Festungen
der Maginot Linie


Festungen der französischen Verteidigungslinie,
die ab 1918 von André Maginot errichtet wurde.


Man vergisst vielleicht,
wo man die Friedenspfeife vergraben hat.
Aber man vergisst niemals,
wo das Beil liegt.

Mark Twain
1835-1910




Die Maginot Linie in Frankreich - ein letztlich nutzloser Verteidigungswall

Seit Mitte des 19. Jahrhundert war das französische Militär auf die Idee fixiert, die Landesgrenze zum "Erzfeind Deutschland" mit einer Festungslinie zu schützen. Gänzlich überzeugt von der Richtigkeit ihrer Strategie erbauten sie gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Barrière de Fer. Das war ein umfangreiches Festungssystem, welches von Belfort im Süden, über Épinal, Toul und Verdun im Norden reiche. Der Verlauf des Ersten Weltkriegs zeigte jedoch, dass sie meist nutzlos waren, denn die Deutschen suchten den Weg über Belgien, um Frankreich anzugreifen. Und just hier hatten die Franzosen keine Festungen errichtet, weil sie Belgien an Verbündeten ansahen.

Vor dem Hintergrund ist es für mich kaum nachvollziehbar, dass sie gut fünfzig Jahre später abermals Pläne für den Ausbau einer neuen und noch umfangreicheren Festungslinie entlang der deutsch-französischen Grenze schmieden und später André Maginot damit beauftragen, sie zu errichten. Und abermals fokussieren sich sich auf einen mächtigen Ausbau entlang der direkten Grenze und befestigen die Grenzregion zu Belgien kaum. Jeder Leser weiß natürlich von welchem Verteidigungswall ich spreche: Die Maginot-Linie, die in den 1920er und 1930er Jahren in Frankreich errichtet wurde.

Diese Verteidigungslinie, die seinerzeit von der französischen Propaganda als Jahrhundertbauwerk bejubelt wurde und viele Franzosen an die Chinesische Mauer erinnerte, galt als unüberwindbar. Sie reiche offiziell von der Atlantikküste bis zum Mittelmehr. Tatsächlich wurden die Regionen Elsass und Lothringen in den Fokus genommen. Hier ist die Maginot-Linie besonders stark befestigt und tief gestaffelt. Die übrigen Abschnitte sind schwach befestigt. Erbauer dieses einzigartigen Bollwerks war André Maginot. Er war Kriegsminister in Frankreich. Leider erlebte er die Fertigstellung seines Monuments nicht mehr - er verstarb Jahre zuvor wegen schwerer Krankheit.


Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs galt die Maginot-Linie als unüberwindbar. Die Franzosen gingen davon aus, dass sie ihnen ausreichend Schutz bietet. Denn die Armee war nach dem Aderlass des Ersten Weltkriegs schwach, weil letztlich eine komplette Generation potenzieller Soldaten fehlte. Womit die Franzosen nicht rechneten. Man kann heute nur darüber streiten, ob das Blauäugigkeit war oder verantwortungsloser Leichtsinn: Fest steht, dass sich die Geschichte wiederholte. Zu Beginn des Westfeldzuges marschierten die deutschen Truppen abermals über das neutrale Belgien in Frankreich ein. Diesmal allerdings über die Ardennen. Die Maginot-Linie konnte sie nicht stoppen, weil sie - wie bereits erwähnt - hier besonders schwach ausgeprägt war. Die mächtigen Infanterie- und Artilleriewerke insbesondere in Lothringen waren nutzlos. Sie feuerten teilweise nur wenige Schüsse ab, weil die Deutschen sie in Scheingefechte verwickelten. Nachdem dann die Wehrmacht in Windeseile den Frankreichfeldzug fortsetzte war sie schnell im Rücken der Bunker und konnten sie von hier aus attackieren. Kurz darauf folgte die Kapitulation Frankreichs. Die Werke der Maginot-Linie mussten von ihren Soldaten geräumt werden.


