Französische Festungen
errichtet vor dem Ersten Weltkrieg


An allem Unfug, der passiert,
sind nicht etwa nur die schuld,
die ihn tun, sondern auch die,
die ihn nicht verhindern.

Erich Kästner
1899 - 1874



Französische Festungen bis 1918


Für Frankreich waren Festungen und umfangreiche Festungslinie in den letzten Jahrhunderten ein probates Mittel zur Landesverteidigung. Diese Strategie begann unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. (also im 17. Jahrhundert). Er beauftragte den Festungsbaumeister Sébastien Vauban mit dem Bau etlicher Festungen entlang der Landesgrenze.

Historische Karte - Festungen in Frankreich von 1902

Historische Karte - Festungen in Frankreich
Brockhaus Konversationslexikon | 14. Auflage | Leipzig

Alternativ:
Karte mit Festungen der Barrière de Fer

Heute wird Sébastien Vauban häufig als „Ringmauer des französischen Königshauses“ bezeichnet. Viele dieser historischen Festungsanlagen können heute noch bestaunt werden, weil sie zu einem UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Die bekannteste Vauban-Festung ist die Garnisonstadt Neuf-Brisach im südöstlichen Frankreich. Vorherrschender Baustil damaliger Zeit waren bastionäre Systeme, wobei Vauban diesen damals von italienischen Baumeistern übernommen hat und weiterentwickelte. Sein Schaffen wiederum übernahmen etliche andere Baumeister der Epoche, so dass man Festungen, die der Vauban-Manier folgen, in ganz Europa finden kann. Insbesondere nachfolgenden Festungsbaumeister in Frankreich hielten sehr lange an diesen Prinzipien fest, so dass man diese selbst bei den Stadtbefestigungen rund um Paris oder Lyon wiederfinden kann - obwohl sie Anfang des 19. Jahrhunderts entstanden.

Bleiben wir im zuletzt genannten Jahrhundert: Während sich im preußisch geprägten Deutschland derzeit polygonale Festungstypen zum Einsatz kamen und man dort Festungen auch nicht zur Landesverteidigung insgesamt, sondern eher zur Verteidigung ausgewählter Städte einsetzte (Koblenz, Köln, Ingolstadt etc.), wandelte sich der französische Festungsbau erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts. Zwischenzeitig verlor Frankreich den Deutsch-französischen Krieg 1870/71 und musste die wertvollen Landstriche Elsass und Lothringen an Deutschland abtreten. Dieser Regionen beraubt hatte Frankreich an der (neuen) direkten Grenze zu Deutschland keine Festungen mehr (sie lagen nämlich in den abgetretenen Gebieten).

Die französische Regierung beauftragte daher Generals Séré de Rivières mit Bau einer neuen Festungslinie, die von Verdun, über Toul und Épinal bis Belfort reiche. Er setzte – wie die preußischen Festungsbaumeister schon seit etlichen Jahren – konsequent auf das polygonale System. Einen Überblick über die Festungen, die seiner Feder entsprangen, zeigen die nachfolgenden Kriegskarten. Sie haben eine derart gute Auflösung, dass Du die einzelnen Festungen gut erkennen kannst. Dass sie Anfang des 19. Jahrhunderts von den Deutschen erstellt wurde, stört mich an dieser Stelle nicht weiter. Sie dienen hier ja nur zum Überblick. => Kriegskarte (1) Kriegskarte des deutsch-französischen Kriegsschauplatzes und (2) Festungen der Barrière de Fer.

Kurzum: In Frankreich gab es im Verlauf des 19. Jahrhunderts also eine regelrechte Bauwut. Allein zwischen 1873 und 1885 entstanden 166 Forts, 45 Zwischenwerke (kleinere Festungsanlagen) und mehr als 250 Batterien. Die Festungslinie, die Rivières errichtete wird heute häufig als Barrière de Fer bezeichnet. Die Franzosen sprechen meist vom System Séré Rivières.

Französische Zeitschrift Le Miroir vom 3. September 1916

Der Erste Weltkrieg löschte nicht nur in Frankreich eine ganze Generation aus. Verdun gilt dabei als nationales Symbol des Widerstandes. Die Folgen dieses Krieges prägten das Land nachhaltig und waren auch Ursprung der Maginot-Linie, die in den 1930-Jahre errichtet wurde.

