Gürtelfestungen zum Schutz wichtiger Städte

Marc-René Montalembert - seine Konzepte veränderten den Festungsbau in Europa

Marc-René Montalemberg (1714-1800) | Quelle: wikipedia, gemeinfrei

Marc-René Montalemberg
1714-1800

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erlebte der Festungsbau erhebliche Umbrüche. Angestoßen wurden sie u.a. durch die Überlegungen des Franzosen Marc-René Montalembert. Er wurde 1714 als Spross einer französischen Adelsfamilie geboren, trat früh in die Armee ein und nahm an verschiedenen Feldzügen statt. Zeitlebens befasste er sich mit dem Festungsbau, der seinerzeit von der vauban'schen Schule geprägt war.

Montalembert fokussierte sich aber auf die Schwächen bastionärer Befestigungen und versuchte Lösungen dafür zu finden. Ein Beispiel: Bisherige Festungen waren durch einen ständigen Wechsel zwischen Bastionen und Kurtinen (also dem Wall zwischen den Bastionen) gekennzeichnet. Letztere sind aber bei einem Angriff besonders gefährdet, da sie vom Angreifer wegen ihrer großen Fläche frontal angegriffen werden können. Vorgelagerte Werke sollten das Probleme mindern – konnten es aber nicht beseitigen. Das wiederum führte zu einer immer größeren räumlichen Ausdehnung und immer komplexeren Strukturen der eigentlichen Festungsanlage. Es gilt jedoch: Je komplexer die Festung aufgebaut ist, desto schwerer kann man sie verteidigen. Vorgelagerte Werke schützen das Hauptwerk – solange sie in eigener Hand sind. Im Fall eines Verlustes konnte der Angreifer die dort stationierten Geschützte gegen die eigene Festung richten.

Kurzum: Montalembert suchte bei seinen Studien Lösungen für dieses Problem und beschrieb dabei erstmals die Idee, einen Ort nicht allein durch eine einzige (bastionäre) Festung zu schützen, sondern durch viele, einzeln stehende, dem zu schützenden Ort vorgelagerte Forts zu befestigen. Diese Forts sollten einen polygonalen Grundriss haben und sie sollten derart mit Artillerie ausgestattet sein, dass sie Angreifern das Aufbauen eigener Batterien auf der Glacis der Festung verwehren können. Er plädierte ferner für Kasematten mit geschützten Kampfräumen. Mit diesem Vorschlag war er seiner Zeit weit voraus.

Deutsche Gürtelfestungen im Verlauf der Jahrhunderte

Quelle: Artillerieunterricht für die k. u. k. Festungsartillerie, VI. Teil Einrichtung der beständigen Befestigungen. Kuk-Hof- und Staatsdruckerei, 1914

Als Gürtelfestung bezeichnet man ein komplexes Verteidigungssystem - bestehend aus mehreren einzelnen Festungsanlagen, die ringförmig um eine zu schützende Stadt errichtet wurden. Zentrale Aufgaben der vorgelagerten, eigenständig agierenden Forts ist es, einerseits die Stadt vor Artilleriebeschuss zu bewahren und andererseits angreifende Verbände mindestens aufzuhalten, optimalerweise sogar zu stoppen.

Der Abstand zwischen der Stadt und den vorgelagerten Festungen wurde von der Reichweite der einsetzbaren Geschütze bestimmt. Über Jahrhunderte hinweg war diese recht kurz; es wurde auf Sicht geschossen und man konnte Ziele in einer Entfernung von maximal 1.500 Meter bekämpfen. Insofern lagen auch die detachierten Forts auf Sicht zur Stadtmauer. Später änderte sich das. Die Reichweite modernerer Geschützte nahm erheblich zu, so dass die vorgelagerten Festungen auch in größerer Distanz zur Stadt zu errichten waren. Diese Entwicklung erklärt auch, warum es Städte gibt, die über mehrere Festungsgürtel verfügen (Köln, Antwerpen).

Die Art und Weise neue Festungen zu errichten hat sich im Verlauf der Jahrhunderte und speziell im Verlauf des 19. Jahrhunderts grundlegend verändert. Preußische Festungsbauingenieure gingen hier früh einen Sonderweg und führten eine komplett neue Festungsbauschule (auch Festungsbaumanier) ein. Das Prinzip einer Gürtelfestung blieb in dieser Zeit allerdings unverändert.

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