Warum erbaute André Maginot die Maginot-Linie?

André Maginot - Erbauer der Maginot-Linie

André Maginot
Historische Postkarte

Diese Frage liegt angesichts der eingangs geschilderten Hintergründe auf der Hand. Frankreich hätte aus der Geschichte lernen können. Ein Festungswall zu Deutschland hat im Ersten Weltkrieg weder das Blutvergießen verhindern noch den Vormarsch der kaiserlichen Truppen stoppen können. Warum also setzte sich André Maginot für diesen neuen Festungswall ein? Wusste er es nicht besser?

Weit gefehlt. Letztlich bewerten viele Historiker als "Verzweiflungstat". In gewisser Weise blieb Frankreich gar nichts anderes übrig. Es gab ein großes Ungleichgewicht zwischen der französischen und deutschen Bevölkerung (40 Mio. Einwohner zu 80 Mio. Deutschen). Das bedeutete, dass die französische Armee über ein deutlich geringeres Potenzial künftiger Soldaten verfügte. Die Idee war also, dass eine massive Verteidigungsanlage wie die Maginot-Linie das Ungleichgewicht hätte (jedenfalls teilweise) ausgleichen können. Oder anders formuliert: Die Franzosen hätten gar nicht über genügend Soldaten verfügt, um die deutsch-französische Grenze komplett und effektiv verteidigen zu können. Darüber hinaus hätte die Mobilisierung der (kleineren) französischen Armee mehrere Wochen gedauert. Im Fall eines Angriffs musste aber die Sicherheit des Landes gewährt werden. Es galt also einen potenziellen Angriff zu verzögern.

Ebenfalls wichtig: Ein bedeutender Teil des industriellen Potenzials Frankreichs lag im Nordosten (Lothringisches Becken) und musste im Fall eines erneuten Krieges besonders geschützt werden. Das gilt insbesondere für die kriegsentscheidende Montanindustrie, die seinerzeit noch in dieser Region vorherrschend war.

> Gesichte der Maginot-Linie.
> Festungen der Maginot-Linie.
> Typische Aufbau eines Ouvrages.



maginot linie


Festungen der Maginot Linie: Innenansichten

Ich kann jedem, der eine Festung der Maginot Linie besuchen möchte, mit einem Museumsbunker zu beginnen. Hier bekommt Du einen guten Eindruck über den Aufbau einer solchen Anlage. Der Besuch "schlummernder Bunker" ist mit großer Sorgfalt zu planen. Du solltest auf keinen Fall allein und nur mit entsprechender Ausrüstung auf Erkundungstour gehen. Denn ein Missgeschick circa. vierzig Meter unter der Erde (und ohne Handy-Empfang) kann sehr problematisch sein.

