüstet, setzte Kaiser Wilhelm II. darauf, die Stärke der Armee stetig auszubauen.

Obwohl Kaiser Wilhelm II. immer wieder seinen guten und friedlichen Willen bekundete, zerschlägt er in den Folgejahren durch wenig diplomatische Aussagen und seinem wechselhaften Verhalten auf europäischer Bühne viel Porzellan. Er überschätzt seinen Einfluss – beispielsweise auf den verwandten russischen Zaren. All dies lieferte den Ententemächten, die sich durch das wirtschaftlich und militärisch aufstrebende Deutschland bedroht fühlen, willkommene Anlässe, sich durch neue Bündnisse zusammenzuschmieden. Das wiederum führt dazu, dass sich das Deutsche Kaiserreich eingekreist fühlt und in Österreich seinen letzten großen Verbündeten sieht.



Das Deutsche Kaiserreich zwischen 1888 und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs

Deutschland blühte während der Kaiserzeit förmlich auf. Ich sprach bereits die zunehmende Industrialisierung an und die wirtschaftlichen Erfolge, die damit verbunden waren. Die Menschen zog es in die Städte, weil sie dort auf Arbeit hofften und sie meist in den vielen Fabriken fanden. Da Arbeiter damals einen schweren Stand hatten und in der gesellschaftlichen Hierarchie ziemlich weit unten waren, bildeten sich riesige Arbeitergettos. Die heruntergekommenen Mietskasernen mit den schmutzigen und lichtarmen Hinterhöfen in Berlin zeugen davon. Dennoch ging es der Bevölkerung vergleichsweise gut. Das erklärt auch das enorme Bevölkerungswachstum in dieser Zeit. Während in Deutschland zur Zeit der Reichsgründung gerade einmal 41 Millionen Menschen lebten, waren es zur Jahrhundertwende bereits 56 Millionen. Tendenz: Stark steigend.

Doch was war das eigentlich für eine Zeit ... die Jahre zwischen Amtsantritt Kaiser Wilhelms II und dem Ersten Weltkrieg?

Der Untertan - Quelle Filmprogramm-Heft aus der Reihe der Illustrierten Film-Bühne | IFB Nr. 3667 | 1957

Quelle: Illustrierte Film-Bühne | IFB Nr. 3667 | 1957
Der Link führt zum Trailer bei Youtube.


Man kann sich das heute kaum vorstellen, was in den Köpfen der Menschen seinerzeit vorging. Wenige Familien herrschten über das Land, Industrielle (sie gelten als der "neue Adel" und hatten meist mehr Geld und Einfluss als diese) zeigten ihren Reichtum unverblümt. Dennoch lag die Macht bei einer kleinen, sich auf ihr Erbrecht berufenden Elite. Meiner Ansicht nach zeigt der alte DEFA-Film Der Untertan die Verhältnisse der damaligen Zeit sehr gut. Er stammt aus dem Jahr 1951 nach dem gleichnamigen Roman von Heinrich Mann.

Wenn man das Denken und Handeln der Menschen während der Kaiserzeit verstehen möchte, sollte man sich diesen Film ansehen. Eine Herrscherelite bestimmt das Wohl und Weh der Menschen. Ihnen jubelt man zu. Nach oben buckeln ... nach unten treten. Das war das Prinzip der Zeit. Doch selbst die, die unter den Verhältnissen am meisten leisten - also die Arbeiterschicht - schließt sich dem an. Nichts zu essen, aber dem Kaiser zujubeln. Und wenige Jahre später noch mit einem Lied auf den Lippen in den Ersten Weltkrieg ziehen. So war das damals.

Kaiser Wilhelm II



Kaiser Wilhelm II. um die Jahrhundertwende

Kaiser Wilhelm II mit seinen Enkeln - Quelle: Historische Postkarte

Kaiser Wilhelm II. mit seinen Enkeln.
Quelle: Historische Postkarte.




