Gürtelfestungen - komplexe Festungssysteme lösen bastionäre Festungen ab

Als Gürtelfestung bezeichnet man ein komplexes Festungssystem – bestehend aus mehreren sich gegenseitig schützenden und dennoch allein stehenden Forts, die um den eigentlich zu schützenden Port herum einen Festungsring bilden. Kern der Festung ist meist eine Stadt. Dieser soll so lange wie möglich vor einer Einnahme durch feindliche Truppen geschützt werden. Zusätzlich zu den einzelnen (detachierten) Forts können zwischen den einzelnen Werken der Gürtelfestung weitere Feldarmeen und Geschützbatterien positioniert werden.

Die Ursprünge der Gürtelfestungen gehen unter anderem auf den französischen Festungsbaumeister Marc-René Montalembert (1714-1800) zurück. Zu seiner Zeit waren bastionäre Befestigungen noch das Nonplusultra. Montalembert sah die deutlichen Schwächen solcher Festungen und propagierte zwei Neuerungen, die optimalerweise Hand in Hand realisiert werden sollten. Seine Ideen wurden in Frankreich allerdings nicht gehört – wohl aber von preußischen Festungsbaumeistern, die sie zuerst in die altpreußische Befestigungsmanier einfließen ließen und mit der später folgenden neudeutschen Befestigungsmanier in großen Teilen umsetzen.

Montalembert’s Ideen waren seinerzeit:

(1) Abkehr vom traditionellen Bastionärsystem hin zu polygonalen Festungen:

Bastionäre Festungen hatten seiner Ansicht nach erhebliche Nachteile, weil der Feind bei einem Angriff relativ nah an die Festung herangelangen konnte - um ihn effektiv bekämpfen zu können - musste er das sogar. Die vorgezogenen Bastionen, die Horn- und Kronwerke, die Gräben dazwischen waren sehr komplex und mussten entsprechend verteidigt werden. Drang der Fein hier jedoch ein, konnte er direkt vor der Festung einen Brückenkopf bilden und die Werke zum eigenen Schutz nutzen. Ganz abgesehen davon benötigt man relativ viele Soldaten, um ein solch komplexes System verteidigen zu können.

Montalembert empfahl einen neuen Grundriss, welcher dem im Verlauf des 19. Jahrhunderts sich durchsetzenden Polygonal-Befestigungen recht nahe kommt.

(2) Mehrere detachierte Forts statt einer wuchtigen Einzelfestung:

Die zweite Idee von Montalembert war eine Abkehr von wuchtigen „Einzelfestungen“. Dafür sollten strategisch wichtige Orte vielmehr durch mehrere, einzeln stehende (isolierte, detachierte) Forts geschützt werden – optimalerweise errichtet als Polygonal-Befestigung. Diese Fort sollten mit einem gewissen Abstand zueinander errichtet werden, damit sie sich gegenseitig schützen können. Jedes Fort wiederum kann autonom agieren. Im Fall eines Angriffs müss(t)en die gegnerischen Truppen, um zum Kern der Festung vorzudringen, jedes Fort einzeln niederkämpfen.

Kurzum: Die Verteidigung strategisch wichtiger Orte soll also in Wellen gestaffelt werden.

Festung


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