Hintergrund: Die Brisanzgranatenkrise und ihre Folgen

Mitte des 19. Jahrhunderts machte die Artillerie gewaltige Entwicklungssprünge, die heute noch prägend sind. Der Schwede Martin von Wahrendorff erfand das Hinterladersystem mit gezogenem Lauf, wodurch die Reichweite, Treffsicherheit und Schussfolge solcher Geschütze deutlich erhöht wurde. In den 1880er-Jahren kamen dann sog. Brisanzgranaten auf. Dabei handelt es sich um torpedoförmige Geschosse, die mit Explosivstoffen gefüllt wurden und die eine enorme Zerstörungskraft hatten. Militärs aller Nationen mussten erkennen, dass bisherige Festungen – selbst die, die just errichtet wurden – einem Beschuss mit den neuen Brisanzgranaten nicht lange widerstehen konnten. Sie galten auf einen Schlag als veraltet. >> Brisanzgranatenkrise.

Es entbrannte eine europaweit geführte Diskussion wie man Festungen künftig besser schützen könnte. Sie waren immerhin ein wesentlicher Stützpfeiler der Landesverteidigung. Besonderes Augenmerk galt dabei auch der Festungsartillerie. Denn: Moderne Festungen jener Zeit waren Artilleriefestungen, Geschütze stellten die Hauptbewaffnung dar. Bis dato standen Sie allerdings unter freiem Himmel und waren besonders gefährdet.

Die entscheidende Idee fand man schließlich bei der Marine. Es gab erste Kriegsschiffe, bei denen man die Schiffsartillerie in gepanzerten Panzertürmen unterbrachte. Die USS Monitor (eingesetzt im Amerikanischen Bürgerkrieg) war eines der ersten Schiffe dieser Art. Das führte zu der Idee, auch die Geschütze moderner Festungen durch eine solche Panzerung zu schützen.

Was ist ein Panzerturm?
Quelle: Capt. John Ericsson, Traverse hull section through Turret of USS Monitor, Format, Farbigkeit, Hintergrund, CC0 1.0

Quelle: Capt. John Ericsson, Traverse hull section through Turret of USS Monitor, Format, Farbigkeit, Hintergrund, CC0 1.0;
siehe auch: Spiegel-Artikel "Duell der Unzerstörbaren" mit Bildergalerie

Dazu findet man im Meyers-Konversationslexikon, Band 15 aus dem Jahr 1908 eine gute Definition (Seite 378). Ich zitiere:

"Panzerturm - gepanzerter Geschützstand für ein oder zwei Geschütze ... der oben geschlossene Panzerturm dreht sich mit dem Geschütz, um diesem das Feuern nach allen Richtungen zu gestatten, entweder um eine wirkliche senkrechte Achse, wie die Panzerlaffete, oder um eine ideelle Achse auf einer Rollbahn mit Laufrollen oder Laufkugeln, die unter der senkrechten Wand am Panzerturms befestigt sind, Panzerdrehturm. ... Der Oberbau des Turmes erhielt durch Gruson bei seinen Hartgusstürmen die Kuppelform, die heute auch bei Panzerlaffeten und Panzertürmen der Küsten- und Binnenlandsbefestigungen gebräuchlich ist. Die gewölbte, in Hartguss hergestellte Panzerdecke der Panzertürme legt sich auf einen Vorpanzerring auf ....
Die Scharten, die sich in der gewölbten Decke befinden, bilden die unvermeidliche Schwäche des Turmes, der an dieser Stelle durch das feindliche Feuer am leichtesten verletzbar, sonst aber infolge der sphärischen Kuppelform (ein deutsches Konstruktionsprinzip, das seinerzeit in Konkurrenz mit andern, speziell französischen, weite Verbreitung fand) äußerst widerstandsfähig ist."

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