Festungen des Ersten Weltkriegs:

Festungen der
österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie
in Südtirol und dem Trentino
(Festungsabschnitt Tirol)

Festungen der K.u.k.-Monarchie
Österreich-Ungarn
in Norditalien.

Kaiser Franz Josef von Österreich

Kaiser Franz Joseph I.
Kaiser von Österreich-Ungarn
1830-1916

Festungen von Österreich-Ungarn in Norditalien

Kriegsschauplatz Tirol

Grenzverlauf Österreich-Ungarn / Italien bis Ende 1918

Quelle: Die Kämpfe in den Felsen der Tofana, Autor: Guido Burtscher, Verlag: J.N. Teutsch, 1935 (Seite 16a)

Das war eine verzwickte Situation: Offiziell waren die Monarchien Österreich-Ungarns und Italien im 19. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Jahrhundert miteinander verbündet. Sie bildeten zusammen mit dem deutschen Kaiserreich den sogenannten Dreierbund. Doch Österreich-Ungarn traute seinem südlichen Nachbarn nicht. Dazu gab es auch ausreichend Anlass: Die Donau-Monarchie beanspruchte weite Landstriche die eigentlich italienisch waren und denen auch weitgehend Italienisch gesprochen wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten unter anderem die Lombardei, Südtirol und große Teile Venetiens zu Österreich. Die Lombardei wiederum musste man 1859 an Italien abtreten, was das Misstrauen seitens der k.u.k.-Monarchie weiter steigerte.

Um sein Einflussgebiet angemessen militärisch sicher zu können, begann Österreich-Ungarn ab 1860 seine südliche Staatsgrenze durch etliche Festungen und Pass-Sperren zu sichern. In den 1870er-Jahren entstanden beispielsweise zwischen dem Gardasee und der Schweizer Grenze etliche neue Festungswerke. Sie bestanden meist aus einem mächtigen, mehrere Geschosse aufragenden Block aus Natursteinmauerwerk, in dem die Geschütze hinter Mauerscharten standen.

Gegen Ende des Jahrhunderts weitere man die Bautätigkeiten aus. Jetzt stand die Region nordwestlich vom Gardasee im Fokus. Es galt, die Pässe in den Dolomiten und Brentatals zu sichern. Die hier errichteten Festungen waren im Regelfall kompakte Einzelwerke, in denen Bewaffnung und Unterkünftig in einem Block vereint waren. Als Baumaterial verwendete man nun bereits Beton, den man äußerlich häufig mit Granitblöcken verkleidete. Auch die Bewaffnung dieser Festungen war auf der Höhe der Zeit: Viele Werke wurden mit „Artillerie unter Stahl“ ausgestattet. Dabei kamen beispielsweise 15-cm-Panzermörser mit einer drehbaren Panzerkuppel zum Einsatz. Zahlreiche Maschinengewehre ermöglichten die Verteidigung der Anlagen auf kurzer Distanz. Die letzten dieser Werke wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Obwohl die früh errichteten Festungsanlagen maßlos veraltet waren und moderne Artillerie sie hätte in kurzer Zeit in Trümmer schießen können, modernisierte Österreich nur wenige von ihnen. Man setzte auf die verbliebene Kampfkraft der Werke im unzugänglichen gebirgigen Gelände und spekulierte darauf, dass der Gegner seine Artillerie just wegen der schwierigen geografischen Gegebenheiten nicht nah genug an die eigenen Festungen heranführen könnte.

Österreich-Ungarische Festungen in Norditalien - zwischen 1815 und 1918

Quelle: https://www.europeana.eu/de/item/9200291/bildarchivaustria_at_Preview_15400902

Werk Gschwent von K.u.k. Kriegspressequartier, Lichtbildstelle - Wien - 1915 - Österreichische Nationalbibliothek - Austrian National Library, Austria - Public Domain. www.europeana.eu.


Kartenmaterial:


- Historische Kriegskarte
- Frontverlauf 1914 - 1918


Touristische Informationen:
-
Festungen in der Provinz Trient
- Unterwegs durch die Festung Trient.
- Private Homepage mit vielen Informationen.

