Die ligurische Küste und ihre militärische Bedeutung in früheren Jahrhunderten

Historische Karte vom Piemont und Ligurien bzw. des Golf von Genua.

Ligurien ist eine kleine Küstenregion im Nordwesten Italiens. Seine Mittelmeerküste ist vielen als Urlaubsparadies bekannt - sie wird häufig als italienische Riviera bezeichnet und erstreckt sich von der französisch-italienischen Grenze bis in die Ausläufer der Toskana entlang des Golfs von Genua. Nördlich von Ligurien befindet sich das Piemont, mit dem sich diese Region eine vergleichbare Geschichte teilt: Das Piemont und Ligurien waren über Jahrhunderte hinweg ein von Frankreich beanspruchter Landstrich. Bereits der Ludwig XIV. erhob Ansprüche auf sie. Das war bereits im 17. Jahrhundert. Den Franzosen gegenüber stand das Haus Savoyen - ein italienisches Fürstenhaus mit großem Einfluss, welches im 19. Jahrhundert auch den ersten König des geeinten Königreichs Italien stellte. Zwischen 1797 - 1815 gehörte das Gebiet sogar zu Frankreich unter Napoleon Bonaparte und wurde während des Wiener Kongresses 1815 dem Königreich Sardinien-Piemont zugerechnet (also dem Haus Savoyen).

Die ligurische Küste mit seinen wichtigen Mittelmeerhäfen Genua und La Spezia standen bei den Streitigkeiten zwischen Frankreich und den Savoyen besonders im Fokus. Da die direkte und sich weiter nördlich befindliche Grenze beider Länder von den Alpen geprägt wird, boten die Mittelmeerhäfen doch einen guten und unbeschwerlichen Zugang zum Festland. Insofern verwundert nicht, dass diese Häfen früh durch militärisch ausgebaut wurden, um sie zu sichern.

Bedeutung der ligurischen Küste im Verlauf des 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg

Mitte des 19. Jahrhunderts bildete sich nach mehreren Unabhängigkeitskriegen das Königreich Italien heraus. Erster König war Viktor Emanuel II. - einem Spross des Hauses der Savoyen, der zuvor König von Sardinien-Piemont war. Das noch junge Königreich erbte dabei auch die vielen Festungen, die in den Jahrzehnten zuvor (viele von ihnen jedoch erst in den 1850er-Jahren) entlang der ligurischen Küste und hier insbesondere rund um die strategisch wichtigen Hafenstädte Genua und La Spezia errichtet wurden.

Festungen, die 1861 das junge Königreich Italien erbte -
am Beispiel der Hafenstadt La Spezia:

- Forte Cavour (kmz)
- Forte Castellana (kmz)
- Forte Parodi (kmz)
- Batteria Punta Castagna (kmz)

Festungen, die ab den 1870er-Jahren vom Italien zum Schutz der ligurischen Küste errichtet wurden - ebenfalls am Beispiel der Hafenstadt La Spezia:

- Forte del Muzzerone (kmz)
- Forte Umberto (kmz)
- Forte Bramapane (kmz)
- Forte di Canarbino (kmz)
- Batterie Sante Teresa Alta (kmz)

Anfangs galten Italien und sein westlicher Nachbar Frankreich, mit dem es über Jahrhunderte hinweg etliche Konflikte gab, eher "freundschaftlich" gegenüber. Das änderte sich mit dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71, der für die Franzosen verloren ging. Gleichwohl erwartete der französische König von Viktor Emanuel, dass er ihn hätte unterstützen müssen, was in der Folge zu Spannungen zwischen beiden Ländern führte. Gleichzeitig gab es auch Konflikte mit Österreich-Ungarn. Einerseits, weil Italien dem nördlichen Nachbarn während der Unabhängigkeitskriege die Lombardei abtrotzte, andererseits weil die Donaumonarchie Anspruch auf Südtirol erhob - einer aus Sicht Italiens eigentlich italienischen Region.

Als Folge dieser Konflikte Italiens mit Frankreich im Westen und Österreich-Ungarn im Norden verwundert also wenig, dass alle Beteiligten ab der 1870-er Jahre begannen, entweder ihre Landansprüche durch den Bau neuer Festungen zu sichern oder sich bedroht fühlten und das eigene Territorium durch ebenfalls durch den Bau neuer Festungen absichern wollte. Diese Bautätigkeiten endeten eigentlich erst mit dem Kriegseintritt Italiens auf Seite der Entente am 23. Mai 1915. Siehe auch: Italienische Festungen in Venetien oder Kuk-Festungen in Südtirol.

Kurzum: Italien begann in den 1870er-Jahren ein umfangreiches Bauprogramm um die ligurische Küste und hier insbesondere die Häfen Genua und La Spezia militärisch zu schützen. Es entstanden etliche neue Festungen, die man mit schweren Schiffsabwehrkanonen mit Kalibern zwischen 240 mm und 320 mm bewaffnete.

Bekanntlich trat das Königreich Italien am 23. Mai 1915 auf der Seite der Entente in den Ersten Weltkrieg ein. Das verschob direkt die Perspektiven: Im Fokus stand nun der Konflikt mit Österreich-Ungarn entlang der damaligen Staatsgrenze im Norden. In Südtirol und Venetien entbrannten schwere Kämpfe. Demnach sank auch die Bedeutung der vielen Festungen zum Schutz der ligurischen Küste, was dazu führte, dass die Geschütze einiger dieser Festungen dringender an anderen Frontabschnitten benötigt wurden. Siehe auch: Erster Weltkrieg 1914-1918 oder speziell Alpenkrieg 1915-1918.

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