Deutsches Kaiserreich - geschichtlicher Hintergrund
Karte - Deutsches Kaiserreich - anno 1900

Deutsches Kaiserreich - anno 1900:
Infolge der Reichsgründung 1871 wurde Deutschland zum Nationalstaat geeint. Das Kaiserreich unter Wilhelm I. wurde von Preußen dominiert. Bis 1890 spielte insb. Reichskanzler Otto von Bismarck in der Innen- und Außenpolitik eine prägende Rolle. Diese wurde später direkt von Wilhelm II. übernommen. Seine Außenpolitik führte Europa 1914 in den Ersten Weltkrieg.

Das Deutsche Kaiserreich wie wir es heute aus den Geschichtsbüchern kennen wurde am 18. Januar 1871 im Spiegelsaal von Versailles ausgerufen. Die deutsche Verfassung trat bereits zu Jahresbeginn in Kraft. Damit entstand erstmals in der Geschichte ein deutscher Nationalstaat. Er bestand aus dem Königreich Preußen, 24 weiteren Bundesstaaten. Nach Ende des Deutsch-französischen Krieges 1870/71 kam auch das Reichsland Elsass-Lothringen hinzu.

Dominiert wurde das Kaiserreich von Preußen bzw. den preußischen Königen. Das verwundert wenig – bedenkt man, dass damals gut 40 Mio. Menschen in Deutschland lebten, wo denen gut 25 Mio. allein im Königreich Preußen wohnhaft waren. Der erste deutsche Kaiser war Wilhelm I.. Er regierte bis zu seinem Tod im Jahr 1888. Ihm folgte Friedrich III., der nach kurzer Zeit verstarb. Dann bestieg Kaiser Wilhelm II. den Thron.

Deutschland war damals eine aufstrebende Nation. Ausgestattet mit einem starken Militär preußischer Prägung und einer zusehend wachsenden Industrie – getrieben von immer neuen wissenschaftlichen Erfolgen. Die Nachbarn des Kaiserreichs, das waren in erster Linie Frankreich und das russische Zarenreich sahen das mit zunehmender Skepsis. Zudem teilten Deutschland und Frankreich eine eh belastete Geschichte. Die gegenseitigen Ressentiments begannen bereits während der napoleonischen Kriege und ein Jahrhundert zuvor.

Es verwundert also wenig, dass Kaiser Wilhelm I. und später auch Wilhelm II. großen Wert auf die Sicherung der deutsch-französischen bzw. deutsch-russischen Grenze legten. Man fürchtete im Fall eines kriegerischen Konflikts einen Zweifrontenkrieg, was deren Bemühungen, die Grenzen mit starken Festungsanlagen zu sichern, zusätzlich beflügelte. Anfangs hatte die Sicherung der West- als auch der Ostgrenze für Deutschland eine vergleichbare Priorität. Das verschob sich während der Regentschaft Wilhelm II. Er fokussierte den Festungsbau in Elsass-Lothringen.

Der Festungsbau erfuhr in dieser Zeit übrigens auch grundlegende Veränderungen, weil er auf die sich rasant entwickelnde Artillerie reagieren musste. Sie wurde immer schlagkräftiger und effektiver, was neue Festungsbaukonzepte erzwang. Ende des Jahrhunderts entstanden sogenannte Panzerfestungen – es waren in gewisser Weise Vorläufer späterer Festungsbauten der 1940er-Jahre.

Deutsche Festungen in Frankreich bis 1918

Historische Karte - sie zeigt die Festungsstädte Metz sowie Thionville auf deutscher und Verdun bzw. Toul auf französischer Seite. Beide fühlten sich vom jeweils anderen bedroht.

Deutsche und französische Festungsstädte entlang des Grenzverlaufs zwischen 1871 und 1918. | Quelle: The Americans in the Great War - V2 The Battle of Saint Mihiel von 1915 / Autor: Michelin & Cie

1870/71 ... der Deutsch-Französische Krieg ist beendet. Deutschland hatte einen glorreichen Sieg über die Frankreich errungen. Vor allem einen schnellen Sieg, denn die Auseinandersetzung dauerte nicht einmal ein Jahr. Hätten die damaligen Akteure in die Zukunft schauen können, hätten sie sicher vieles anders gemacht. So wussten sie es nicht besser und die Folgen dieses Krieges und der Entwicklungen danach mündeten zuerst in den Ersten Weltkrieg, der wiederum den Samen für den Zweiten Weltkrieg nur wenige Jahrzehnte später säte.

Eine der nachhaltigsten Kriegsfolgen war die deutsche Annexion Elsass-Lothringen durch das Deutsche Kaiserreich. Sie wurden zum Reichland Elsass-Lothringen zusammengefasst, welches bis 1918 zum Deutschen Kaiserreich gehörte. Während Politiker diesen Schritt befürworteten, weil Deutschland nun Zugriff auf die reichhaltigen Erzvorkommen in Lothringen hatte, war sie für die Militärs Ausgangspunkt viele strategischer Überlegungen. Letztere gaben auch den Ausschlag dafür, dass bereits zehn Tage nachdem sich die kaiserlichen Truppen der Regionen bemächtigten, von höchster Stelle der Befehl erging, die Städte Metz, Thionville und Straßburg zügig zu befestigen.

Die Geschichte nahm also ihren Lauf. Die Deutschen erfasste zwischen 1871 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs im Jahr 1914 eine regelrechte Bauwut. Es galt insbesondere, die strategisch sehr wichtige Stadt Metz mit etlichen Festungen zu einem Bollwerk gegen den Feind auszubauen. Die Franzosen taten ihresgleichen. Beraubt um zwei wirtschaftlich und militärisch wichtigen Regionen errichteten sie parallel zur neuen deutsch-französischen Grenze, parallel zu den deutschen Bautätigkeiten einen neuen Festungswall gegen den Erzfeind - nämlich die Barrière de Fer. Die nebenstehende Karte zeigt einen kleinen Ausschnitt des Reichslands Elsass-Lothringen und die wichtigen Städte auf der französischen Seite. Ein Name sticht dabei in Auge. Verdun. Ich behaupte, dass das Bluten beider Nationen im Ersten Weltkrieg bereits hier seinen Anfang fand. Aber dazu später und an anderer Stelle mehr.

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