Waffen
des Ersten Weltkriegs
1914 - 1918

Dereinst wird man in den Museen Kanonen
ausgestellt sehen, wie jetzt die alten Folterwerk-
zeuge, und wird darüber staunen, das derlei
einmal in Gebrauch sein konnte.

Victor Hugo
1802 - 1885

Der Erste Weltkrieg begann am 28. Juli 1914 und endete am 11. November 1918 - in dieser Zeit verloren 17.000.000 Menschen ihr Leben - Soldaten wie Zivilisten. Er wird auch als der erste „totale Krieg“ bezeichnet, weil niemals zuvor so viele Armeen in einem solch gigantischen Ausmaß gegeneinander kämpften. Am Ende des Krieges befanden sich drei Viertel der Weltbevölkerung im Kriegszustand. Und diejenigen, die den Horrer der Schlachtfelder überstanden, waren fürs Leben gezeichnet - körperlich oder seelisch. Erstmals in der Geschichte der Menschheit fand einer "totaler Krieg" statt, der erbittert mit neuartigem, industrialisiertem Waffeneinsatz zu Lande, zu Wasser und in der Luft geführt wurde.

Der noch im 19. Jahrhundert als heroisch empfundene Kampf "Mann gegen Mann" wandelte sich zur anonymen Vernichtungsmaschinerie "Mensch gegen Technik". In den riesigen und sinnlosen Materialschlachten - etwas vor Verdun oder Ypern - wurde der Soldat zum "Material". Ingenieure auf beiden Seiten brachte immer neue Waffen hervor. Giftgas, Panzer, Flugzeuge, U-Boote, Flammenwerfer und Maschinengewehre kamen im großen Stil zum Einsatz. Diese neuen und ausgesprochen effektiven Defensivwaffen vereitelten die zahllosen Sturmangriffe, zu denen die Soldaten beider Seiten immer wieder getrieben wurden. Sie wurden beim Anrennen auf die gegnerischen Linie einfach "niedergemäht".

Quelle: Der Weltkrieg im Bild, George Soldan, Berlin-Oldenburg, 1926
Die Quellen der weiteren Bilder ... siehe Bildunterschrift.

Festung

Warum starben im Ersten Weltkrieg so viele Menschen?

Rund 9.000.000 Soldaten verloren im Ersten Weltkrieg ihr Leben. Darunter waren zwei Millionen Deutsche, 1,8 Millionen Russen, 1,5 Millionen aus Österreich-Ungarn, 1,3 Franzosen und 750.000 Britten. Über Jahre hinweg staben Tag für Tag etwa 6.000 Soldaten. Ein ungeheures Leid. Was die wenigsten Menschen heute wissen: Die meisten Soldaten fielen dem vernichtenden Einsatz der Artillerie zum Opfer. Trommelfeuer über mehrere Tage hinweg, Artilleriebeschuss über kurze oder lange Distanzen machten beispielsweise die Schlacht an der Somme zu einer der blutigsten Schlachten, die die Welt bis dato gesehen hatte. Wen die Artillerie nicht dahinraffen konnte, nahmen sich die Maschinengewehrschützen vor.

Großem Anteil an dem Gemetzel des Erste Weltkriegs haben die Offiziere, die ihre Soldaten immer und immer wieder in die offene Feldschlacht befehligten. Raus aus dem Schützengraben und rein ins Maschinengewehrfeuer. Um dem Perfiden die Krone aufzusetzen, brache Deutschland im 22. April 1915 erstmals Giftgas zum Einsatz - eine neue Waffe, die schnell zusätzliches Schrecken und Leid über die Soldaten brachten. Und auch hier kannte der Erfindungsreichtum der Ingenieure keine Grenzen: Innerhalb kurzer Zeit entwickelten beide Seiten 38 verschiedene Kampfstoffe, die massenhaft zum Einsatz kamen. Allein durch das Giftgas verloren 100.000 Soldaten ihr Leben und 1,2 Millionen Soldaten wurden verwundet.


Bereits wenige Monate nach Kriegsbeginn - nämlich im Herbst 1914 - kam der deutsche Vormarsch im Westen zum Erliegen. Das Scheitern des Schlieffen-Plans und das damit verbundene Erstarren der Fronten führte zu einer veränderten Kriegsführung auf beiden Seiten. In immer neuen Offensiven, die sich zu gigantischen Materialschlachten auswuchsen, wurde versucht, die auf beiden Seiten durch Drahthindernisse und Stolperfallen stark befestigten Grabensysteme zu überwinden.