Maginot-Linie: Gros Ouvrage Simserhof - Artilleriewerk Simserhof

Gros Ouvrage de Simserhof

Artilleriewerk Simserhof
Festungsabschnitt Lauter
Status: Museum

Maginot-Linie - Ouvrage Michelsberg

Gros Ouvrage Michelsberg

Artilleriewerk Michelsberg
Festungsabschnitt Boulay
Status: Museum

Maginot-Linie - Gros Ouvrage Latiremont

Gros Ouvrage Latiremont

Artilleriewerk Latiremont
Festungsabschnitt Crusnes
Status: Lost Place

Maginot- Linie - Gros Ouvrage Hackenberg - Kohlefilter gegen Giftgas

Gros Ouvrage Hackenberg

Artilleriewerk Hackenberg
Festungsabschnitt Boulay
Status: Museum

Petit Ouvrage Welschhof - Festung der Maginot-Linie

Petit Ouvrage Welschhof

Infanteriewerk Welschhof
Festungsabschnitt Lauter
Status: Lost Place

Gros Ouvrage Bréhain - Festung der Maginot-Linie

Gros Ouvrage Bréhain

Artilleriewerk Bréhain
Festungsabschnitt Crusnes
Status: Lost Place

Ouvrage Schoenenbourg - Maginot-Linie

Gros Ouvrage de Schoenenbourg

Artilleriewerk Schoenenbourg
Festungsabschnitt Haguenau
Status: Museum

Gros Ouvrage Molvange - Maginot Linie

Gros Ouvrage Molvange

Artilleriewerk Molvange
Festungsabschnitt Thionville
Status: Lost Place

maginot linie


Festungen der Maginot Linie: Propaganda und Wirklichkeit

Die französische Regierung feierte Bau und insbesondere Fertigstellung der Maginot-Linie als Meilenstein hinsichtlich der Verteidigung Frankreichs gegen Deutschland. Die Propaganda ging naturgemäß nicht auf die Schwachpunkte des Konzepts ein, die allerdings später – als es wirklich zur militärischen Auseinandersetzung beider Länder kam – eine wesentliche Rolle spielten. Beispielhaft nur drei Aspekte:

plakat

(1) Anders als es der Name vermuten lässt, handelt es sich bei der Maginot Linie nicht um eine engmaschige Kette etlicher Befestigungsbauten. Oft lagen die Anlagen weit auseinander und reichten tief ins Hinterland. Feindliche Truppen konnten zwischen ihnen hindurch schlüpfen. Nur zehn Werke der Maginot Linie wurden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs von den Deutschen angegriffen.

(2) Der Unterhalt der Maginot Linie war kosten- und personalintensiv. Die einzelnen Infanteriewerke hatten eine Besatzung von jeweils 100 Soldaten, kleinere Artilleriewerke waren mit 250 Mann besetzt und die größeren Bunkeranlagen fassten bis zu 1.100 Mann. Diese Soldaten fehlten an anderer Stelle, was sich für das französische Militär als großer Nachteil herausstellte.

(3) Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren teile der Maginot Linie noch nicht fertig. 1939 gab es entlang der deutsch-französischen Grenze 22 große Festungsanlagen, 35 kleinere Werke, 300 Bunker und MG-Nester, 14 gepanzerte Beobachtungstürme und 70 gepanzerte Kasernen. Gewaltige Zahlen und doch nicht das, was sich André Maginot ausdachte.


Plakat

Letztlich gingen die Franzosen nicht davon aus, dass die Maginot Linie unbesiegbar sein. Sie rechneten damit, dass ein entschlossener Feind bis zu drei Monate benötigen würde, um den Verteidigungswall zu durchbrechen (so er denn frontal den Verteidigungswall angreifen würde). Wären die Festungen entlang der belgischen Grenze bis zur Küste fertiggestellt worden, hätten die Deutschen durch die Linie angreifen müssen. Die Blitzkriegstrategie wäre nicht aufgegangen und der Kampf um Frankreich, ja sogar der Zweite Weltkrieg wäre anders verlaufen. Doch das sind Spekulationen.

In gewisser Weise ging allerdings der Plan André Maginots auf. Er erdachte die Verteidigungsanlage als Bollwerk gegen Deutschland. Denn nach der Kapitulation Frankreichs wehte auf vielen Werken noch die französische Flagge, weil sich Kommandanten weigerten, der Kapitulation Folge zu leisten. Seitens der deutschen Wehrmacht wurde kein Versuch unternommen, die Verteidigungsanlagen einzunehmen.

Quelle der Plakate:
(1) "Combat on the Maginot Line" von R. Rodolphe (Paris: Edition Ponset, 1949)
(2) "Festung Frankreich fiel" von Kurt Frowein (Berlin: Wilhelm Limpert-Verlag, 1940)


Maginot Linie


Gros Ouvrage Molvange - Festung der Maginot-Linie

Maginot Linie: Gros Ouvrage Molvange



Festungen der Maginot Linie: Außenansichten

So viele Bunker der Maginot Linie habe ich von außen noch gar nicht erkundet. Mich interessierte viel mehr deren Innenleben. Doch ein Bunker hat es mir angetan. Und den zeige ich hier ... weitere werden folgen. Später. Versprochen.

