Panzertürme deutscher und französischer Festungen

Zuerst einmal: Was ist ein Panzerturm?

Dazu findet man im Meyers-Konversationslexikon, Band 15 aus dem Jahr 1908 eine gute Definition (Seite 378). Ich zitiere:

"Panzerturm - gepanzerter Geschützstand für ein oder zwei Geschütze ... der oben geschlossene Panzerturm dreht sich mit dem Geschütz, um diesem das Feuern nach allen Richtungen zu gestatten, entweder um eine wirkliche senkrechte Achse, wie die Panzerlaffete, oder um eine ideelle Achse auf einer Rollbahn mit Laufrollen oder Laufkugeln, die unter der senkrechten Wand am Panzerturms befestigt sind, Panzerdrehturm. ... Der Oberbau des Turmes erhielt durch Gruson bei seinen Hartgusstürmen die Kuppelform, die heute auch bei Panzerlaffeten und Panzertürmen der Küsten- und Binnenlandsbefestigungen gebräuchlich ist. Die gewölbte, in Hartguss hergestellte Panzerdecke der Panzertürme legt sich auf einen Vorpanzerring auf .... Die Scharten, die sich in der gewölbten Decke befinden, bilden die unvermeidliche Schwäche des Turmes, der an dieser Stelle durch das feindliche Feuer am leichtesten verletzbar, sonst aber infolge der sphärischen Kuppelform (ein deutsches Konstruktionsprinzip, das seinerzeit in Konkurrenz mit andern, speziell französischen, weite Verbreitung fand) äußerst widerstandsfähig ist."

Entwickllung erster Panzerungen und späterer Panzertürme ab den 1860er-Jahren

Friedrich Krupp AG - Historische Postkarte

Friedrich Krupp AG - Historische Postkarte

Die Erkenntnis, die Festungsartillerie angesichts der sich stetig weiterentwickelnden Artillerie besonders zu schützen entstand bereits vor dem Aufkommen der Brisanzgranaten in den 1880er-Jahren. Capitaine Mougin, den ich eingangs bereits erwähnte, entwarf bereits Mitte der 1870er-Jahre die ersten Modelle von ihnen, weswegen man sie heute auch häufig als Mougin-Casemate bezeichnet. Sie waren die erste Panzerung, die man in französischen Festungen installierte. So stattete man unter anderem das Fort du Parmont oder das Fort de Château-Lambert damit aus. Beide Festungen befinden sich südlich von Épinal, auf halber Strecke nach Belfort). Alles in allem gab es zwei Versionen dieser gepanzerten Kasematten. Beim früheren Modell bestand die Panzerung aus Gusseisen und sie war mit einer Belagerungskanone bestückt. Beim zweiten Modell verwendete man bereits gewalztes Eisen und man installiert dort eine (gewöhnliche) Feldkanone. Der große Nachteil dieser Kasematten war jedoch das stark eingeschränkte Schussfeld der Kanonen, weswegen man die Idee recht schnell wieder verwarf.

Einen großen Entwicklungsschub verdankt die Entwicklung moderner Panzertürme König Carol I. von Rumänien. Er beauftragte den belgischen Militäringenieur General Henri Bialmont mit dem Bau eines Festungsgürtels rund um Bukarest und dieser wiederum forderte deutsche und französische Produzenten auf, ihre Panzertürme einem „Praxistest“ zu unterziehen. Das hieß nichts anderes, als dass man sie auf einem Schießplatz beschoss, um ihre Widerstandsfähigkeit zu testen. Dieser Wettstreit verlief mit leichten Vorteilen für die Deutschen, wobei Bialmont später von beiden Seiten mehrere Panzertürme bestellte und in den neu errichteten rumänischen Festungen installierte.

Mit dem Aufkommen der neuartigen Brisanzgranaten und der damit verbundenen Erkenntnis, dass Festungen als auch insbesondere deren Festungsartillerie besonders zu schützen sind, nahm die Entwicklung moderner Panzertürme an Fahrt auf. Beflügelt wurde dies durch immer besser werdende Produktionsmöglichkeiten und in Deutschland beispielsweise auch durch den Zusammenschluss führender Rüstungsgüterunternehmen mit sich ergänzenden Fähigkeiten (Grusonwerke und Fried. Krupp). Spätestens ab diesem Zeitpunkt gingen auch die Entwicklungen in Frankreich und Deutschland auseinander. In Deutschland, wo sie stark geprägt war durch die Konzepte von Maximilian Schumann (der mit Hermann Gruson zusammenarbeitete) konzentrierte man sich auf Panzertürme, die eine Weiterentwicklung des Panzerturms darstellten, die bereits in Bukarest so erfolgreich begutachtet wurden. Diese Türme waren dreh- aber nicht versenkbar. In Frankreich wieder – sicherlich gefördert dadurch, dass es mehrere Ingenieure gab, die erfolgreich mit Konstruktionszeichnungen aufwarteten – entwickelten sich nicht nur verschiedene Modelle, die dreh- und versenkbar waren. Obendrein konstruierte man auch gepanzerte Maschinengewehrtürme, die die Deutschen gar nicht einsetzten.

Panzertürme - verschiedene Konzepte

Zum Schutz der auf den Fernkampf ausgerichteten Festungsartillerie wurden von unterschiedlichen Produzenten unterschiedliches Konzepte entwickelt - das war zu erwarten. Im Wesentlichen unterschied man jedoch zwischen vier verschiedenen Arten von Kuppeln, nämlich (1) verschwindende oder (2) oszillierende Kuppeln mit (3) zentralen Drehpunkt oder (4) auf einem Rollenring.

Eine Besonderheit war die fahrende Panzerkuppel. Wir kennen Sie heute als den Gruson Fahrpanzer. Das war ein mobiles Artilleriegeschütz, das noch im Ersten Weltkrieg zum Einsatz kam und in Deutschland ab 1890 eigentlich zur Grenzbefestigung eingesetzt und auch in etliche andere Länder exportiert wurde.

Französische Panzertürme - Quelle gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France

Quelle: gallica.bnf.fr / Bibliothèque nationale de France: Fortification cuirassée et les forteresses au début du XXe siècle

  • Die Festung in der heutigen Kriegführung
    Teil II: Ortsbefestigungen
    Johann Schroeter, Berlin 1905

  • Ecole d'application de l'artillerie et du génie. Division technique du génie. Cours de fortification. Cuirassements

  • Cours de fortification permanente:
    les principes de
    la
    fortification
    déduits de
    son histoire

  • Ecole d'application de l'artillerie et du génie. Cours de fortification - organisation
    de détail de la fortification.

  • Fortification cuirassée et les forteresses au début du XXe siècle : 1906-1907, liste des planches de la 1re partie.

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