Diese Art der Kriegsführung musste zwangsläufig Auswirkung auf die Ausrüstung der Soldaten haben. In den Schützengräben trafen somit moderne Nahkampfwaffen auf altertümlich anmutende Waffen wie Dolche oder Nagelkeulen, die die Soldaten häufig selbst herstellten und sie dann "Grabenkeulen" nannten. Beide Seiten glaubten allerdings, dass sie mit immer neuen Waffen, diesen Stillstand überwinden könnten. Also brachte der Erste Weltkrieg ein Arsenal des Grauens hervor ...


Quelle: Der Weltkrieg im Bild, George Soldan, Berlin-Oldenburg, 1926
Die Quellen der weiteren Bilder ... siehe Bildunterschrift.

Quelle: Histoire des Combats qui se sont livrés de 1914 à 1918, Frankreich, 1918

Das Gewehr - die "Braut des Soldaten"

Soldaten im Ersten Weltkrieg - Soldatenportrait | Quelle: Historische Postkarte

Quelle: Historische Postkarte

Die Hauptwaffe des Infanteristen ist zweifellos sein Gewehr. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs und angesichts der Enge der Schützengräben kamen immer kürzere Gewehre zum Einsatz. Bei den Deutschen war das Gewehr 98 (kurz G98) die Standardwaffe der Infanterie. Es war kurz, handlich, recht präzise. Es galt als zuverlässig und wartungsfreundlich. Mit ihm konnten die Soldaten fünf Schuss abgeben. Das britische Lee Enfield war ähnlich, hatte jedoch gegenüber dem G98 den Vorteil, dass man mit ihm zehn Schuss in schneller Folge abfeuern konnte. Das war im Feuerkampf ein erheblicher Vorteil. Im Gegensatz dazu plagten sich die französischen Soldaten mit dem Modell 1886/93 herum – es galt als veraltet und hatte obendrein nur ein Drei-Schuss-Magazin. Ferner mussten die Soldaten die Patronen einzeln nachladen (während die Deutschen und Engländer sog. Ladestreifen verwendeten).

Theoretisch konnte man mit dem G98 oder dem Lee Enfield über eine Distanz von mehr als einem Kilometer eine Wirkung erzielen. Bei der Ausbildung der Soldaten wurde allerdings weniger auf Treffgenauigkeit geachtet. Es ging um die Schnelligkeit. Somit konnten viele Soldaten lediglich auf eine Distanz von wenigen hundert Metern (einigermaßen) genau schießen. Nach und nach entwickelte sich auch die Handgranate zur geschätzten Infanteriewaffe im Stellungskrieg. Sie ermöglichten den Soldaten, den Feind zu bekämpfen und selbst in Deckung zu bleiben. Gut nachvollziehbar, dass sie bei den Frontsoldaten sehr beliebt waren. Das ging so weit, dass 1916 die deutschen Generäle die Soldaten wieder anhalten mussten, häufiger das Gewehr zu nutzen. Handgranaten waren teurer als Kugeln.


Kampfpanzer

Anfang 2016 begann England unter dem Decknamen „tank“ die Produktion gepanzerter Fahrzeuge. Die strategische Überlegung war einfach: Die geländegängigen und schweren Kampffahrzeuge sollten eine Bresche in die deutschen Graben- und Sperranlagen schlagen und der nachfolgenden Infanterie damit den Weg durch die feindlichen Linie bereiten. Der erste Einsatz größerer Tankverbände erfolgte am 20. Nobember 1917 in der blutigen Schlacht bei Cambrei. Knapp 400 Tanks überrollten die deutschen Stellungen. Die Engländer konnten das gewonnene Gelände allerdings nicht lange halten, weil die Deutschen in eine Gegenoffensive übergingen.

Quelle: Der Weltkrieg im Bild, George Soldan, Berlin-Oldenburg, 1926


Auch die Franzosen hatten zur gleichen Zeit eigene Panzer entwickelt. Anfangs konkurrierten zwei Modelle miteinander - der Char Chamond und der Char d’Assaut Schneider. Beide Modelle erwiesen sich jedoch nicht im Kampf. Erst der Renault FT überzeugte die Militärs und wurde kam fortan auf den Schlachtfeldern zum Einsatz. Die Deutschen hatten dem nicht zu erwidern. Man reagierte mit Hochdruck auf die Entwicklungen und baute den A7V – ein schwerfälliger Panzer, der wegen des allgemeinen Rohstoffmangels nur in kleiner Stückzahl produziert werden konnte.


