Festungen
der Maginot Linie


Festungen der französischen Verteidigungslinie,
die ab 1930 von André Maginot errichtet wurde.


„Wir haben nicht nur versucht, einen Krieg von gestern
oder vorgestern zu führen, sondern waren auch unfähig oder
nicht willens, den Rhythmus der deutschen Kriegführung,
der dem rascheren Wellenschlag einer neuen Ära
folgte, überhaupt zu begreifen.“

Marc Bloch
Historiker und Kriegsteilnehmer
1866-1944




Frankreichs militärische Strategie im 19. und 20. Jahrhundert

Frankreich setzte über Jahrhunderte hinweg auf Festungen, um seine Landesgrenzen zum „Erzfeind Deutschland“ zu schützen. Lange Zeit war das auch ein probates Mittel zur Landesverteidigung, weil Eroberungskriege meist Festungskriege waren. Man nahm die bedeutendste Stadt (also Festung) einer Region und war danach Herr über die gesamte Region. Doch das änderte sich im Verlauf der Zeit und spätestens der Erste Weltkrieg offenbarte ein gänzlich neues Gesicht des Krieges. Die zuvor von den Franzosen errichtete Barrière de Fer, ebenfalls eine Festungslinie an der deutsch-französischen Grenze, die nach 1871 entstand, war nutzlos. Die Schlachten des Ersten Weltkriegs tobten an anderer Stelle und folgten anderen Gesetzen. Etliche Festungen der damaligen Zeit gab zwischen 1914 und 1918 kaum einen Schuss ab. Das gilt insbesondere für die deutschen Festungen rund um Metz, die vom Kaiserreich quasi als Antwort auf die Barrière de Fer errichtet wurde.

Die französischen Festungen waren jedoch aus deswegen nutzlos, weil sie sich an der direkten Grenze zu Deutschland konzentrierten. Bekanntlich folgten die Deutschen im Ersten Weltkrieg jedoch dem sog. Schlieffen-Plan und marschierten über Belgien in Frankreich ein, wo es eine solche Verteidigungskette nicht gab.

Vor all diesen Hintergründen ist es heute kaum nachvollziehbar, dass Frankreich in den 1930er- 1940er-Jahren abermals Pläne für den Ausbau einer komplett neuen und modernen Festungslinie an der deutsch-französischen Grenze planten und schließlich realisierten. Und abermals konzentrierten sich die Verteidigungsanlagen auf den direkten Grenzverlauf, weil man eine Wiederholung der Geschichte (Einmarsch durch Belgien) ausschloss.

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges galt die neue Festungslinie der Franzosen – die Maginot-Linie – als unüberwindbar. Sie wog die Franzosen in einer trügerischen Sicherheit, denn niemand rechnete damit, dass sich die Geschichte wiederholt. Abermals fielen deutsche Truppen über Belgien (sie wählten diesmal den Weg durch die Ardennen) in Frankreich ein, umgingen somit die waffenstarrenden Festungen der Maginot-Linie, um sie schließlich aus dem rückwärtigen Raum anzugreifen. Und natürlich hielten etliche Festungen diesen Angriffen stand. Das half aber nichts, weil deutsche Truppen längst auf dem Weg nach Paris waren, um Frankreich den „Todesstoß“ zu geben.


Wer war eigentlich André Maginot?

André Maginot - Erbauer der Maginot-Linie

André Maginot

Bis heute wird die neue Verteidigungslinie, die die Französen in den 1930er- und 1940er-Jahren errichteten mit einem Mann verbunden: André Maginot.

Maginot wurde am 17. Februar 1877 in Paris geboren. Er war lange Zeit Mitglied des öffentlichen Dienstes und wurde 1910 in die französische Abgeordnetenkammer gewählt. Bereits drei Jahre später stieg er zum Unterstaatssekretär im Kriegsministerium auf. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde er schwer verwundet, was ihn zeitlebens verkrüppelte. Also kehrte er 1915 in die Politik zurück. Maginot wiederholte Forderungen, Frankreich solle die Ostgrenze zu Deutschland durch neue Verteidigungsanlagen schützen, um einen erneuten Angriff zu verhindern, begannen ab 1929 endlich Früchte zu tragen. Er trat im Juli 1929 sein neues Amt als Kriegsminister an. Seine Aufgabe war die Reorganisation der Armee, die durch den Ersten Weltkrieg regelrecht ausgeblutet und in einem desolaten Zustand war. Er erreichte es, dass von der Regierung außerdem zwei Kommissionen eingerichtet wurden: Die Kommission zur Verteidigung der Grenzen (auch CDF genannt) erhielt vom Abgeordnetenhaus den Auftrag, die Linienführung sowie die Organisation einer künftigen Festungslinie zu Deutschland zu planen und die voraussichtlich entstehenden Kosten zu ermitteln. Parallel beauftragte man eine zweite Kommission (CORF) mit der Umsetzung dieser Pläne.