Im Verlauf des 19. Jahrhundert investierte die Doppelmonarchie Österreich-Ungarns wiederholt in den militärischen Ausbau der sich mit den Jahren wiederholt verändernden Grenze zu Italien. Ausgangspunkt waren im Wesentlichen die Italienischen Unabhängigkeitskriege, die für die K.u.k.-Monarchie jeweils mit Gebietsverlusten verbunden waren. So ergaben sich zwischen dem Wiener Kongress und dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs alles in allem fünf Bauperioden.

Bauphase 1 - in den 1830er-Jahren: Es begann damit, dass als Folge des Wiener Kongresses 1815 die Lombardei und Venetien Österreich-Ungarn zufielen. In Folge dessen begann in den 1830er-Jahren dieses Jahrhunderts der Bau mehrerer Festungen – unter anderem wurde die Franzenfeste zur Sicherung des Raums um Brixen erbaut und man errichtete zwischen 1838 und 1840 die Straßensperre Nauders, die den Reschenpass sicherte. Siehe auch: Fort Mollinary.

Bauphase 2 - nach 1860: Diese Bauperiode begann mit dem Verlust der Lombardei 1859 als Folge des Zweiten italienischen Unabhängigkeitskrieges zwischen den Italienern und Franzosen auf der einen Seite und Österreich-Ungarn. Jetzt galt es für die K.u.k.-Monarchie, die neue Grenze zwischen dem Gardasee und der Schweizer Grenze zu sichern. Somit wurden zwischen 1860 und 1864 wichtige Pässe befestigt. In dieser Zeit entstand u.a. die Sperrgruppe Tonale mit dem Werk Strino.

Bauphase 3 - nach 1870: Jetzt gab es abermals vermehrte Bautätigkeiten zur Sicherung der Grenze. Österreich-Ungarn verlor abermals einen Krieg – diesmal gegen Preußen und Italien (Dritter italienischer Unabhängigkeitskrieg, 1866). Nun fiel auch Venetien an Italien und Südtirol bzw. Trentino wurde zur Grenzregion. Also errichtete man Werkgruppen zur Sicherung der Pässe und umgab Trient mit einem Festungsring (u.a. das Werk Colle delle Benne entstand damals). Bis dahin verfügten alle Festungen über offene Geschützbatterien. Da sich die Artillerietechnik allerdings rasant veränderte installierte man zuletzt im Werk San Rocco erstmals einen Gruson-Panzerturm. Später stattete man auch das Fort Hensel mit Panzertürmen und Panzerkasematten aus.

Bauphase 4 - nach 1884: Direkt im Anschluss begann eine weitere Bauphase. Sie kennzeichnet, dass die jetzt entstehenden Festungen einem einheitlichem Bauschema folgten, Dolomitenpasse und u.a. auch das Brentatal sicherten. Als Reaktion auf die neu aufgekommenen Brisanzgranaten verwendete man erstmals Beton als Baumaterial (und keine Bruchsteine mehr) und versah die Festungen meist mit mehreren 12-cm-Panzertürme und weiteren 15-cm-Panzermörsern, die allesamt in einer Panzerdrehkuppen installiert wurden.

Bauphase 5 - nach 1905: Die letzte Bauperiode begann dann 1905. Im Wesentlichen ging es darum, die veralteten und somit militärisch quasi nutzlos gewordenen Festungen durch moderne Werke zu ersetzen/ergänzen. So wurde beispielsweise der Tonalepass mit fünf modernen Festungen ausgebaut und man sicherte die Hochflächen von Folgaria und Lavarone durch sieben eigenständige Festungsanlagen (siehe u.a.: Werk Sommo, Werk Verle). Jetzt begann man übrigens auch, die „aufgelöste Bauweise“ zu realisieren. Heißt: Man trennte die Kasematten und Batterieblöcke voneinander. Als Standardbewaffnung dieser Festungen kam eine 10-cm-Haubitze in einem drehbaren Panzerturm zum Einsatz. Bei der Nahverteidigung setzte man auf Maschinengewehre.

