Einleitung: Wettlauf mit der Artillerie führte im 19. Jahrhundert zu modernen Panzerfestungen

Der Festungsbau erlebte im Verlauf des 19. Jahrhunderts mehrere grundlegende Wandel: Anfangs galten bastionäre Festungen noch als Standard. Sie wurden geprägt vom französischen Baumeister Sébastien Vauban, der allerdings bereits ein Jahrhundert zuvor verstarb. Es waren die Preußen und kurz darauf die Belgier, der sich polygonalen Festungen zuwendeten und diese obendrein zum Schutz strategisch wichtiger Orte quasi wie einen Ring um sie herum platzierten (siehe Gürtelfestung). Diese Weiterentwicklungen waren im Wesentlichen eine Reaktion auf die Entwicklung der Artillerie - sie wurde immer schlagkräftiger und ihre Geschütze hatten zunehmend eine höhere Reichweite, Treffgenauigkeit und Schussrate.

In den 1880er-Jahren kamen dann moderne Sprenggranaten auf - torpedoförmige Geschosse, die mit Explosivstoffen gefüllt waren und eine enorme Zerstörungskraft hatten. Das zwang den Festungsbau, sich abermals anzupassen. Jedes Land reagierte auf diese Bedrohung anders, wobei die wichtigsten Elemente von allen festungsbauenden Nationen übernommen wurden. Seinerzeit entstanden moderne Panzerfestungen, die zum Schutz der Festungsartillerie aus wuchtigen, viele Tonnen schweren Panzertürmen aus Stahl verfügten.

Diese Panzerfestungen spielten im Ersten Weltkrieg beispielsweise bei der Schlacht um Verdun eine traurige Rolle. Sie waren in ihren Grundzügen aber auch Vorläufer der in den 1930er-Jahren errichteten Maginot-Linie. Die Deutschen waren dabei besonders gründlich. Sie geben diesen modernen Panzerfortifikationen einen eigenen Namen: die Feste.

Frankreich: Entwicklung moderner Panzerfestungen

Le Fort Mougin - Quelle gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

Le Fort de l'avenir | Quelle gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

1872, also kurz nach Ende des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 setzte der französische Präsident Louis Adolphe Thiers verschiedene Komitees ein, die angesichts der Bedrohung durch das deutsche Kaiserreich und insbesondere vor den bitteren Lehren des 70er-Krieges mit Deutschland die Verteidigung Frankreichs bzw. die Neuordnung der französischen Armee organisieren sollte. General Séré des Rivières war hier anfangs Sekretär. Er war zugleich Ingenieuroffizier mit Erfahrungen im Festungsbau. Später wurde er mit dem Bau der Barrière de Fer beauftragt – dem neuen Festungs- und Verteidigungswall an der Ostgrenze Frankreichs.

1874 wurde ein weiteres Komitee eingerichtet, welches sich speziell mit einer modernen Bewaffnung dieser Festungen befassen sollte (Commission des Cuirassement). Es galt die Frage zu klären, welche Art von gepanzerten Türmen die Festungsartillerie schützen sollte. Hier wiederum war Capitaine Henri-Louis-Philippe Mougin die treibende Kraft. Er schlug 1887 einen neuen Festungstyp vor, den der „le fort de l’avenir“ (Fort der Zukunft) nannte. Séré de Rivières war zu dieser Zeit bereits seit mehreren Jahren vom Bau der Barrière de Fer abgezogen. Mougins Festungsmodell sah vor, dass jedes Fort ein riesiger Block aus Zementbeton war, tief eingegraben in die Erde, so dass nur noch die Panzertürme sichtbar waren, gepaart mit mehreren, ebenfalls gepanzerten Maschinengewehrkuppen und gepanzerten Beobachtern. Tief im Fort verborgen befindet sich die Energiezentrale, mit der man die notwendige Energie produzieren konnte, um das Fort zu versorgen, die Panzertürme in Bewegung zu versetzen und die Belüftung der Festung anzutreiben. Es gab elektrisches Licht und Telefonverbindungen. Viele, aber nicht alle Ansätze von Mougin sind in die Baupläne künftiger Festungen der Barrière der Fer eingeflossen.

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