Entwicklung erster Panzertürme

Zuerst einmal: Was ist ein Panzerturm?

Dazu findet man im Meyers-Konversationslexikon, Band 15 aus dem Jahr 1908 eine gute Definition (Seite 378). Ich zitiere:

"Panzerturm - gepanzerter Geschützstand für ein oder zwei Geschütze ... der oben geschlossene Panzerturm dreht sich mit dem Geschütz, um diesem das Feuern nach allen Richtungen zu gestatten, entweder um eine wirkliche senkrechte Achse, wie die Panzerlaffete, oder um eine ideelle Achse auf einer Rollbahn mit Laufrollen oder Laufkugeln, die unter der senkrechten Wand am Panzerturms befestigt sind, Panzerdrehturm. ... Der Oberbau des Turmes erhielt durch Gruson bei seinen Hartgusstürmen die Kuppelform, die heute auch bei Panzerlaffeten und Panzertürmen der Küsten- und Binnenlandsbefestigungen gebräuchlich ist. Die gewölbte, in Hartguss hergestellte Panzerdecke der Panzertürme legt sich auf einen Vorpanzerring auf .... Die Scharten, die sich in der gewölbten Decke befinden, bilden die unvermeidliche Schwäche des Turmes, der an dieser Stelle durch das feindliche Feuer am leichtesten verletzbar, sonst aber infolge der sphärischen Kuppelform (ein deutsches Konstruktionsprinzip, das seinerzeit in Konkurrenz mit andern, speziell französischen, weite Verbreitung fand) äußerst widerstandsfähig ist."

Panzertürme - eine Idee der Marine

Quelle: Capt. John Ericsson, Traverse hull section through Turret of USS Monitor, Format, Farbigkeit, Hintergrund, CC0 1.0

Quelle: Capt. John Ericsson, Traverse hull section through Turret of USS Monitor, Format, Farbigkeit, Hintergrund, CC0 1.0

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts und einhergehend mit der Weiterentwicklung der Artillerie kommt dieser bei Angriff oder Verteidigung einer Festung eine immer zentralere Rolle zu. Moderne Festungen gegen Ende des Jahrhunderts waren eigentlich Artillerie-Befestigungen, die auf den Fernkampf ausgerichtet waren. Die Infanterie hatte eine untergeordnete Rolle - ihr kam die Aufgabe zu, die Nahverteidigung der Festung sicherzustellen.

Zentrale Aufgabe war es daher, die Festungsartillerie besonders zu schützen. Ein schwieriges Unterfangen nach dem Aufkommen neuer Brisanzgranaten. Anfangs versuchte man dies, indem man die Geschütze in eigens dafür errichtete Kasematten mit Panzerung aus Gusseisen installierte. Das war wenig effektiv, weil man das Schussfeld der Geschütze enorm verengte (siehe: Merkmale französischer Panzerfestungen).

Die Lösung des Problems fand man bei der Marine: Das Panzerschiff USS Monitor wurde im Amerikanischen Bürgerkrieg eingesetzt und hatte erstmals einen drehbaren Geschützturm aus Schmiedeeisen. Man kam also zum Ergebnis, dass man diese auch im Festungsbau einsetzen könnte.

Quelle: École d'Application de l'Artillerie et du Génie - Cours de Fortification - Cuirassements (Croquis), 5 Lecons par le Capitaine Tricaudt; Verlag: Lithographie de l'École d'application de l'artil

Deutscher Panzerturm: 10-cm-Kanone (verstärkte) inkl. Vorpanzerung

Quelle: Source gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France >> École d'Application de l'Artillerie et du Génie - Cours de Fortification - Cuirassements (Croquis), 5 Lecons par le Capitaine Tricaudt; Verlag: Lithographie de l'École d'application de l'artillerie et du génie, 1909

Die ersten Panzerfestungen, die meiner Ansicht nach diesen Namen auch verdienen, errichtete der belgische Militäringenieur Henri Brialmont und zwar im Auftrag des rumänischen Königs Carol I.. Er beschloss in den 1870er-Jahren Bukarest durch einen Festungsring zu schützen und war auf der Suche nach modernsten Waffen. Brialmont wiederum war bereits am Bau des Festungsrings rund um Antwerpen beteiligt und hatte eine "Vorliebe" für schwere Geschütze.

Seinerzeit gab es nur wenige denkbare Lieferanten der benötigten Geschütze und Panzerungen. In Deutschland hatte sich die Firmen von Hermann Gruson (Panzerungen und gepanzerte Türme) und Friedrich Alfred Krupp (Geschütze) einen Namen gemacht. Sie konkurrierten mit französischen Anbietern. Hier ist u.a. die Firma Firma St. Chamond zu nennen, die Panzertürme produzierte, die Major Henri Mougin entwickelte. Nach ihm wurden später auch verschiedene Modelle französischer Panzertürme benannt.

Brialmont veranlasste ein Praxistest, was nichts anderes heißt, dass die Panzertürme beschossen wurden, um ihre Widerstandsfähigkeit zu testen. Offiziell entschied er sich danach für die Gruson-Panzertürme, die mit 150mm-Kanonen von Krupp bewaffnet waren. Tatsächlich kaufte er aber auch weitere Panzertürme von den Franzosen.

Herstelller von Panzerungen und Panzertürmen - Ende des 19. Jahrhunderts

Zur Herstellung komplexer Panzertürmen mussten die Herstelle einerseits fundierte Kenntnisse über die Verarbeitung von Metallen haben und andererseits natürlich auch über entsprechende Produktionskapazitäten verfügen. Da obendrein deren Produktion eine Anleihe aus dem Schiffsbau war, verwundert es wenig, dass führender Hersteller damals Unternehmen waren, die auf den Schiffsbau oder den Bau von Lokomotiven spezialisiert waren. Eine Ausnahme unter ihnen ist sicher die Friedrich Krupp AG (in der Liste spreche ich von den Krupp-Gruson-Werken). Dies Unternehmen fokussierte schon seit Anbeginn die Rüstungsgüterproduktion.

Die nachfolgende Liste führender Hersteller jener Zeit entspringt dem Buch: Die Festung in der heutigen Kriegsführung, zweite Abteilung: Die Ortsbefestigung - von : Johannes Schroeter. Verlag: Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1905

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