"Ein Platz an der Sonne", den die Nachbarn neiden

Anfang des 20. Jahrhunderts prägte sich - aufbauend auf dem enormen wirtschaftlichen Aufstieg und der militärischen Stärke - der Anspruch eine "Weltmacht" zu sein zu. Man sah sich auf Augenhöhe mit den damaligen Industriegiganten und schaute mit einer gewissen Geringschätzung auf viele europäische Nachbarn herab. Im festen Glauben an die Überlegenheit des eigenen Militärs wollte Kaiser Wilhelm II. Deutschland einen "Platz an der Sonne" sichern. Das schürte tiefes Misstrauen der Nachbarn - allem voran das Misstrauen der zusammengeschlossenen Großmächte Russland, Frankreich und Großbritannien. Außerdem war die Welt (also denkbare Kolonialgebiete) bereits aufgeteilt. Für Deutschland blieb da nicht viel übrig. Um die eigene Vormachtstellung auch äußerlich zu dokumentieren, ließ Wilhelm II. die deutsche Flotte massiv ausbauen. Am "Vorabend des Ersten Weltkriegs" sah sich Kaiser Wilhelm II. von Feinden eingekreist. Seiner Ansicht nach wollen sie seinen weltpolitischen Aufstieg verhindern.

Natürlich waren sich Kaiser Wilhelm II. und sein militärischer Stab sich der brisanten Lage durchaus bewusst. Nicht ohne Grund wurde bereits Anfang des Jahrhunderts der Schlieffen-Plan entwickelt und galt fortan als Masterplan für den Fall eines Krieges. Dieser Plan sah voraus, dass Deutschland einem Zweifrontenkrieg nicht werde standhalten können. Also plante man einen schnellen Feldzug gegen Frankreich, um den Erzfeind zu unterwerfen. Da die deutsch-französische Grenze gespickt war von kaum zu überwindenden Festungsanlagen (siehe Barrière de Fer), plante man ein Vordringen über das neutrale Belgien. Denn die belgisch-französische Grenzregion war kaum gesichert. Dann - nachdem man Frankreich besiegt hat - konnte man sich Russland zuwenden. Ein Blick in die Geschichtsbücher macht deutlich, dass der Schlieffen-Plan vielleicht militärisch ein schlüssiges Gedankenspiel war - er ließ sich nur nicht in die Realität umsetzen.




Industrialisierung

Dokumentation bei Youtube.
SWR.

Berlin zur Jahrhundertwende

Dokumentation bei Youtube.
Horror des Stellungskreigs.

Geheimnisse der Kaiserzeit

Neunteilige Dokumenation
bei Youtube.

Kaiser Wilhelm II


Das Attentat von Sarajevo

Kaiser Wilhelm II. als Steuermann in schwerer Zeit - Propaganda zur Zeit des Ersten Weltkriegs

Die deutsche Propaganda reagierte auf den Kriegseintritt von Deutschland mit einer wahren PR-Schlacht. Wichtiger Bestandteil waren damals Postkarten. Quelle: Historische Postkarte

Am 28. Juni 1914 erschütterte dann das Attentat von Sarajevo auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Ehefrau die Welt. Beide erlagen noch am selben Tag ihren Schussverletzungen. Es war nicht der erste Anschlag auf das Paar. Und das Thronfolgerpaar erreichten in den Tagen zuvor auch mehrere Warnungen. Sie schlugen sie aus.

Um das Protokoll des Besuchs einzuhalten, plante man eine Fahrt durch die Stadt bis zum Rathaus von Sarajevo. Dort positionierten sich mehrere Attentäter, die die Planungen kannten. Nedeljko Cabrinovic warf eine Bombe auf das Fahrzeug des Erzherzogs, verfehlte jedoch sein Ziel und die Bombe explodierte erst hinter dem Wagen. Franz Ferdinand bestand nach dem fehlgeschlagenen Attentatsversuch darauf, die Fahrt fortzusetzen. Als der Konvoi schließlich vor einem Café hält, springt Gavrilo Princip - ein weiterer Attentäter - hervor und feuert mit seiner Pistole mehrere Schüsse auf das Paar. Er erreichte was er wollte. Das Thronfolgerpaar starb. Bevor Princip Selbstmord begehen kann, reißt ihm die Menge die Waffe aus der Hand. Auch der Versuch eine Zyankalikapsel zu schlucken, schlägt fehl.

Nach diesem Attentat spitzte sich die politische Lage schnell zu: Österreich-Ungarn erklärte Serbien wenige Tage später den Krieg. Russland, seinerzeit enger Bündnispartner der Serben, erklärt wiederum und vorhersehbar Österreich-Ungarn den Krieg. Kaiser Wilhelm II. hatte zu dem Zeitpunkt anscheinend den Ernst der Lage noch nicht gänzlich erfasst. Er war im festen Glauben, dass sich die Auseinandersetzung auf den Balkan begrenzen werde. Doch natürlich stand das Deutsche Kaiserreich seinem Bündnispartner Österreich-Ungarn bei und erklärte Russland den Krieg. Nur wenige Tage später traten auch Großbritannien und Frankreich in den Krieg mit ein.

