Hintergrund: Die Brisanzgranatenkrise und ihre Folgen

Die Entwicklung der Panzerfortifikationen gegen Ende des 19. Jahrhunderts war eine Reaktion auf das Aufkommen neuer Brisanzgranaten, die eine enorme Sprengkraft hatten. Den Militärs wurde nach ersten Schießversuchen (bei denen man also eigene Festungen zum Test mit solchen Granaten beschoss) schnell klar, dass herkömmliche Festungen einem solchen Angriff nicht lange widerstehen konnten. Es galt also nicht nur, die Festungsartillerie besonders zu schützen (siehe: Panzertürme verschiedener Länder), sondern man musste auch die Festung selbst schützen. Natürlich entbrannte daraufhin eine heftige Diskussion unter Ingenieuren wie dies möglichst effektiv und zugleich kostengünstig zu bewerkstelligen war.

Deutschland trieb dabei die Entwicklung eines neuen Festungstyps besonders voran und errichtete zwischen 1888 und 1893 bei Thorn (heute Torun, Polen) die erste Panzerfortifikation - Feste König Wilhelm I., heute Fort Sobieski). Kurz darauf folge bei Straßburg eine weitere Festung, bei der man die Konzepte aufgriff und weiter ausreifen ließ - Feste Kaiser Wilhelm II. (heute Fort Mutzig). Dann ging es Schlag auf Schlag:

Das deutsche Kaiserreich musste die nach Ende des Deutsch-französischen Kriegs 1870/71 annektierten Regionen Elsass-Lothringen militärisch sichern, was mit dem Bau etlicher Festungen rund um Metz und Thionville verbunden war. Also entstanden dort zahlreiche weitere Panzerfestungen, bei denen das Konzept immer weiter ausreifte (Feste Kaiserin, Feste Kronprinz, Feste Wagner, etc.). Aber Deutschland war nicht die einzige Nation, die seine Grenzen mittels moderner Festungen sichern wollte.

Frankreich steckte mitten im Bau der Barriére de Fer nahe der damaligen deutsch-französischen Grenze, Österreich-Ungarn wollte seine Gebietsansprüche in Südtirol mittels neuer Festungen zementieren und Italien wiederum wollte sich für einen erwarteten Krieg mit Österreich-Ungarn in Venetien wappnen. Alle Festungen, die seit beginn der 1890er-Jahre errichtet wurden griffen grundlegende Ideen moderner Panzerfortifikationen auf. Wie bereits gesagt: Es ging dabei nicht nur um den Schutz der Festungsartillerie durch Panzertürme aus Stahl, sondern insbesondere auch um die Widerstandsfähigkeit der Festung selbst. In dem Zusammenhang brachte Julius Meyer in seinem Buch "Metz durch Panzerfronten verteidigen" gut auf den Punkt, was damals alle Festungsbauingenieure bewegte:

Deutschland: Panzerfestung bei Metz

Feste Kronprinz - Panzerfestung des deutschen Kaiserreichs bei Metz

Zum Vergleich: Lageplan der deutschen Panzerfestung Kronprinz bei Metz. Das Festungsareal ist deutlich weitläufiger als das einer österreich-ungarischen Festung, was einen höheren Schutz bot.

Weitere Informationen: Feste Kronprinz.

Österreich-Ungarn: Panzerfestung in Südtirol

Werk Serrada

Quelle der Ursprungszeichnung: Sonderdruck aus den "Militärwissenschaftlichen Mitteilungen" -
Ergänzungsheft 10 zum Werke "Österreich-Ungarns letzter Krieg" - Reichsbefestigungen Österreich-Ungarns zur Zeit Conrad von Hötzendorf - Wien - 1937

Weitere Informationen: Panzerfestungen Österreich-Ungarns

Frankreich: Panzerfestung der Barrière de Fer

Quelle gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France - Fortification cuirassée et les forteresses au début du XXe siècle

Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France -
Fortification cuirassée et les forteresses au début du XXe siècle : 1906-1907,
liste des planches de la 1re partie, 1906

Italien: Panzerfestung in Venetien

Quelle: Fortification cuirassée et les forteresses au début du XXe siècle : 1906-1907, liste des planches de la 1re partie, 1906

Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France
Fortification cuirassée et les forteresses au début du XXe siècle : 1906-1907,
liste des planches de la 1re partie, 1906

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.