Festungsbau im 18. und 19. Jahrhundert:

Deutsche Festungen in
Elsass-Lothringen, dem heutigen Deutschland
und dem ehemaligen Preußens



Im Verlauf der letzten Jahrhunderte waren Festungen ein Stützpfeiler der Landesverteidigung. Man errichtete sie zum Schutz strategisch wichtiger Orte oder Verkehrswege. In diesem Abschnitt stelle ich verschiedene Festungen vor, portraitiere sie und fasse die geschichtlichen Hintergründe ihrer Entstehung kurz zusammen.


Friedrich II. (1712-1786), Kaiser Wilhelm I. (1797-1888), Kaiser Wilhelm II. (1859-1941)
Eine kleine Auswahl der Preußischen Könige und deutsche Kaiser, die den Festungsbau prägten.



Deutsche Festungen in Elsass-Lothringen, dem heutigen Deutschland und ehemaligen Preußen

Der Begriff der Festung im heutigen Sinn wurde erst zu Beginn des 16. Jahrhunderts geprägt und geht auf das altdeutsche Wort "Veste" zurück. Zentraler Unterschied zu einer Burg ist, dass die Festung ausschließlich militärischen Zwecken dienste und nicht gleichzeitig der eigentliche Wohnsitz einer Adelsfamilie war. Die Errichtung von Festungen geht in gewisser Weise mit dem Aufkommen sogenannter "stehender Heere" einher. Das war ebenfalls im 16. Jahrhundert. Als stehendes Heer wird - im Gegensatz zu den nach Bedarf aufgestellten Truppen - ein dauerhaft unter Waffen stehendes und jederzeit einsatzbereites Militär bezeichnet.

Bastionäre Festungen galten über Jahrhunderte hinweg als das Nonplusultra des damaligen Festungsbaus, denn sie boten geeignete Lösungen für das zuvor geschilderte Problem. Und zweifellos gilt noch heute der französische Festungsbaumeister Sébastien Vauban als der Baumeister bastionärer Festungen schlechthin. Seine Ideen prägten über Jahrhunderte den Festungsbau - auch in Deutschland. Letzteres ändert sich im Verlauf des 18. Jahrhunderts - wenigstens in Deutschland.

Während man in Frankreich seinerzeit weiterhin am bastionären Festungsbau festhielt, entwickelte sich unter Friedrich II. (auch Friedrich der Große - volkstümlich auch der "Alte Fritz" genannt | 1712-1786) neue Konzepte. Festungsbaumeister seines Vertrauens war Gerhard Conelius von Walrave, der die sogenannte altpreußische Befestigungsmanier entwickelte. Sie war geprägt davon, dass die Werke das Gelände besser angepasst waren, weil man auf die strenge (und damit den Architekten einengende) Symmetrie typischer Vauban-Festungen verzichtete. Seine Werke waren auch deutlich kompakter (und damit kostengünstiger) als klassische Vauban-Festungen, da man unter anderem auf die verschiedenen Vorwerke des Bastionärsystems verzichtete. Außerdem führt er die ersten gedeckten (also gesondert geschützten) Batterien ein.

Im 19. Jahrhundert gab es nochmals einen Entwicklungsschub. Man gab (in Deutschland) das Bastionärsystem endgültig auf und entwickelte die Prinzipien jüngerer preußischer Festungen konsequent weiter. Das Ergebnis bezeichnet man heute als neupreußische Befestigungsmanier. In dieser Zeit blühte außerdem der Festungsbau auch regelrecht auf, was politische Gründe hatte.

Die Durchsetzung der europäischen Friedensordnung als Folge des Wiener Kongresses von 1814/15 veranlasste die Großmächte (also auch Preußen), sich einer Defensivkriegsstrategie zuzuwenden und in den Ausbau von Festungswerken zu investieren. Insofern ließ König Friedrich Wilhelm II. in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts Städte wie Koblenz, Minden und Köln mit großen Festungsanlagen beziehungsweise umfangreichen Festungsgürteln schützen. Weitere Werke entstanden beispielsweise in Ulm, Ingolstadt, Rastatt, Torgau, Magdeburg, Wittenberg oder Königsberg.

Ab 1873 kam dabei meist das sogenannte Biehlersche Einheitsfort zum Einsatz (Köln, Straßburg, Königsberg, Ingolstadt etc.). Dabei handelte es sich um ein vordefiniertes Bauschema einer modernen Festung, welche maximal örtliche Gegebenheit angepasst wurde. Ansonsten gleichen sich die Biehler-Fort hinsichtlich Grundriss und Aufbau sehr stark.

Als "Hochzeit des modernen Festungsbaus" in Deutschland könnte man die Zeit nach 1871 bezeichnen. Der Deutsch-französische Krieg ging für Frankreich verloren und Deutschland annektierte die französischen Regionen Elsass-Lothringen. Natürlich wollte man diese "Errungenschaften" sichern und investierte in wuchtige Festungsringe rund um Straßburg, Metz und Thionville. Im Gegensatz zu Festungen in Deutschland (die größtenteils geschleift werden mussten), sind diese Bollwerke heute noch vorhanden und schlummern teilweise ungenutzt (und im alten Zustand) in den Wäldern der Region.

Festung


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