Der Erste Weltkrieg hatte begonnen.

Aus heutiger Sicht ist das für mich gänzlich unverständlich, da doch (eigentlich) bekannt war, dass etliche europäische Staaten durch verpflichtende Vereinbarungen im Fall eines Krieges miteinander verbunden waren. Das in seiner Wirkung unterschätzte österreichische Ultimatum löste die Mobilmachung Serbiens und somit auch des Verbündeten Russlands aus. Deutschland musste seinen Beistandsverpflichtungen gegenüber Österreich nachkommen … der Rest ist bekannt. Nach und nach erklärten sich (fast) alle europäischen Staaten als Kettenreaktion den Krieg.



Kaiser Wilhelm II


"Möge das Schwert nun entscheiden ..."

Kaiser Wilhelm II


Der Erste Weltkrieg

Während Wilhelm II. in den Jahren bis 1914 die deutsche Politik maßgeblich prägte und sich direkt in politische Entscheidungen einbrachte, trat er während des Ersten Weltkriegs in den Hintergrund. Er überlässt den Generälen Hindenburg und Ludendorff faktisch die Führung des gesamten Militärs. Mit Verlauf des Krieges sank auch die Bedeutung des Kaisers. Für das deutsche Volk war er zwar noch immer Leitfigur, doch die oberste Heeresleistung unter Hindenburg und Ludendorff gelang es zunehmend, ihn von politisch-militärischen Entscheidungen auszuschließen.

Mehr Informationen => Erster Weltkrieg. [interner Link]


Quelle: Der Weltkrieg im Bild, George Soldan, Berlin-Oldenburg, 1926
Die Quellen der übrigen Bilder ... siehe jeweilige Bildunterschrift.



ERSTER WELTKRIEG

Dokumentation bei Youtube.
ZDF History.

Stellungskrieg

Dokumentation bei Youtube.
Horror des Stellungskreigs.

SCHLACHT UM VERDUN

Neunteilige Dokumenation
bei Youtube.

Weltkrieg


Der Untergang des Kaiserreichs mit Wilhelm II. an der Spitze deutete sich bereits in den letzten Kriegsjahren an. Auf dem Höhepunkt der Kämpfe an der Westfront (u.a. bei der grausamen Schlacht von Verdun) wurde immer deutlicher, dass das Deutschland einem Mehrfrontenkrieg nicht gewachsen war - spätestens als Italien und Russland in die Offensive übergingen, wurde es offenkundig.

In Deutschland wiederum wuchsen die politischen Spannungen zunehmend, weil sich Massen auf die Straße begaben und aufbegehrten. Sie kritisierten die sich stetig zuspitzenden Widersprüche zwischen der hochgradigen Modernität und Dynamik des Landes, der Verteilung von Einkommen im Land und den zugleich verkrusteten sowie von traditionellen Eliten hartnäckig verteidigten Herrschafts- und Machtverhältnissen. Der Zerfall der wirtschaftlich durch den Zweifrontengkrieg aufgezehrten Basis des Landes, des sozialen Zusammenhalts und der von der Bevölkerung akzeptierten politischen Legitimität war 1918 die unausweichliche Folge. Die alte Ordnung brach zusammen. Die revolutionäre Kraft der Arbeiter- und Soldatenräte, zu denen sich bald auch Volks- und Bauernräte gesellten, beendete die Fürstenherrschaft in Deutschland. Am 28. November 1918 dankte Kaiser Wilhelm II. ab. Damit endete die konstitutionelle Monarchie in Deutschland. Der Weg war frei für eine deutsche Demokratie. Doch er wurde auch frei für die Schrecken, die später das Dritte Reich verbreitete.

Am 28. November 1918 dankt Kaiser Wilhelm II ab.

„Ich verzichte hierdurch für alle Zukunft auf die Rechte an der Krone Preußens und damit verbundenen Rechte
an der deutschen Kaiserkrone. Zugleich entbinde ich alle Beamte des Deutschen Reichs und Preußen sowie alle
Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Marine, des Preußischen Heeres des Treueeides. Ich erwarte von Ihnen,
dass sie bis zur Neuordnung des Deutschen Reichs den Inhabern der tatsächlichen Gewalt in Deutschland helfen,
das deutsche Volk gegen die drohenden Gefahren der Anarchie, der Hungersnot und der Fremdherrschaft zu schützen."

Kaiser Wilhelm II.

1859 - 1941
König von Preußen und letzter Deutscher Kaiser

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