Biehlersche Standardforts

Das Jahrzehnt vor der Reichsgründung war von vielen Kriegen geprägt. Russland offenbarte seinen Expansionsdrang in Osteuropa (Krim-Krieg), so dass sich Preußen und Österreich davon bedroht fühlten. Unabhängig davon setzte sich Preußen im Deutsch-deutschen Krieg gegen Österreich durch und Frankreich zettelte wenige Jahre später den Deutsch-französischen Krieg von 1870/71, der zur Einigung der deutschen Staaten unter preußischer Führung und schließlich in die Reichsgründung mündete. Wilhelm I. wurde erster Deutscher Kaiser.


Wilhelm I.
König von Preußen und
Kaiser von Deutschland
1797 - 1888

x

Was ist ein Biehler'sches Standardfort?

Wilhelm I., König von Preußen und erster deutscher Kaiser, prägte eine eigene Periode des deutschen Festungsbaus im späteren 19. Jahrhundert. Er ließ ein umfangreiches Festungsbauprogramm auflegen, um die West- und Ostgrenze Deutschlands zu schützen. Innerhalb weniger Jahren galt es, etliche neue Festungen beispielsweise rund um Straßburg (Elsass), Köln (Rheinland), Königsberg (heute Russland) oder Thorn (heute Polen) zu errichten. Schnell war klar, dass nicht jede Festung einen eigenen Grundriss haben sollte, um sie individuell auf die geografischen Gegebenheiten vor Ort anzupassen, wie es beispielsweise die Franzosen beim zeitgleichen Bau der Barrière de Fer taten. Vielmehr kombinierte man Dinge, die sich bewährten und formte daraus den Bauplan eines sogenannten Einheitsforts.

An dieser Entwicklung war maßgeblich Hans Alexis von Biehler beteiligt. Er hatte Kriegserfahrungen, da er u.a. als Kommandeur der Pioniere am Deutsch-französischen Krieg 1870/71 wichtige Fronterfahrungen sammelte. Er sammelte in dieser Zeit auch wichtige Erkenntnisse bei der Belagerung der französischen Festungsstädte Metz und Verdun. Im jungen Kaiserreich beförderte man ihn dann 1873 zum Chef des Ingenieurkorps und Pioniere und gut zehn Jahre sogar zum Generalsinspektor aller preußischen Festungen. Unter seiner Führung entstand das eingangs erwähnte Einheitsfort, warum man es auch ihm zu Ehren heute als Biehler'sches Standardfort bezeichnet.

Mit dem Aufkommen moderner Brisanzgranaten im Verlauf der 1880er-Jahre endete die Ära der Einheitsfestungen.

Quelle: Wilhelm Reinhardt 1917 - 2006

Quelle: Wilhelm Reinhardt 1917 - 2006
Ein herzliches Dankeschön an Rudolf Reinhardt; er stellte mir dieses Bild des Forts Heinrich von Plauen bei Thorn aus dem Nachlass seines Vaters zur Verfügung. Eine große Bereicherung für meine Homepage.

Sie galten als veraltet, weil sie - gemauert aus Backstein und mit offenen Kampfstellungen ausgestattet, einem Beschuss mit den neuartigen Sprenggranaten nicht widerstehen konnten. Man modernisierte zwar in der Folge einige Festungen und versah wenige von ihnen mit Panzerung, aber es gab keine Neubauten mehr. Das Kaiserreich - nun unter der Führung von Kaiser Wilhelm II. konzentrierte sich auf die Entwicklung neuer Panzerfestungen, denen man zur Abgrenzung den Namen "Feste" gab.

x

Es gab einmal über siebzig Biehler'sche Standardsforts

Das Biehler-Fort galt über ein Jahrzehnt hinweg als Standard des deutschen Festungsbaus. Alles in allem wurden in dieser Zeit über siebzig solcher Festungen errichtet. In Deutschland wurden viele von ihnen nach dem Ersten Weltkrieg geschleift. Diesen Prozess überstanden allerdings die Biehler-Festungen rund um Köln, die heute zum Teil museal ausgebaut sind.

In den 1880er-Jahren wurden etliche Städte zu Gürtelfestungen ausgebaut, wobei der Festungsgürtel ausschließlich aus Biehler-Forts bestand. Darüber hinaus wurden bereits vorhandene Gürtelfestungen durch Biehler-Forts ergänzt: Metz, Küstrin, Spandau, Ulm, Mainz und Magdeburg.

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.