Artillerie – fester Bestandteil moderne Kriegsführung

Seit dem Aufkommen des Schwarzpulvers in Europa und dem Einsatz erster Kanonen auf den Schlachtfeldern hat die Artillerie nicht so viele und so einschneidende Veränderungen durchgemacht wir im 19. Jahrhundert - konkret: seit der Einführung des gezogenen Artilleriematerials gegen Mitte dieses Jahrhunderts: Bonze und Gusseisen wurden durch Stahl ersetzt, das Holz im Lafettenbau ebenfalls, die Vorderladung wich der Hinterladung, die Kugeln ist dem immer länger gewordenen Spitzgeschoss gewichen und das alte Schwarzpulver ersetzte man durch andere Explosivstolle - zuletzt dem rauchschwachen (chemischen) Pulver.

Das sind nur einige der Veränderungen, die dazu führten, dass sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts zu einer eigenen Waffengattung entwickelte. Bis dahin kannten kämpfende Armeen nur die Infanterie und Kavallerie. Die Artillerie war in die Heere eingegliedert. In Preußen gab es beispielsweise sogenannte Bataillons- und Regimentsgeschütze, die der Infanterie zur unmittelbaren Feuerunterstützung dienten. Die Reichweite dieser Geschütze lag damals bei gut 1.500 Schritt (maximal), was ungefähr 1.200 Meter entspricht. Man verschoss eiserne Vollkugeln und versuchte die feindliche Infanterie zu flankieren. Eine Taktik, die man im Verlauf des 19. Jahrhunderts wegen des immer effektiveren Artilleriematerials mehrfach änderte.

Erster trauriger Höhepunkt all dieser Entwicklungen war der Erste Weltkrieg, in dem mehr Soldaten durch Artilleriewirkung zu Tode kamen also durch Frontalangriffe auf feindliche Stellungen. In einzelnen Schlachten und an einzelnen Tagen wurden mehr Granaten verschossen wie im gesamten Deutsch-französischen Krieg gut 50 Jahre zuvor.

Ausgangspunkt dieser Veränderungen waren technische Sprünge – ermöglicht durch Erfindergeist und insbesondere den Möglichkeiten der Industriellen Revolution bzw. immer moderneren Produktionsmöglichkeiten.

Geschütze: Entwicklung moderner Hinterlader-Systeme mit gezogenem Lauf:

Mit der Einführung neuer Hinterlader und dem damit verbundenen Einsatz sogenannter Langeschosse möglich. Sie haben eine durch den gezogenen Lauf stabilisierte Flugbahn, weil das Geschoss in Rotation versetzt wird. Sie wird durch die korkenzieherartigen Rillen im Rohr erzeugt – den sogenannten Zügen. Alles zusammen erhöhte die Effektivität neuer Geschütze enorm. Sie hatten eine deutlich höhere Reichweite, eine höhere Treffgenauigkeit und die Geschosse konnten u.a. mit Schwarzpulver gefüllt werden, was deren Zerstörungskraft maßgeblich erhöhte.

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Artillerie nur eine die Infanterie unterstützende Funktion – ich sagte das bereits. Man verschoss mit geringer Schussfolge einfache Eisenkugeln aus Vorderladern, die eine geringe Reichweite hatten. Obendrein hatten die Geschütze eine geringe Treffgenauigkeit und die Geschosse richteten bei massiven Bauten eher überschaubare Schäden an.

Unabhängig davon gab es allerdings bereits Büchsen (also Gewehre), die man von hinten lud und über einen gezogenen Lauf verfügten. Man schätzte sie wegen ihrer Reichweite und Treffgenauigkeit. Daher tüftelten Ingenieure daran, diese Vorteile auf das Artillerie-Material zu übertragen. Ein wesentliches Problem dabei war der Verschluss des Hinterladers. Er hatte die Aufgabe, das Geschützrohr abzudichten; er musste sich schnell öffnen und schließen lassen (um die Waffe zügig laden zu können), und er musste zugleich den Kräften widerstehen, die bei der Schussabgabe entstanden, so dass sich der Rückstoß auf das Rohr und die Laffete überträgt.

Aus heutiger Sicht tun sich verschiedene Ingenieure bei der Entwicklung erster moderner Hinterlader-Systeme mit gezogenem Lauf hervor:

  • Da wäre zuerst William G. Armstrong zu nennen. Er war Engländer und entwickelte in den 1850er-Jahren ein Hinterladergeschütz (Armstrong-Geschütz), welches als bahnbrechend galt. Er verkaufte es in großer Stückzahl an zahlreiche (durchaus miteinander verfeindeten) Armeen und versorgte sogar beide Seiten des Amerikanischen Bürgerkrieges 1861-1865.

  • Martin von Wahrendorff wiederum war ein schwedischer Industrieller, eine Waffengießerei besaß und ebenfalls an dem Problem arbeitete. Er meldete bereits im Jahr 1837 sein Patent für einen neuen Kolbenverschluss an und begann wenige Jahre später mit der (Serien-) Produktion neuer Geschütze – ebenfalls Hinterlader mit gezogenem Lauf und natürlich seinem Wahrendorff-Verschluss.

  • Last but not least wäre da auch die Waffenschmiede von Friedrich Alfred Krupp zu nennen. Sein Unternehmen entwickelte und produzierte in den 1860er-Jahren zahlreiche Geschütztypen mit gezogenem Lauf und einem Krupp’schen Verschluss, der fast 30 Jahre (recht) unverändert zum Einsatz kam (Rundkreilverschluss C/1866 bzw. C/1868).

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