Der offizielle Startschuss zum Bau der Maginot-Linie erfolgte am 14. Januar 1930. In einer großen Abstimmung bewilligten 90% aller Abgeordneten den Bau dieser neuen Verteidigungslinie. Maginot begleitete fortan die Planungen und Bauarbeiten. Er beaufsichtigte sie und gab die entscheidende Richtung vor. Die Fertigstellung der Maginot-Linie erlebte er jedoch nicht mehr, denn er starb am 7. Januar 1932 – lange Zeit vor Fertigstellung der Festungskette, die bis heute seinen Namen trägt. Interner Link: Geschichte der Maginot-Linie.


Maginot

André Maginot:

"Wir konnten kaum davon träumen, eine Art Große Mauer von Frankreich zu bauen,
die ohnehin viel zu teuer wäre. Stattdessen haben wir mächtige, aber flexible Mittel zur Organisation
der Verteidigung vorgesehen, die auf dem dualen Prinzip beruhen, das Terrain voll auszunutzen
und überall eine kontinuierliche Schusslinie zu etablieren.“

Auszug aus einer Rede von André Maginot, die er am
10. Dezember 1929 vor dem französischen Parlament hielt.
Er versuchte die Parlamentarier von dem Bau einer neuen
Festungslinie an der deutsch-französischen Grenze zu
überzeugen und die dafür notwendigen Gelder
bewilligt zu bekommen.

Warum baute Frankreich die Maginot-Linie?

Zweiter Weltkrieg - 1940 - Westfeldzug gegen Frankreich

Damit rechneten die Franzosen nicht: Geschichte kann sich wiederholen. Abermals marschierten die Deutschen durch Belgien, um sich gegen Frankreich zu senden. Auf diese Weise umgingen sie die Maginot-Linie, die die direkte deutsch-französische Grenze schützte.

Diese Frage liegt angesichts der eingangs geschilderten Hintergründe auf der Hand. Frankreich hätte aus der Geschichte lernen können. Ein Festungswall zu Deutschland hat im Ersten Weltkrieg weder das Blutvergießen verhindern noch den Vormarsch der kaiserlichen Truppen stoppen können. Warum also setzte sich André Maginot für diesen neuen Festungswall ein? Wusste er es nicht besser?

Weit gefehlt. Letztlich bewerten viele Historiker als "Verzweiflungstat". In gewisser Weise blieb Frankreich gar nichts anderes übrig. Es gab ein großes Ungleichgewicht zwischen der französischen und deutschen Bevölkerung (40 Mio. Einwohner zu 80 Mio. Deutschen). Das bedeutete, dass die französische Armee über ein deutlich geringeres Potenzial künftiger Soldaten verfügte. Die Idee war also, dass eine massive Verteidigungsanlage wie die Maginot-Linie das Ungleichgewicht hätte (jedenfalls teilweise) ausgleichen können. Oder anders formuliert: Die Franzosen hätten gar nicht über genügend Soldaten verfügt, um die deutsch-französische Grenze komplett und effektiv verteidigen zu können. Darüber hinaus hätte die Mobilisierung der (kleineren) französischen Armee mehrere Wochen gedauert. Im Fall eines Angriffs musste aber die Sicherheit des Landes gewährt werden. Es galt also einen potenziellen Angriff zu verzögern. Ebenfalls wichtig und daher nicht zu vergessen: Ein bedeutender Teil des industriellen Potenzials Frankreichs lag im Nordosten (Lothringisches Becken) und musste im Fall eines erneuten Krieges besonders geschützt werden. Das gilt insbesondere für die kriegsentscheidende Montanindustrie, die seinerzeit noch in dieser Region vorherrschend war.


Maginot-Linie: Propaganda und Wirklichkeit

Die französische Regierung und selbstredend André Maginot feierten den Bau der Maginot-Linie. Historiker sind sich heute allerdings einig, dass dieser Festungswall entlang der deutsch-französischen Grenze maßgeblich zur „französischen Selbstzufriedenheit“ angesichts der wiederauflebenden deutschen Militärmacht nach dem Aufstieg von Adolf Hitler im Jahr 1933 beitrug (Quelle: Encyclopaedia Britannica). Fest steht, dass Propaganda und Wirklichkeit ziemlich weit auseinanderklafften. Das Konzept der Maginot-Linie hatte einige Schwachpunkte, die später – als es wirklich zur militärischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und Frankreich kann – eine wesentliche Rolle spielten.