Petit Ouvrage Welschhof - Festung der Maginot-Linie

Petit Ouvrage Welschhof

Infanteriewerk Welschhof
Festungsabschnitt Lauter

Petit Ouvrage de Rohrbach - Fort Casso - Festung der Maginot-Linie

Petit Ouvrage Rohrbach

Infanteriewerk Rohrbach
Festungsabschnitt Lauter

Maginot-Linie: Abri du Rothenberg

Abri du Rotherberg

Infanteriewerk Rotherberg
Festungsabschnitt Boulay

Festungen der Maginot-Linie - französische Bunker des 20. Jahrhunderts - www.festungen.info

Petit Ouvrage de l'Einseling

Infanteriewerk Einseling
Festungsabschnitt Faulquemont

Maginot-Linie: Maginot-Linie: Casemate du Bois de Laudrefang Nord

Casemate du Bois de Laudrefang

Kasematte Laudrefang
Festungsabschnitt Faulquemont

Maginot-Linie: Petit Ouvrage Berenbach - Block 1 - Festungsabschnitt Boulay

Petit Ouvrage Berenbach

Infanteriewerk Berenbach
Festungsabschnitt Boulay

Gros Ouvrage Simserhof

Gros Ouvrage du Simserhof

Artilleriewerk Simserhof
Festungsabschnitt Lauter

Petit Ouvrage du Haut-Poirier - Festung der Maginot-Linie

Petit Ouvrage du Haut-Poirier

Infanteriewerk Haut-Poirier
Festungsabschnitt Saar

Ouvrage du Bois-du-Four - Festung der Maginot-Linie in Frankreich

Petit Ouvrage du Bois-du-Four

Infanteriewerk Bois-du-Four
Festungsabschnitt Crusnes

maginot linie


Festungen der Maginot Linie: Friedenskasernen

In der Nähe eines jeden (größeren) Bunker der Maginot-Linie befindet sich eine sogenannte Friedenskaserne. Hier hielten sich die Soldaten auf, wenn der Bunker zu Friedenszeiten nur mit einer verkleinerten Rumpfmannschaft besetzt war.

Maginot-Linie: Camp d'Angevillers - Friedenskaserne

Camp d'Angevillers

Kaserne Angevillers
Festungsabschnitt Thionville
Status: Lost Place

Camp Four-à-Chaux - Friedenskaserne des Gros Ouvrage du Four-à-Chaux - Maginot Linie

Camp Four-a-Chaux

Kaserne Four-a-Chaux
Festungsabschnitt Lauter
Status: Lost Place



Wissenswert.

YOUTUBE: MAGINOT-LINIE

Bei Youtube fand ich eine sehenswerten
Dokumentation über die Maginot Linie.
Sie beinhaltet wissenswertes für diese
Bunker-Kette und ordnet sie geschichtlich ein.

KMZ-DOWNLOAD

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen
Festungen der Maginot Linie erfahren möchtest,
lade Dir die KMZ für Google Earth herunter.
Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

BUNKER DER MAGINOT-LINIE

Mich fasziniert immer wieder der komplexe und
ausgeklügelte Aufbau eines Bunkers der
Maginot-Linie. Daher habe ich zu dem Thema
eine kleine Übersicht erstellt.

www.festungen.info

WESTWALL

Das Gegenstück zur Maginot-Linie
war auf deutscher Seite der Westwall.
Sein Auf- und Ausbau folgt einem
gänzlich anderen Konzept.

AUFBAU EINES OUVRAGES

Die Festungswerke der Maginot-Linie
folgen im Grunde einem einheitlichen
Muster - einmal abgesehen von den Besonderheiten,
die sich von ihrer Größe und Lage ableiten.

GESCHICHTE DER MAGINOT-LINIE

Die Geschichte der Maginot-Linie
beginnt 1925. Seinerzeit entschloss sich die
Regierung Frankreichs einen neuen
Verteidigungswall zu errichten.

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