Festungen von Österreich-Ungarn in Norditalien

Das war eine verzwickte Situation: Offiziell waren die Monarchien Österreich-Ungarns und Italien im 19. Jahrhundert und dem beginnenden 20. Jahrhundert miteinander verbündet. Sie bildeten zusammen mit dem deutschen Kaiserreich den sogenannten Dreierbund. Doch Österreich-Ungarn traute seinem südlichen Nachbarn nicht. Dazu gab es auch ausreichend Anlass: Die Donau-Monarchie beanspruchte weite Landstriche die eigentlich italienisch waren und denen auch weitgehend Italienisch gesprochen wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörten unter anderem die Lombardei, Südtirol und große Teile Venetiens zu Österreich. Die Lombardei wiederum musste man 1859 an Italien abtreten, was das Misstrauen seitens der k.u.k.-Monarchie weiter steigerte.

Um sein Einflussgebiet angemessen militärisch sicher zu können, begann Österreich-Ungarn ab 1860 seine südliche Staatsgrenze durch etliche Festungen und Pass-Sperren zu sichern. In den 1870er-Jahren entstanden beispielsweise zwischen dem Gardasee und der Schweizer Grenze etliche neue Festungswerke. Sie bestanden meist aus einem mächtigen, mehrere Geschosse aufragenden Block aus Natursteinmauerwerk, in dem die Geschütze hinter Mauerscharten standen.

Gegen Ende des Jahrhunderts weitere man die Bautätigkeiten aus. Jetzt stand die Region nordwestlich vom Gardasee im Fokus. Es galt, die Pässe in den Dolomiten und Brentatals zu sichern. Die hier errichteten Festungen waren im Regelfall kompakte Einzelwerke, in denen Bewaffnung und Unterkünftig in einem Block vereint waren. Als Baumaterial verwendete man nun bereits Beton, den man äußerlich häufig mit Granitblöcken verkleidete. Auch die Bewaffnung dieser Festungen war auf der Höhe der Zeit: Viele Werke wurden mit „Artillerie unter Stahl“ ausgestattet. Dabei kamen beispielsweise 15-cm-Panzermörser mit einer drehbaren Panzerkuppel zum Einsatz. Zahlreiche Maschinengewehre ermöglichten die Verteidigung der Anlagen auf kurzer Distanz. Die letzten dieser Werke wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fertiggestellt – kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs.

Obwohl die früh errichteten Festungsanlagen maßlos veraltet waren und moderne Artillerie sie hätte in kurzer Zeit in Trümmer schießen können, modernisierte Österreich nur wenige von ihnen. Man setzte auf die verbliebene Kampfkraft der Werke im unzugänglichen gebirgigen Gelände und spekulierte darauf, dass der Gegner seine Artillerie just wegen der schwierigen geografischen Gegebenheiten nicht nah genug an die eigenen Festungen heranführen könnte.


Alpenkrieg 1915-1918: Blutige Schlachten im Hochgebirge

Quelle: Der Weltkrieg im Bild, George Soldan, Berlin-Oldenburg, 1926

Italienische Gefangene auf dem Weg zu den rückwärtigen Linie. | Quelle: Der Weltkrieg im Bild, George Soldan, Berlin-Oldenburg, 1926

Der Alpenkrieg fand an der gebirgigen Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien statt (Dolomiten, Karnischen und Julischen Alpen). Es war ein über Jahre hinweg geführter, blutiger und erbarmungsloser Stellungskrieg, der in den Tälern aber insbesondere auch bis auf die höchsten Gipfel in über 3.000 Metern Höhe geführt wurde. Neben dem direkten Beschuss starben viele Soldaten auch durch Lawinenabgänge, Felsstürze, Alpinunfälle oder erfroren wegen der enormen Kälte in solchen Höhen. Die Kampfhandlungen begannen am 23. Mai 1915 mit einem Angriff der Italiener mit rund 900.000 Mann gegen mehrere K.u.k.-Stellungen. Der Konflikt dauerte mehrere Jahre immer wieder durchgeführter Angriffe und Gegenangriffe. Bestes Beispiel für die Sinnlosigkeit und Menschenverachtung des Alpenkriegs waren die zwölf Isonzo-Schlachten bis zum Ende des Ersten Weltkriegs (4. November 1918). In dieser Zeit verloren bis zu 180.000 Soldaten ihr Leben, wobei die meisten Soldaten bei einer der Isonzo-Schlachten fielen. Am Ende des Krieges kam Italien Südtirol, Trentino und Istrien zugesprochen.

Wichtige Kriegsziele beider Seiten war die Inbesitznahme der Höhenlagen und Gipfel, weil von hier aus das umliegende Gelände und insbesondere die Täler kontrolliert werden konnten. Hatte sich eine Seiter erst einmal dort festgesetzt, war es für angreifende Truppen sehr schwer, die zu verdrängen, weil höher gelegene Maschinengewehrstellungen äußerst schwer einzunehmen sind. Obwohl beide Seiten auch schwere Waffen auf die Gipfel transportieren, waren Sie – im Vergleich zur Westfront – nur schwer einsetzbar. Vor diesem Hintergrund nutzte man auch die „Naturgewalten“ für seine Zwecke, indem man durch Artilleriebeschuss absichtlich Schnee- oder Steinlawinen auslöste.

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