Festung Sebastiano - Beispiel einer moderne Panzerfestungen von Österreich-Ungarn

Werk Sebastiano

Festung Sebastiano
Erbaut von Österreich-Ungarn ab 1909

Quelle der Ursprungszeichnung:
Sonderdruck aus den "Militärwissenschaftlichen Mitteilungen", Ergänzungsheft 10 zum Werke "Österreich-Ungarns letzter Krieg": Die Reichsbefestigungen Österreich-Ungarns zur Zeit Conrad von Hötzendorf - Wien - 1937

Interessant in dem Zusammenhang:
- Deutsche Panzerfestungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts
- Deutsche Panzertürme gegen Ende des 19. Jahrhunderts

In den 1990er-Jahren wurde der Festungsbau in ganz Europa auf den Kopf gestellt: Durch die Einführung moderner Spreng- bzw. Brisanzgranaten galten auf einen Schlag alle bisher errichteten Festungen veraltet. Man mauerte sie aus Ziegel- oder Bruchsteinen und platzierte die Festungsartillerie ungeschützt unter freiem Himmel. Ein Beschuss mittels dieser neuen Granaten hätte zu enormen Zerstörungen geführt. Einen eindrucksvollen Beleg dafür dokumentierte die Deutsche Wehrmacht gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs bei ihrem Beschuss belgischer Festungen (siehe: Denkschrift über die Beschießung der Festungen Lüttich, Namur, und Antwerpen - externer Link zum Dokument).

Als Antwort darauf entwickelten u.a. Deutschland und Österreich-Ungarn moderne Panzerfestungen. Ihre Konzepte unterschieden sich allerdings wesentlich voneinander:

Die Deutschen entschieden sich für eine aufgelöste Bauweise. Ihre Festungen erstreckten sich mit Einführung des neuen Konzepts über eine größere Fläche als zuvor. Das ergab sich, weil man die einzelnen Infanterie- und Artilleriewerke voneinander trennte, um sie unter Ausnutzung natürlicher Gegebenheiten im Gelände zu verteilen. Eine solche Festung bestand meist auch aus mehreren Artilleriewerken, die entweder mit mehreren 15-cm-Panzerhaubitzen oder 10-cm-Turmkanonen unter Panzer versehen wurden. Die einzelnen Werke der Festungen lagen nicht selten hunderte Meter auseinander. Sie wurden mittels unterirdischer Hohlgänge miteinander verbunden. Wollte ein Angreifer die Festung niederringen, musste er sein Feuer also auf mehrere Ziele gleichzeitig ausrichten, wobei diese wegen der niedrigen Bauweise, der Tarnung und durch die Ausnutzung des Geländes vor Ort schwer auszumachen waren. Die Festung insgesamt war häufig von einem Graben umgeben, den man mittels Grabenstreichen sicherte. Und es gab weitläufige Stacheldrahtverhaue - nicht nur um die Festung herum, sondern auch innerhalb der Festung zwischen den einzelnen Infanterie- und Artilleriewerken. Gute Beispiele deutscher Panzerfestungen sind die Feste Kaiserin, Feste Kronprinz, etc..

Österreich-Ungarn entschied sich für einen anderen Weg, was maßgeblich von den Gegebenheiten im Gebirge geprägt war. Dort ließen sich keine weitläufigen Festungswerke errichten. Sie waren also kleiner und kompakter. Artillerie und die Unterkünfte der Mannschaften standen relativ dicht beieinander. Sie wurden umgeben von einem tiefen Fragen, der über Grabenstreichen verfügte. Die Augen der Festung waren die gepanzerten und drehbaren Beobachter. Zur Nahverteidigung installierte man mehrere Maschinengewehre - ebenfalls installiert in Panzerkuppeln. Als Hauptbewaffnung kamen mehrere Haubitzen zum Einsatz - installiert in drehbaren Panzertürmen.

Schwierige Passagen bzw. unübersichtliches Gelände wurde durch mehrere solcher Festungswerke und/oder kleineren Zwischenwerken gesichert. Die Sperre Lavarone-Folgaria ist ein gute Beispiel dafür.

Österreich-Ungarn und der Alpenkrieg 1915-1918

1914, bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs, blieb Italien zunächst neutral, obwohl es seit 1882 Mitglied des bereits erwähnten Dreierbundes mit Österreich-Ungarn und dem deutschen Kaiserreich war. Tiroler Einheiten wurden vielmehr an der Ostfront eingesetzt - vor allem in Galizien. Im Frühjahr 1915 offenbarte dann Italien seine wahren Interessen. Getrieben von eigenen territorialen Interessen und dem Wunsch, ehemals italienisches Staatsgebiet wieder zurückzugewinnen, schloss sich das italienische Königshaus der Ententmächte an und erklärte am 23. Mai 1915 Österreich-Ungarn den Krieg.