Dann kam es zu einer großen Krise – das war gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die Erfindung neuer Sprengstoffe und Triebmittel in Kombination mit einem gänzlich neuen Geschütztyps führte zur sogenannten Brisanzgranatenkrise. Dabei geht es letztlich um die Erkenntnis, dass die just errichteten Festungen (die teilweise noch in den letzten Zügen ihrer Fertigstellung waren) eigentlich komplett veraltet sind und modernen Waffen gar nicht standhalten können. Panisch wurden also alle Festungen der Barrière de Fer modernisiert und mit neuer Artillerie ausgestattet. Das zog sich bis 1914 hin. Diese wilde Bautätigkeit zur Verbesserung bisheriger Festungen fand übrigens in ganz Europa statt, denn letztlich hatten alle Nationen dieses Problem.


Der Erste Weltkrieg mit seinen blutigen Stellungskriegen war für Frankreich in gewisser Weise Ausgangspunkt des nächsten Festungssystems, welches in den 1930er-Jahren ebenfalls an der Ostgrenze zu Deutschland errichtet wurde. Ich spreche von der Maginot-Linie (=> siehe Abschnitt: Verteidigungslinie in Deutschland und Frankreich | 1918 - 1945).

Die Maginot-Linie wurde notwendig, weil das Militär gewahr wurde, dass man (wegen der enormen Verluste des Ersten Weltkriegs) gar nicht genügend Soldaten aufbieten könnte, wenn es abermals zu einem Krieg mit Deutschland kommt. Also besann man sich auf alte Tugenden – nämlich bei der Landesverteidigung auf Festungssysteme zu setzen. Erschreckend und ziemlich frustrierend war für die Franzosen allerdings die Erkenntnis, dass die enormen Anstrengungen zur Errichtung der Maginot-Linie eigentlich nutzlos waren. Das Militär setzte zu Beginn des Zweiten Weltkriegs auf überholte Kriegstaktiken und war von der Blitzkriegführung der Deutschen überrascht. Sie wurden schlicht überrannt, wobei die deutsche Wehrmacht die Maginot-Linie über Belgien umging und somit freie Bahn in Richtung Paris hatte. Viele Festungswerke der Maginot-Linie haben in dieser Zeit keinen einzigen Schuss abgegeben.

Festungen

Festungen und Festungssysteme in Frankreich, die ich besuchte:

Festungen rund um Verdun
(11 Festungen | 3 weitere Locations)

Festungen rund um Toul
(10 Festungen)


Wie bereits gesagt: Frankreich setzte in der Vergangenheit auf Festungen, um seine Landesverteidigung zu organisieren. Das begann im 16. Jahrhundert mit dem Festungsbaumeister Sébastien Vauban, der unter dem Sonnenkönig Ludwig XIV. die sogenannte „Ringmauer des französischen Königshauses“ errichtet. Später – nämlich im 19. Jahrhundert – war der Militärarchitekt Raymond Séré de Rivières der Mann der Stunde. Er entwarf und errichtete die Barrière de Fer. Und im 20. Jahrhundert war es André Maginot, der die berühmte Maginot-Linie zum Schutz Frankreichs gegen den Erzfeind Deutschland errichtete. Die Werke zweiter Baumeister zeige ich hier. Um mehr über die Maginot-Linie zu erfahren, folge bitte dem Link.


Festungen des Baumeisters Sébastien Vauban
(1 Festung - Serien in Arbeit)

Festungen der Barrière de Fer
(13 Festungen - siehe auch Verdun/Toul)

Weitere Festungen, Schlösser und Burgen
(1 Location - Serie in Arbeit)

Festungen in Frankreich



Wissenswert.

Außerdem empfehle ich Dir diese
zweiteilige Dokumenation über den .
Ersten Weltkrieg, die ich bei Youtube
fand. Sie ist sehenswert - wenn auch grausam.

    • LINK: FILM

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen Festungen rund um Metz erfahren möchtest, lade Dir die KMZ für Google Earth herunter. Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

    • LINK: WISSENSWERTES