Weitere Informationen - interne Links:

- Panzer im Ersten Weltkrieg.
- Panzer - mobile Festungen von heute.



Handgranaten

Im Verlauf des Grabenkriegs fanden die Soldaten immer größeren Gefallen an Handgranaten. Sie ermöglichten dem Angreifer den Wurf, ohne dass der seinen Körper aus der Deckung heben musste. Er vermied damit, in den Wirkungsbereich feindlicher Schützen oder von Granatsplittern zu geraten. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfügten nur deutsche und türkische Soldaten über ausreichende Mengen an Handgranaten. Die britische Armee hatte ihre Handgranaten 1870 ausgemustert und musste nach dem Rückgriff auf behelfsmäßig an der Front gebastelte Stielgranaten zurückgreifen. 1915 führten sie dann die Mills-Granaten ein. Zeitweise waren Handgranaten bei den Soldaten so beliebt, dass die Armeeführungen diese wieder aufforderte, ihr Gewehr einzusetzen.

Quelle: Historische Postkarte - Erster Weltkrieg: eine deutsche und englische Handgranate

Eine deutsche und englische Handgranate aus dem WW1
Quelle: Historische Postkarte

Giftgas

Am 22. April 1915 öffneten die deutschen Truppen bei Ypern die Büchse der Pandora: Sie setzten erstmalig in der Geschichte Giftgas ein. Dieser neue Kampfstoff wurde entwickelt vom deutschen Chemiker Fritz Haber. Seit 1914 forderte die oberste Heeresleitung von Wissenschaftlern und Industriellen die Entwicklung und Produktion chemischer Kampfstoffe. Fritz Haber lieferte ihnen was sie wollten. Natürlich war das ein krasser Verstoß gegen die Haager Landkriegsordnung - aber das Interessierte niemanden. Der Krieg mach alles möglich.

Als am 22. April dann aus 5.730 Stahlflaschen 180 Tonnen flüssiges Chlor ausgeblasen wurde, starben auf alliierter Seite circa 3.000 Soldaten, weitere 7.000 waren Gasgeschädigt. Vom Gasblasen ging man im Anschluss zum sog. Gasschießen mit phosgengefüllten Granaten über. Nachdem der Bann gegen den Giftgaseinsatz gebrochen war, setzten fortan beide Seiten diesen neuen Kampfstoff ein. Alles in allem wurden im Ersten Weltkrieg bis zu 120.000 Tonnen Giftgas freigesetzt.

Quelle: Historische Postkarte von den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs

Französische Soldaten mit einer Giftgasgranate
Quelle: Historische Postkarte


Deutschland setzte immer wieder neue Kampfstoffe ein. Dies waren das lungen- und hautschädigende Grünkreuz, das Leder und Textil durchdringendes Gelbkreuz und das sogenannte Blaukreuz, ein die Atemfilter durchdringender Schwebestoff. Er zwang die Soldaten wegen seiner Reizwirkung zum Abnehmen der Gasmasken. Das Verschießen dieser "Maskenbrecher" - in Kombination mit Grünkreuz - wurde als "Buntschießen" bezeichnet: Atemnot und Hustenreiz steigerten sich zum Erstickungsanfall. Der Tod trat bei fast vollem Bewusstsein ein.

Maschinengewehr

Die Militärs der im Krieg verkeilten Staaten waren der Meinung, dass nur der offensiv geführte Kampf und der Angriffswille der Soldaten die Schlacht entscheiden könne. Sie schickten die Soldaten also fortlaufend in neue Offensive. Aber im Feuer der feindlichen Infanteriewaffen und Geschütze fanden diese Angriffe immer wieder ein blutiges Ende.

Die modernen Waffen hatten die Strategie des 19. Jahrhunderts mit ihrer Angriffstaktik unzeitgemäß werden lassen. Bereits im Russisch-Japanischen Krieg1904/05 und in den Balkankriegen hatten die neuen Maschinengewehre ihre große Wirkung und Feuerkraft unter Beweis gestellt. Dennoch wurde das MG anfangs von den Militärs nur als Hilfswaffe der Infanterie eingestuft. Das änderte sich schnell. Im deutschen Heer war es zunächst das MG 08, später die leichtere Variante des MG 08/15.