Deutsches Propaganda-Material: Historische Postkarte - Soldaten beim Sturm auf ein Panzerwerk

Deutsches Propaganda-Material:
Historische Postkarte, die deutsche Soldaten beim Sturm auf ein Panzerwerk der französischen Maginot-Linie zeigt. Es ist unklar, ob es sich um eine Originalaufnahme oder ob es sich um später und zu Propagandazwecken nachgestellte Szene handelt.

(1) Die Maginot-Linie schützte nur Teile der Landesgrenze: Allem voran muss hier der Irrtum genannt werden, dass es einer Verteidigungslinie ausschließlich (!) entlang der direkten Grenze zu Deutschland bedurfte. Womit die Franzosen nicht rechneten und man kann heute nur darüber streiten, ob das Blauäugigkeit war oder verantwortungsloser Leichtsinn: Geschichte kann sich wiederholen. Zu Beginn des Westfeldzuges von Nazi-Deutschland marschierten die deutschen Truppen abermals über das neutrale Belgien in Frankreich ein. Diesmal allerdings über die Ardennen. Die Maginot-Linie konnte sie nicht stoppen, weil sie hier besonders schwach ausgeprägt war. Die mächtigen Infanterie- und Artilleriewerke insbesondere in Lothringen waren nutzlos. Sie feuerten teilweise nur wenige Schüsse ab, weil die Deutschen sie in Scheingefechte verwickelten. Nachdem dann die Wehrmacht in Windeseile den Frankreichfeldzug fortsetzte war sie schnell im Rücken der Bunker und konnten sie von hier aus attackieren. Kurz darauf folgte die Kapitulation Frankreichs.

(2) Die Festungskette war durchlässig: Anders als der Name vermuten lässt handelt es sich bei der Maginot-Linie nicht um eine engmaschige Kette an Bunkern. Oft lagen die Werke weit auseinander. Feindliche Truppen konnten mit etwas Geschick zwischen ihnen hindurchschlüpfen. Nur zehn Werke der Maginot-Linie wurden im Verlauf des Zweiten Weltkriegs von deutschen Truppen angegriffen. Die enormen Zerstörungen an vielen Bunkern rühren nämlich von den Amerikanern, die sich in den Bunkern verschanzte deutsche Truppen bei ihrem Vormarsch in Richtung Deutschland angriffen.

(3) Der Unterhalt der Festungen war teuer und personalintensiv: Der Unterhalt der Maginot-Linie war kostspielig und sehr personalintensiv. Die einzelnen Infanteriewerke hatten eine Besatzung von jeweils 100 Soldaten, kleinere Artilleriewerke benötigten bereits 250 Mann und die großen Panzerwerke fassten bis zu 1.100 Soldaten. Sie fehlten an anderer Stelle, was sich letztlich für das französische Militär als großen Nachteil herausstellte. Insofern kehrte sich einer der Gründe für den Bau der Maginot-Linie (siehe Abschnitte zuvor) hier ins Gegenteil.

(4) Die Maginot-Linie war bei Kriegsausbruch nicht fertig: Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren große Teile der Maginot-Linie noch gar nicht fertig. 1939 gab es entlang der deutsch-französischen Grenze insgesamt 22 große Festungen, 35 kleinere Werke und 300 Bunker bzw. MG-Nester. Das sind gewaltige Zahlen. Es ist aber nicht das, was André Maginot plante.



Festungen und Bunker der Maginot-Linie in Frankreich



Wissenswert.

YOUTUBE: MAGINOT-LINIE

Bei Youtube fand ich eine sehenswerten
Dokumentation über die Maginot Linie.
Sie beinhaltet wissenswertes für diese
Bunker-Kette und ordnet sie geschichtlich ein.

KMZ-DOWNLOAD

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen
Festungen der Maginot Linie erfahren möchtest,
lade Dir die KMZ für Google Earth herunter.
Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

BUNKER DER MAGINOT-LINIE

Mich fasziniert immer wieder der komplexe und
ausgeklügelte Aufbau eines Bunkers der
Maginot-Linie. Daher habe ich zu dem Thema
eine kleine Übersicht erstellt.

www.festungen.info

WESTWALL

Das Gegenstück zur Maginot-Linie
war auf deutscher Seite der Westwall.
Sein Auf- und Ausbau folgt einem
gänzlich anderen Konzept.

AUFBAU EINES OUVRAGES

Die Festungswerke der Maginot-Linie
folgen im Grunde einem einheitlichen
Muster - einmal abgesehen von den Besonderheiten,
die sich von ihrer Größe und Lage ableiten.

GESCHICHTE DER MAGINOT-LINIE

Die Geschichte der Maginot-Linie
beginnt 1925. Seinerzeit entschloss sich die
Regierung Frankreichs einen neuen
Verteidigungswall zu errichten.

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