Blick in die Geschichte:
Neupreußische oder neudeutsche Befestigungsmanier

Preußische Festungen
im Verlauf des 19. Jahrhunderts



Zwischen dem Wiener Kongress 1815
bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1871

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Der Wiener Kongress brachte Europa eine
neue Friedensordnung und Preußen
etliche Regionen, die fortan zu Preußen
gehörten. Darunter auch das Rheinland.

Die Napoleonischen Kriege waren beendet,
dennoch misstraute man weiter Frankreich.
Also errichtete Preußen zum Schutz strategisch
wichtiger Städte (Beispiel Köln) etliche
neue Festungsanlagen.

Ähnlich schützte man die Grenze zu Russland.

Der Wiener Kongress brachte Europa eine
neue Friedensordnung und Preußen
etliche Regionen, die fortan zu Preußen
gehörten. Darunter auch das Rheinland.

Königreich Preußen ab 1866 und seine Provinzen



Die Napoleonischen Kriege waren beendet,
dennoch misstraute man weiter Frankreich.
Also errichtete Preußen zum Schutz strategisch
wichtiger Städte (Beispiel Köln) etliche
neue Festungsanlagen.

Ähnlich schützte man die Grenze zu Russland.

Kaiser Wilhelm I.

Wilhelm I. (1797-1888), König von Preußen und erster Deutscher Kaiser.
Quelle: Franz Robert Richard Brendámour creator QS:P170,Q2149127, Kaiser Wilhelm I., als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons








Wer oder was sind eigentlich die Preußen?.

Denken die Menschen heute an Preußen, kommt vielen von ihnen der "Alte Fritz" in den Sinn: Friedrich II. (auch Friedrich der Große genannt, 1712-1786) war König von Preußen, Markgraf von Brandenburg und damit auch Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs. Während seiner Regentschaft führte das seinerzeit noch recht unbedeutende Preußen etliche Kriege und avancierte zu einer der fünf Großmächte in Europe - Frankreich, Großbritannien, Österreich, Russland und eben auch Preußen. Der Militarismus, der den Preußen bis heute zugeschrieben wird, hatte auch seine Wurzeln in dieser Zeit.

Ende des 18. Jahrhunderts - wenige Jahre nach dem Tod des "Alten Fritz" begannen die Napoleonischen Kriege. Frankreich unter Napoleon Bonapartes führte von 1792 bis 1815 Krieg gegen seine europäischen Machtrivalen. Schlussendlich unterlag er, was den Weg zu einer neuen Friedensordnung in Europa frei machte. Die Königshäuser Europas trafen sich zum Wiener Kongress (1814/15), um eben diese zu erarbeiten. Preußen war einer der Gewinner. Preußen wurde Nordsachsen, Westfalen und das komplette Rheinland zugesprochen, Österreich weitete seinen Machtbereich in Richtung des Balkans aus und Russland erhielt einen Großteil des Herzogtums Polen.

Mit dem Wiener Kongress war die Rivalität der europäischen Nationen untereinander natürlich nicht beendet. Insbesondere das Misstrauen gegenüber Frankreich blieb ungebrochen. Beides ist wichtig, wenn man die Politik der folgenden Jahre, die maßgeblichen Einfluss auch auf den Festungsbau hatte und die Konflikte Anfang des 20. Jahrhunderts verstehen möchte. All dies entlud sich in der Wucht und dem Scheusal des Ersten Weltkriegs, den die o.g. Nationen gegeneinander führten. Das erklärt auch die Strategie Preußens im Verlauf des 19. Jahrhunderts, sich bei der Organisation der Landesverteidigung (damals war das quasi gleichbedeutend mit dem Festungsbau) auf die Grenzregion zu Frankreich und zu Russland zu fokussieren. Spätestens mit der Gründung des deutschen Kaiserreichs und unter Kaiser Wilhelm I. und ab 1888 unter Kaiser Wilhelm II. wurden die Konflikte mit diesen beiden Nachbarn immer offenkundiger.



Wer oder was sind eigentlich die Preußen?.

Denken die Menschen heute an Preußen, kommt vielen von ihnen der "Alte Fritz" in den Sinn: Friedrich II. (auch Friedrich der Große genannt, 1712-1786) war König von Preußen, Markgraf von Brandenburg und damit auch Kurfürst des Heiligen Römischen Reichs. Während seiner Regentschaft führte das seinerzeit noch recht unbedeutende Preußen etliche Kriege und avancierte zu einer der fünf Großmächte in Europe - Frankreich, Großbritannien, Österreich, Russland und eben auch Preußen. Der Militarismus, der den Preußen bis heute zugeschrieben wird, hatte auch seine Wurzeln in dieser Zeit.

Ende des 18. Jahrhunderts - wenige Jahre nach dem Tod des "Alten Fritz" begannen die Napoleonischen Kriege. Frankreich unter Napoleon Bonapartes führte von 1792 bis 1815 Krieg gegen seine europäischen Machtrivalen. Schlussendlich unterlag er, was den Weg zu einer neuen Friedensordnung in Europa frei machte. Die Königshäuser Europas trafen sich zum Wiener Kongress (1814/15), um eben diese zu erarbeiten. Preußen war einer der Gewinner. Preußen wurde Nordsachsen, Westfalen und das komplette Rheinland zugesprochen, Österreich weitete seinen Machtbereich in Richtung des Balkans aus und Russland erhielt einen Großteil des Herzogtums Polen.