Quelle: Historische Postkarte - Quelle: französische Postkarte aus dem Ersten Weltrkrieg - schweres deutsches Maschinengewehr

Schweres deutsches Maschinengewehr
Quelle: Historische Postkarte aus Frankreich


Flammenwerfer

Der Flammenwerfer ist eine weitere militärische Innovation, die der Erste Weltkrieg hervorbrachte. Auch hier handelte es sich um eine Waffe, die die modernsten Neuerungen auf dem Gebiet der Chemie nutzte, da ihr Wirkstoff Kohlendioxyd und Schwefel war. Beide Stoffe wurden in einer Flasche komprimiert, um sie dann zu versprühen. Es entstand durch die Luftzufuhr eine große Flamme, die bei den deutschen Modellen der Flammenwerfer eine Entfernung von bis zu 35 Meter erreichen konnte. Der Flammenwerfer war ein äußerst effektives Mittel, wenn bei einem Angriff die feindlichen Schützengrüben erreicht wurden, denn mittels des Flammenwerfers konnte man den Gegner aus seiner Deckung zwingen. Die brennende Flüssigkeit, die ein Mensch abbekam, verbrannte ihn bei lebendigem Leib.

So ganz neu war das Prinzip des Flammenwerfers zu Beginn des Krieges nicht. Eigentlich wurde er bereits 1901 vom Wissenschaftler Richard Fiedler erfunden. Zu Beginn des Krieges wurde diese Waffe also nur „verfeinert“ und für den Einsatz an der Front tauglich gemacht. Trotz der verheerenden Wirkung, die ein Flammenwerfer bot, war er auf den Schlachtfeldern wenig ausschlaggebend. Sein Einsatz setzte nämlich die Teilnahme am Angriff voraus und der Soldat, der ihn trug, war jederzeit dem Risiko ausgesetzt, selbst zu verbrennen. Um ihn einzusetzen musste man außerdem stehen bleiben, das die Chance erhöhte, von einer gegnerischen Kugel getroffen zu werden.

In dem Zusammenhang:
- Schützengrüben entlang der Westfront.

Waffen


Artillerie

Quelle: Festpostkarte - Erster Weltkrieg

Quelle: Festpostkarte - Erster Weltkrieg

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs verfügten Frankreich und England kaum über schwere Artillerie. Die Franzosen waren beispielsweise weiterhin von der Idee der schnellen Kriegsführung aus den Tagen Napoleons angetan. Entsprechend schlecht waren die Heere ausgestattet. Man sah kaum Bedarf an einer beweglichen Feldartillerie, welche durch Pferde gezogen wurden und mit der Infanterie Schritt halten konnte.

In Deutschland sah man das anders: Preussische Truppen waren an Belagerungen während des Deutsch-französischen Krieges 1970/71 beteiligt und stellten damals einen Mangel an ausreichender eigener Feuerkraft fest. Um die Notwendigkeit einer schlagkräftigen Artillerie wissend zogen die deutschen Militärs dennoch mit einem Übergewicht leichter Feldgeschütze in den Krieg. Das änderte sich bald, denn man stand beim Durchmarsch durch Belgien den dortigen Festungswällen um die Städte Lüttich, Antwerpen etc. gegenüber.

Schnell wurden schwere und schwerste Geschütze produziert. Österreich-Ungarn verfügte mit der „Schlanken Emma“ über eine 30,5-cm-Haubitze und Deutschland folgte mit der von Krupp entwickelten 42-cm-Haubitze mit dem Spitznamen "Dicke Berta". Ihren ersten Kampfeinsatz erlebten beide Haubitzen gegen die Festungen bei Lüttich am 12. August 1914.

Als dann im Herbst 1914 die Schützengräben entlang der Westfront gegraben waren, begannen alle Kriegsteilnehmer vollständig den Bedarf schwerer Artillerie zu erkennen. Nur so waren Stacheldrahthindernisse, Grabenstellung und tief ausgehobene Unterstände zu bekämpfen. Sie begannen solche Geschütze in großer Zahl zu produzieren und immer neuere Modelle zu entwickeln.

Die Folge: Im Ersten Weltkrieg prasselten an einem einzigen Tag mehr Artilleriegeschosse auf die Soldaten an der Front nieder als im gesamten Deutsch-französischen Krieg zusammen verschossen wurden. Tot durch Artilleriebeschuss war die häufigste Todesursache an der Westfront.


Weitere Informationen - interne Links:

- Dokumentation: Festungsartillerie und Panzertürme.
- Dokumentation: Brisanzgranatenkrise.
- Dokumentation: Entwicklung der Artillerie im Ersten Weltkrieg.

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