Festungsbau -
Blick in die Geschichte:

Angriff und Verteidigung
einer deutschen Panzerfestung
am Beispiel der Festungen und um Metz

Zwischen 1871 und 1918 gehörte Elsass-Lothringen zum Deutschen Kaiserreich.
Man unternahm in dieser Zeit enorme Anstrengungen, um die Region militärisch zu sichern.

Es entstanden etliche Festungen, die mit modernen Panzertürmen
ausgestattet wurden. Einige dieser Modelle zeige ich hier.

Deutsche Festungen in Elsass-Lothringen:
Metz | Thionville | Straßburg

Moderne Panzerfestungen werden zur geballten Panzerfront

Am Beispiel der Festung Metz mit seinem ersten, aus "traditionellen Festungen" bestehenden Festungsring, die allesamt vor 1890 errichtet wurden, und seinem zweiten Festungsring, der ausschließlich aus modernen Panzerfestungen besteht, die nach 1890 bzw. mehrheitlich zu Beginn des 20. Jahrhunderts errichtet wurden, sieht man es gut:

Die Reichweite moderner Geschütze bedingt, dass eine wirkungsvolle Festungsfront vom zu schützenden Ort nicht unter fünf als auch nicht über zehn Kilometer entfernt sein sollte. Dabei bilden die einzelnen Artilleriewerke (der einzelnen einzelnen Panzerfestungen) den Eckpfeiler der Verteidigung. Sie bilden im Fall eines Angriffs zusammen eine durchgehende Panzerfront - dazu im nächsten Abschnitt mehr. Interessanterweise spricht man hier in der historischen Literatur von der "treffenden Gliederung". Im Fall der Festung Metz bildeten die treffende Gliederung also die Artilleriewerke der Panzerfestungen des zweiten Festungsrings um die Stadt - fokussiert man sich auf den Westen von Metz also die Werke der Festungen Lothringen, Leipzig, Kaiserin, Kronprinz und Haeseler.

Sie wiederum wurden unterstützt durch rückwärtige Linien - dem sogenannten Reservesystem. Dies sichert die Erhaltung der Verteidigungsfront. Als Reservestellungen dienten die alten Forts des ersten Festungsgürtels von Metz. Bezogen auf den Westen der Stadt wären das das Fort Alvensleben, die moderne und ebenfalls mit Panzertürmen ausgestattete Batterie Plappeville vor allem die Feste Friedrich-Karl, die auch über zwei Panzertürme (ältere Modelle) verfügte, sowie die Festung Prinz von Württemberg und das Fort Kameke. Die älteren Festungen (hier insbesondere Fort Alvensleben) bezog man nicht in die aktive Verteidigung (also den aktiven Feuerkampf) mit ein, weil sie baulich nicht den Anforderungen der Zeit entsprach. Sie galt als veraltet und hätte einem Beschuss mit modernen Sprenggranaten nicht lange widerstehen können.

Wer jetzt nach der Rolle der Infanterie fragt, spricht einen wichtigen Punkt des Konzepts an. Die Verteidigung einer modernen Panzerfestung bzw. einer geballten Panzerfront (bestehend auch der Feuerkraft mehrerer Festungen) oblag der Artillerie. Die Infanterie hatte dabei eine eher untergeordnete, wenn auch sehr wichtige Aufgabe - dazu später mehr.


Festungen rund um Metz - Karte

Der erste und zweite Festungsgürtel rund um die Stadt Metz



Historische Literatur zum Thema:

- Julius Meyer: Angriff und Vertheidigung moderner Panzerbefestigungen, 1892
- Julius Meyer: Metz durch Panzerfronten verteidigen, 1894

"Getrennt leben, vereint schlagen ..."

Wesentliches Merkmal einer modernen Panzerfestung des deutschen Kaiserreichs zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die sogenannte "aufgelöste Bauweise". Sie war also keine kompakte Festung wie beispielsweise das Biehlersche Einheitsfort, welches gut dreißig Jahre zuvor der preußische Festungsstandard war. Die einzelnen Infanterie- und Artilleriewerke einer Panzerfestung verteilten sich vielmehr unter Ausnutzung natürlicher Gegebenheiten im Gelände und waren obendrein tief in die Erde eingegraben, so dass sie sich dem Blick des Gegners entzogen. In gewisser Weise griff man die napoleonische Idee einer Feldschlacht auf - "getrennt leben, vereint schlagen". Gemeint sind damit zweierlei Dinge:

  • Einerseits wurden die Artilleriewerke einer Feste (so nannte man die modernen Panzerfestungen auch) im Gelände verteilt - gleichwohl agierten sie zusammen. Ein typisches Artilleriewerk verfügte über drei bis vier Panzertürme. Sie waren entweder bestückt mit einer 10-cm-Turmkanone oder der wuchtigen 15-cm-Turmhaubitze.