Mit dem Wiener Kongress war die Rivalität der europäischen Nationen untereinander natürlich nicht beendet. Insbesondere das Misstrauen gegenüber Frankreich blieb ungebrochen. Beides ist wichtig, wenn man die Politik der folgenden Jahre, die maßgeblichen Einfluss auch auf den Festungsbau hatte und die Konflikte Anfang des 20. Jahrhunderts verstehen möchte. All dies entlud sich in der Wucht und dem Scheusal des Ersten Weltkriegs, den die o.g. Nationen gegeneinander führten. Das erklärt auch die Strategie Preußens im Verlauf des 19. Jahrhunderts, sich bei der Organisation der Landesverteidigung (damals war das quasi gleichbedeutend mit dem Festungsbau) auf die Grenzregion zu Frankreich und zu Russland zu fokussieren. Spätestens mit der Gründung des deutschen Kaiserreichs und unter Kaiser Wilhelm I. und ab 1888 unter Kaiser Wilhelm II. wurden die Konflikte mit diesen beiden Nachbarn immer offenkundiger.


Preußischer Festungsbau im 19. Jahrhundert bis zur Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871

Noch Anfang des 19. Jahrhunderts galt der bastionäre Festungsbau, der stark vom französischen Festungsbaumeister Sébastien Vauban geprägt wurde, als des Nonplusultra des Festungsbaus. Allerdings: Gegen Ende der Napoleonischen Kriege zeigten sich bereits die Schwächen dieser Festungen - unter anderem die hohe Anzahl an Soldaten zur effektiven Verteidigung und die leichte Verwundbarkeit der Bastionen.

Abgeleitet von den Ergebnissen des Wiener Kongresses musste Preußen nach 1815 seine Landesverteidigung bzw. den Schutz der hinzugewonnenen Regionen neu organisieren. Wie bereits gesagt: Die deutsch-französische und deutsch-russische Grenze waren dabei besonders im Fokus. Festungen, die Preußen seinerzeit errichten ließ, folgten gänzlich neuen Überlegungen, was den Festungsbau bis ins 19. Jahrhundert hinein prägte. Die Ideen selbst waren gar nicht so neu, sie wurden bereits vom französischen Ingenieur Montalembert (1714-1800) etliche Jahre zuvor zu Papier gebracht.

Ab 1815 setzten die Preußen auf die sog. polygonale Befestigungsmanier, deren wichtigste Elemente nur noch stumpfwinklig gebrochene Fronten und Batterietürme waren, um artilleristische Überlegenheit gegenüber einem Angreifer zu wahren. Diese neuen Konzepte bewährten sich bis zum Aufkommen neuer Geschütze mit gezogenem Lauf gegen Mitte des 19. Jahrhunderts. Prototyp für die Anwendung des Polygonalsystems im 19. Jahrhundert war die Festung Ehrenbreitstein bei Koblenz, die von 1815 bis 1834 neu erbaut wurde. In diesem Zusammenhang spricht man im Festungsbau von der neupreußischen oder neudeutschen Befestigungsmanier.

Die zweite wesentliche Neuerung entsprang der Erkenntnis, dass sich "auf einen Punkt konzentrierte Festungsanlagen" schlecht gegen feindliche Feldheere halten konnten. Deswegen errichtete man fortan um den eigentlich zu schützenden Ort einen Gürtel kleinerer, einzeln stehender, sich aber gegenseitig mit ihrer Artillerie deckender Forts. Im Festungsbau sprich man von detachierten Forts.

Alles zusammen wurde dann als Gürtelfestung bezeichnet. Wollte ein Angreifer einer derart gesicherte Stadt einnehmen, musste er zuerst die kleinen, jedoch stark bewaffneten Forts überwinden, bevor er sich seinem eigentlichen Ziel zuwenden konnte.

Ausgehend von diesen neuen Erkenntnissen begann man in Preußen, bisherige Festungen zu klassifizieren. Einige von ihnen wurden "entfestigt" (Brieg, Kosel), oder sie wurden zu Festungen 2. oder gar 3. Klasse degradiert (Jülich, Silberberg). Nur die Festungen erster Klasse - meist neu errichtete Festungen - galten als Eckpfeiler bei der Landesverteidigung.

Das Ergebnis: Preußische Festungen im 19. Jahrhundert waren eigentlich Gürtelfestungen - bestehend aus vielen kleinen Forts, die in einem weitläufigen Kreis um die zu schützende Stadt herum errichtet wurden (Köln, Königsberg). Es waren ferner Polygonal-Befestigungen, wobei die Preußen nicht die Preußen gewesen wären, wenn sie den Bau dieser Festungen nicht möglichst effektiv gestaltet hätten.

Sie entwickelten das sogenannte Biehlersche Einheitsfort. Das ist eine Blaupause zur Errichtung neuer Festungen, was Zeit und Geld sparte. Viele dieser Standardforts findet man rund um Köln, Königsberg und eines auch bei Metz, obwohl letzteres erst in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts errichtet wurde (Fort Manstein).


Weitere Informationen:

- Festungsbau: Polygonal-Befestigungen
- Festungsbau: Gürtelfestungen
- Festungsbau: Brisanzgranatenkrise
- Festungsbau: Biehlersche-Standardfort

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