Österreichisch-ungarische Festungen bis Ende des Ersten Weltkriegs:

Festung Trient

Ausbau der heute italienischen
Stadt Trient (Trentino) zu einer
Festungsstadt durch Österreich-Ungarn
im Verlauf des 19. Jahrhunderts.

Österreich-Ungarns Gebietsansprüche in Norditalien im Verlauf des 19. Jahrhunderts

Kriegsschauplatz Tirol

Quelle: Die Kämpfe in den Felsen der Tofana, Autor: Guido Burtscher, Verlag: J.N. Teutsch, 1935 (Seite 16a)

Um zu verstehen, warum Österreich-Ungarn in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts enorme Anstrengungen unternehmen, um Südtirol-Trentino und hier insbesondere die Stadt Trient militärisch zu sichern, sollte einen Blick ins beginnende 19. Jahrhundert werfen: Die Habsburgermonarchie in Wien galt über Jahrhunderte hinweg als Großmacht in Europa. In Italien beanspruchte man die heute zu Italien gehörenden Regionen Lombardei und Venetien, Trentino und Südtirol.

Mit der französischen Revolution (1789-1799), den napoleonischen Kriegen (1803-1815) beziehungsweise der Eroberung Napoleons halb Europas, seiner endgültigen Niederlage und der Neuordnung Europas durch den Wienerkongress (1815) breitete sich in Europa zunehmend der Wunsch des Bürgertums aus, mehr Verantwortung im Staat tragen zu wollen und die uneingeschränkte Macht des Souveräns zu brechen. Man besann sich obendrein auf seine Identität, was die Anfänge der heutigen Nationalstaaten darstellte.

Das war in Italien nicht anders. Entscheidender Punkt in der Geschichte ist hier die Märzrevolution im Jahr 1848. Sie brachte eine Unabhängigkeitsbewegung in Italien in Gang, die in drei Unabhängigkeitskriegen – unter anderem gegen Österreich-Ungarn mündete und bis 1870 andauerten. Der Verlauf dieser Konflikte führte dazu, dass die Habsburger Monarchie 1859 die Lombardei und 1866 auch Venetien verlor. Den Wienern blieben in Norditalien also nur noch Trentino und das angrenzende Südtirol. Nachvollziehbar, dass man die Regionen nicht auch noch verlieren wollte und sie militärisch sicherte.

Dabei wurden die verschiedenen Festungen und Straßensperren, die in den 1830er-Jahren errichtet wurden (Franzensfeste, Sperre Nauders, Predilstraßensperre) sowie die in den 1860er-Jahren errichteten Festungen (Gomagoi, Strino, Fort Hensel etc.) als nicht mehr ausreichend angesehen. Sie sicherten nämlich nicht oder nicht ausreichend nicht die Region um Trient.

Also begann man in den 1880er-Jahren mit dem Bau neuer Werke und Sperren an der „Ostfront Tirols“, dann das Werk Garda und die drei Batterien am M. Brione bei Riva. Ferner errichtete man weiter nördlich in Kärnten auch die Flitscher Klause, die Batterie Predilsattel und das Fort Hermann – letzteres nur der Vollständigkeit halber.

Festung Trient

Festung Trient

Festungen rund um Trient - für Touristen erschlossen.
Eine interessante touristische Information. Externer Link.


Lage der Festungen rund um Trient:
KMZ für Google-Earth (interner Link)

Festungen, die besucht werden können (Museum):
Forte Civezzano, Roncogno-Batterie, Forte Busa Grande, Forte Col de le Bene und Forte Tenna

Festungen, die nicht hergerichtet wurden, aber dennoch besucht werden können: Fort Mattarello

Trient hatte für Österreich-Ungarn eine strategische Bedeutung. Die Stadt liegt an wichtigen Verkehrswegen zwischen dem langobardisch-venezianischen Gebiet und dem Herz der österreich-ungarischen Monarchie. Obendrein waren von hier aus die wichtigen Täler des Trentino erreichbar. Ursprünglich war aus österreich-ungarischer Sicht der südliche Zugang zur Stadt durch ein Festungsdreieck (bestehend aus den befestigten Städten Legnago, Mantua, Peschiera und Verona) geschützt. Diese fielen aber wegen der Gebietsverlusten als Folge der italienischen Unabhängigkeitskriege in italienische Hand und waren für die Donaumonarchie nutzlos.

Der Ausbau der Festung Trient erfolgte seit Mitte des 19. Jahrhunderts in mehreren Schritten. Später unterteilte man die Region rund um Trient in sieben Abschnitte (externer Link zu Wikipedia), in denen man im Verlauf der Jahre mehrere Werke errichtete. Das ergab einen "Rundumschutz" der Stadt Trient.

Der militärische Ausbau der Stadt Trient begann bereits zu einer Zeit, in der die Lombardei und Venetien noch zu Österreich-Ungarn gehörten – nämlich zwischen 1848-1859. Seinerzeit entstand die später häufig als Zitadelle von Trient bekannte Doss Trento nordwestlich der heutigen Innenstadt. Kurz darauf folgten zwei Straßensperren weiter nordwestlich, die eine wichtige Verkehrsverbindung zum Gardasee sicherten (Straßensperre Buco di Vela und Doss di Sponde). Als dann 1866 auch Venetien verloren ging, folgte die Werkgruppe Civezzano nordöstlich der Stadt. Die sicherte eine wichtige Straße in Richtung Venetien.

Der eigentliche Ausbau der Stadt zu einer Gürtelfestung (siehe: Geschichte des Festungsbaus) und auch die Einteilung der Region um Trient in die bereits erwähnten sieben Verteidigungsabschnitte begann 1878. Es entstanden unter anderem die Werke Brussa ferro, San Rocca, Dos Fornas, aber auch Artilleriestellungen wie die Batterie Cindriai oder Rongogno. Die Festungswerke dieser Zeit kennzeichnet eine relativ leichte und zugleich sehr kompakte Bauweise, die später als „Trienter Stil“ in die Geschichte des Festungsbaus einging. Die Werke galten bereits kurz nach ihrer Fertigstellung als veraltet, weil die Waffentechnik zwischenzeitig einen Entwicklungssprung machte – inzwischen gab es moderne Sprenggranaten mit verheerender Wirkung (siehe: Gesichte des Festungsbaus / Brisanzgranatenkrise). Keine der Festungen hätte einem Beschuss mit Sprenggranaten lange widerstehen können. Dieses Schicksal teilten die Werke allerdings mit (fast) allen Festungen in Europa, die seinerzeit errichtet wurden.

Nachdem die Schwächen der just errichteten Festungen klar war, begann die letzte Phase zum Ausbau der Stadt zu einer Festungsstadt. Zwischen 1884-1886 errichtete man die den Stadttoren weit vorgelagerten Werke Tenna und Colle delle benne. Es folgten dann zwischen 1896-1900 die Werke Romagnano und Mattarello.

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