  • Andererseits wählte man die Lage mehrerer Panzerfestung so, dass sich deren Artillerie gegenseitig decken konnte bzw. sie zusammen bestimmte Ziele bekämpfen konnten. Immerhin hatten die Geschütze eine Reichweite von etlichen Kilometern.

Kurzum: Jede Feste einzeln und mehrere zusammen konnten mehrere oder geballt einzelne Punkte gezielt bekämpfen, weil sie ihre Feuerkraft bündelten. In der damaligen Literatur spricht man bei letzterem gern von "Massenfeuer". Ein Rechenbeispiel: Wenn zehn Haubitzen (ggf. mehrerer Panzerfestungen) ihr Feuer bündeln, hat man für die Dauer von einer Minute gut einhundert Schuss. Im Gegensatz dazu mussten feindliche Truppen gleichzeitig viele Positionen bekämpfen, um diese Geschütze auszuschalten.

Quelle: Julius Meyer - Angriff und Vertheidigung einer modernen Panzer-Befestigung, Aaraus, 1982.

Julius Meyer - Angriff und Vertheidigung einer modernen Panzer-Befestigung, Aaraus, 1982.
Beispiel des konzentrierten Feuers von 24 Panzerhaubitzen gegen die Stellung 240.


x



x


Bedeutung der Festungsartillerie deutscher Panzerfestungen

Deutsche Panzerfestungen waren auf den Fernkampf ausgerichtet. Zielsetzung war es, gegnerische Truppen bereits auf große Distanzen effektiv bekämpfen zu können, um keinen Nahkampf direkt um die Festung ausgesetzt zu sein.

Anders als französische Festungen der Zeit, die über gepanzerte Nah- und Fernkampfwaffen verfügten, besaßen deutsche Panzerforts „nur“ gepanzerter Artilleriegeschütze – also Panzertürme, die im Standard mit der 10-cm-Kanone oder der wuchtigen 15-cm-Haubitze ausgestattet waren. Gepanzerte Maschinengewehrtürme wie beispielsweise den französischen Tourelle de Mitrailleuses GF 3 gibt es hier nicht – sie waren wiederum typisch für französische Festungen und wurden in großer Stückzahl verbaut.

Natürlich verfügte eine deutsche Panzerfeste nicht nur über Artillerieeinheiten, sondern auch über eine Infanterie. Sie hat allerdings eine eher „untergeordnete“ Rolle gegenüber der Artillerie. Ihre Aufgabe ist es, die Festung selbst zu verteidigen, wenn der Feind drohte einzubrechen – wovon man ja im Regelfall nicht ausging, dies aber nicht ignorieren durfte.

Dies wäre bereits eine „Notsituation“ und es galt sie mit allen Mitteln zu verhindern. Schaut man sich die Verteilung der Dienstgrade innerhalb einer Panzerfeste an, sagt das bereits alles: In einer Panzerstellung kommandiert der Artillerie-Offizier, in der Infanterie der Kompanie-Chef. Das ist deutlich.

In der Regel wurde eine Panzerfestung zur Nahverteidigung von einem tiefen Graben umgeben plus vorgelagerte Stracheldrahthindernisse (sog. Drahthecken – nicht selten 20 Meter breit), die es im Übrigen auch überall innerhalb einer Festung gab. In regelmäßigen Abständen legte man Bereitschaftsräume für die Infanterie an, die unterirdisch von der nahe gelegenen Infanteriekasematte erreicht werden konnten. Außerdem gab es betonierte Schützengräben mit angemessener Brustwehr und kleinen Munitionsdepots vor Ort. Gesichert wurde das alles durch leicht vorgelagerte, gepanzerte Infanteriebeobachter – sie waren ebenfalls unterirdisch erreichbar. Und es gab sogenannte Schnecken. Man plante, nirgendswo mehr als 20 Mann auf engem Raum zu sammeln, was sie vor feindlichen Artillerieangriffen schützte.

www.festungen.info ist eine private Homepage und verfolgt keine kommerziellen Zwecke. Dennoch verwendet die Website Cookies, um Ihnen das beste Surf-Erlebnis zu ermöglichen und eine Reichweitenmessung durchzuführen. Weitere Informationen erhalten Sie in der Datenschutzerklärung.