Modell-Fort von Sanssouci

Das Fort im Park von Sanssouci wurde 1893 im nördlichen Teil der gleichnamigen Parkanlage errichtet. Es ist ein Miniatur-Modell einer modernen Panzerfestung im Maßstab 1:10 und diente zur Vorführung der Prinzipien einer Panzerfestung als auch neuer Typen von Geschützen und aller Arten von Panzertürmen bzw. Panzerungen zum Schutz der Festungsartillerie.

Der Grundriss des Modells lehnt sich an Fort des belgischen Militäringenieurs Henri Bialmont an, der Dreiecksforts bevorzugte. Kern der Anlage ist ein Zentralwerk mit Kaserne, Grabenwehr und einem Graben an der Kehlseite. Das Modell verfügt alles in allem über 20 offene und unter Panzerschutz gestellte Feuerstellungen.

Bedenkt man, wer das Modell errichten ließ und vor allem für wen, wird der Zweck der Anlage recht schnell klar: Die Kosten für den Bau der Miniatur-Festungsanlage trug der Essener Rüstungsgüterproduzent Krupp. Adressat wiederum war Kaiser Wilhelm II. Offiziell ging es darum, dem Kaiser den Bau und die Bewaffnung moderner Panzerfestungen zu erklären. Tatsächlich ging es aus der Perspektive Krupps natürlich um einen Auftrag zur Ausstattung deutscher Festungen mit seinen Geschützen und Panzertürmen.

Der Bau des Modells fiel in eine Zeit wesentlicher Umbrüche beim Festungsbau – also Folge enormer Entwicklungsschritte der Artillerie. In den 1880er-Jahren wurden sogenannte Brisanzgranaten entwickelt. Das waren torpedo-ähnliche Geschosse, die man mit Explosivstoffen anstatt herkömmlichem Schwarzpulver füllte. Ihre Sprengkraft übertraf die herkömmlicher Geschosse um ein Vielfaches. Gleichzeitig entwickelte Krupp neue Kanonen mit Rohren aus gezogenem Stahl (statt aus Gusseisen oder Bronze).

Diese wiederum ließen immer größere Kaliber zu. Beides zusammen führte dazu, dass Festungen auf einen Schlag als veraltet galten. Sie hätten einem solchen Beschuss nicht widerstehen können. Also mussten die Festungsbauingenieure bisherige Baupläne überdenken, gänzliche neue Konzepte entwickeln, um auf diese Bedrohung zu reagieren.

Das war die Geburtsstunde moderner Panzerfestungen. Besonderes Augenmerk lag dabei natürlich auf die Festungsartillerie. Sie war die Hauptbewaffnung und musste den Fernkampf führen. Sie schützte man mittels neuer Panzerungen oder neuer Panzertürme, die seit den 1860er Jahren entwickelt wurden.

Zum Zeitpunkt des Baus des Fort von Sanssouci gab es bereits einen ersten Prototypen einer modernen Panzerfestung. Es war die Feste König Wilhelm I. die 1892 bei Thron (heute in Polen) fertiggestellt wurde. Jetzt galt es, die hier eingeführten Neuerungen zum Standard zu erheben, weil der Bau weiterer Festungen anstand. So galt es beispielsweise die strategisch wichtigen Städte in Elsass-Lothringen militärisch weiter auszubauen. Die Festungen, die man direkt nach dem Deutsch-französischen Krieg 1870/71 dort errichtete, galten ja als veraltet und man musste sich dringend vor einem befürchteten, erneuten Krieg mit Frankreich wappnen.

Kaiser Wilhelm II.
Deutscher Kaiser von 1899 - 1918

In den 1880er-Jahren machte die Artillerie eine sprunghafte Entwicklung. Es kamen sog. Sprenggranaten auf. Unter Wilhelm II. entwickelte die Deutschen daraufhin einen neuen Festungstyp - die Feste.


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