Exkurs:
Feldpost im Ersten Weltkrieg
Nachrichten von der Front



Meine sehr geliebte Marie,

Gott hat es so gewollt;
dieser Brief ist der letzte,
den Sie von mir lesen werden!

Ich schreibe ihn, nachdem ich den Befehl bekommen
habe, einen Angriff anzuführen, welcher die größten Opfer
mit sich bringen wird - meines insbesondere. Ich vertraue ihn
einem Offizier der 232., Leutnant Ruez an, der ihn Ihnen
überbringen wird, wenn mein Opfer vollbracht sein wird.

Ich gebe gern mein Leben für Frankreich,
für dessen Größe ich immer gearbeitet und gelebt habe.
Ich werde als Christ scheiden, nachdem ich meine
religiösen Pflichten erfüllt habe ...


Coquelin de Lisle
Kommandeur der 255. Infanterie-Brigade.
Er fiel am 11. Juni 1916 vor Verdun.

Feldpost im Ersten Weltkrieg


Heute ist es normal, dass man etliche Male am Tag sein Mobile zur Hand nimmt, um Mails und WhatsApp-Nachrichten zu checken. Man ist überall und jederzeit erreichbar. Das war vor gut einhundert Jahren anders. Wenn man jemanden etwas mitteilen wollte, hatte man eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Selbst hingehen und miteinander reden … oder einen Brief bzw. eine Post- und Ansichtskarte schreiben. Das war es. Mehr Möglichkeiten gab es nicht. Heute unvorstellbar.

Im Ersten Weltkrieg war demnach die Feldpost der einzige Weg, damit die an der Front eingesetzten Soldaten mit ihren Freunden und der Familie im Kontakt bleiben konnten. Während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 wurden knapp 28,5 Milliarden Briefe und Postkarten von der Feldpost befördert. Solche Sendungen waren grundsätzlich portofrei. Jeder wusste allerdings, dass es eine militärische Zensurbehörde gab, die allzu kritische Nachrichten beschlagnahmte oder die Texte teilweise schwärzte. Die von den Soldaten geschriebenen Zeilen standen häufig im krassen Gegensatz zu der offiziellen Propaganda, die von Siegen und heroischen Taten berichtete und das unendliche Leid der Soldaten im Schützengraben vor der Heimat verborgen hielt. Dass diese Informationen dennoch bis in die heimischen Wohnzimmer durchdrangen, ist den vielen Briefen und Postkarten der Soldaten zu verdanken. Denn die Zensur konnte bei der Flut an Mitteilungen nur Stichproben ziehen und sie überprüfen.

Zum Ende des Krieges wurde die in der Feldpost geäußerte Kritik über die Situation an der Front, über Vorgesetzte immer deutlicher geäußert. Die Soldaten sprachen auch immer häufiger, deutliche und vehementer von ihrem Wunsch, dass der Krieg und das Schlachten endlich beendet werden soll.

Liebe Eltern!

Ich liege auf dem Schlachtfeld mit Bauchschuss.
Ich glaube, ich muss sterben.
Bin froh, noch einige Zeit zu haben,
mich auf die himmlische Heimkehr vorzubereiten.
Dank Euch, Ihr lieben Eltern!

Gott befohlen.
Johannes.

Feldpost von Johannes Haas an seine Eltern.
Der Schreiber fiel am 1. Juni 1916 bei Verdun.
Dies waren seine letzten Zeilen.

Quelle: Feldpost


Zum Anhören: Feldpost von Franz Mack aus Nürnberg


Das Projekt "Opas Krieg" ist der Versuch, die Schrecken des Ersten Weltkriegs medial aufzubereiten. In diesem Fall aus der Perspektive des einfachen Infanteriesoldaten Franz Mack aus Nürnberg. Er schrieb seine Erlebnisse an der Westfront in Frankreich nieder und sendete sie seiner Familie zu. 100 Jahre später waren diese Briefe Ausgangspunkt eines wirklich spannenden Projekts (siehe: www.opaskrieg.de).

Beim Anhören bedenke bitte, dass Franz Mack wusste, dass seine Briefe von der Zensurbehörde mitgelesen werden. Er lässt sich daher nicht über Angriffsstrategien oder andere militärisch relevante Dinge aus. Und teilweise hören sich die Briefe ziemlich banal an - insbesondere die ersten Dokumente. Doch man sollte genau hinhören ... zwischen den Zeilen sagt er deutlich mehr als er tatsächlich schreibt. Und ich empfehle Dir unbedingt einen Besuch der zuvor genannten Homepage. Denn dort findest Du die militärischen Hintergrunde zu den einzelnen Briefen. Was erlebte Franz Mack also und wie hat er es zu Papier gebracht. Sehr lohnend!


Feldpost - Erster Weltkrieg


Zum Ansehen - Feldpost von der Front


Ich sage ja bereits, dass die Feldpost der Soldaten der Zensur unterlag. Diese machte Sichtproben und konnte somit nur einen winzigen Teil aller Briefe und Postkarten sichten. Da die Soldaten mit Verlauf des Krieges immer seltener ein "Blatt vor den Mund" nahmen, gelangen hunderttausende Briefe mit ziemlich verstörenden Inhalt auf die Küchentische der Heimat.

Häufig kamen die Zeilen der Liebsten in der Heimat nicht mehr (rechtzeitig) beim Empfänger an. Er war inzwischen verstorben. Anfangs wurden Briefe an gefallene Soldaten mit dem Vermerk "tot" oder "gefallen" zurückgesendet. Später bekamen solch unzustellbare Briefe den Vermerk "für das Vaterland gestorben" oder "auf dem Feld der Ehre gestorben". Das hörte sich charmanter an ... für die Angehörigen war beides schlimm. Denn wer möchte auf diese Art schon erfahren, dass beispielsweise der Sohn oder Ehemann verstorben ist.


    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front
    • Erster Weltkrieg - Feldpostkarte - Nachrichten von der Front


Quelle des Titelbildes und der Soldatenportraits:
Historische Postkarten aus den 20er- und 30er-Jahren des letzten Jahrhunderts.




Wissenswert.

BILDER: ERSTER WELTKRIEG

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es war ein industrieller Krieg.
Um Dir einen Eindruck zu vermitteln, habe ich einige Bilder zusammengetragen.

KMZ-DOWNLOAD

Zwischen 1914 und 1918 brannte die Erde. Wichtige Schlachten des Ersten Weltkriegs in Europa habe ich in einer KMZ für Google-Earth zusammengetragen. Sie hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

YOUTUBE: ERSTER WELTKRIEG

Der Erste Weltkrieg war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts. Es gibt etliche Dokumentationen über den Verlauf dieses großen Schlachtens. Diese kann ich Dir ganz besonders empfehlen.

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.