Der Kriegseintritt Italiens erfolgte, obwohl das Kaiserreich Österreich-Ungarn inzwischen bereit war, den Trentino wieder an den südlichen Nachbarn abzutreten. Im Gegenzug sollte das Land allerdings weiterhin neutral bleiben. Im Gegensatz dazu bot Großbritannien für ein Bündnis mit der Entente der italienischen Krone deutlich mehr und erfüllte 1915 praktisch alle Wünsche - insbesondere dem nach der Rückgabe ganz Südtirols an Italien. Aus der Sicht der Waffenbrüder Österreich-Ungarn und Deutschland war das ein katastrophaler Wendepunkt im Ersten Weltkrieg. Das Kräfteverhältnis wurde massiv verschoben und Österreich-Ungarn war damit – wie bereits das deutsche Kaiserreich – ebenfalls in einen Zweifrontenkrieg verwickelt. Im Osten stand man starken russischen Verbänden gegenüber und im Süden begann ein blutiger Gebirgskrieg.

Alpenkrieg 1915-1918 zwischen Österreich-Ungarn und Italien

Quelle beider Bilder: Geschichte des steirischen
K.u.k.-Infanterieregiments Nr. 27 | Band II von 1937

Die südliche Frontlinie verlief über rund 3.500 Kilometer Luftlinie westlich vom Ortlergebirge (nahe der Schweizer Grenze) nach Süden an Trient vorbei, um in einem Bogen nördlich von Cortina mitten durch die Dolomiten zu führen. Die höchste Stellung der Front lag auf dem Ortler auf 3905 Meter, die tiefsten Gletscherstollen in der Marmolata.

Der Krieg in den Alpen, den Österreich-Ungarn mit Italien in den Jahren 1915 bis 1918 führte, war extrem blutig und verlustreich. Wie an der Westfront entwickelte sich der Gebirgskrieg bald zu einem erbittert geführten Stellungskrieg. Trotz regelmäßiger Vorstöße konnte keine Partei einen nennenswerten Geländegewinn verzeichnen.

Im Gegenteil: Mit jedem Vorstoß stieg die Zahl der Toten erheblich und die Auseinandersetzung wurde immer härter. Nach und nach ging man sogar dazu über, Stollen in das Gebirge zu treiben, um ganze Bergrücken zu sprengen. Die Soldaten litten zunehmend unter Krankheiten und (wegen der extrem schlechten Versorgungslage insbesondere unter) Hunger, oft mit tödlichem Ausgang. Durch Lawinen und Steinschlag kamen mehr Menschen ums Leben als durch die direkten Kampfhandlungen. Die Soldaten auf beiden Seiten mussten in den Wintermonaten eine Kälte von bis zu 40 Grad minus ertragen. Temperaturen, die das menschliche Blut gefrieren lassen und die Waffen unbrauchbar machten.

  • Reichsbefestigungen Österreich-Ungarns zu Zeit Conrads von Hötzendorf

  • Militärgeographie des südwestlichen Kriegsschauplatzes.
    (Mit 15 Beilagen, 11 in Texten eingehefteten Skizzen und 40 Landschaftsbildern)

  • 1915-1918
    Schlachtfeld-Führer für den südwestlichen Kriegsschauplatz
    (mit 13 Skizzen und 15 Bildern)

  • Historische Militärkarte:
    Italienisch-Österreichischer Kriegsschauplatz in Nord- und Mittelitalien

  • Privat geführte Homepage über die Festungen in Trentino-Südtirol und angrenzenden Regionen

  • Unterwegs durch
    die Festungen von Trient

    (empfehlenswert)

  • Dies ist die Broschüre zum Reiseführer Unterwegs durch die Festungen von Trient

  • Auf dieser Homepage findest Du einen guten Überblick über die Festungen, die Du besuchen kannst.

  • Dieser pdf-Download führt Dich recht gut in das Thema ein und gibt einen Überblick über die musealen Angebote vor Ort.

  • "Vom Krieg und Frieden" heißt die Broschüre, die das Fremdenverkehrsamt veröffentlicht.

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