Geschichte des Festungsbaus:

Österreich-Ungarische
Panzertürme der Škoda-Werke
während des Ersten Weltkriegs

Geschichtlicher Hintergrund:

Um 1880 machte die Waffentechnik einen bedeutenden Entwicklungssprung. Bereits einige Jahre zuvor wurden moderne Geschützte als Hinterlader mit gezogenem Lauf entwickelt. Sie hatten eine deutlich höhere Reichweite und Treffgenauigkeit. Dann - 1880 - kamen sogenannte Brisanzgranaten auf. Sie hatten eine enorme Sprengkraft, weil sie bspw. mit TNT anstatt mit Schwarzpulver gefüllt waren.

Wegen dieser zerstörerischen Wirkung galten auf einen Schlag alle bisherigen Festungen - selbst die, die just erbaut wurden - als veraltet. Sie hätten einem solchen Beschuss nicht lange widerstehen können. Die Festungsbauingenieure musste neue Konzepte entwickelt, dem zu begegnen. Das war die Geburtsstunde moderner Panzerfestungen. Die grundlegenden Ideen waren alle nicht neu - sie wurden allerdings erst jetzt konsequent umgesetzt.


Entwicklung von Panzertürmen zum Schutz der Festungsartillerie

Moderne Panzerfestungen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts vom Deutschen Kaiserreich entwickelt wurden und an deren Konzepte sich die Baupläne der österreich-ungarischen Festungen anlehnten, sind Artilleriefestungen - ausgerichtet auf den Fernkampf. Die Artillerie ist also die Hauptbewaffnung dieser Festungen. Angesichts der enormen Zerstörungskraft moderner Granaten (und hier insbesondere der Spreng- bzw. Brisanzgranaten, die gegen 1880 entwickelt wurden) gilt es, die eigenen Geschützte ganz besonders zu schützen. Die Idee dabei war eigentlich recht einfach - möglich wurde sie durch die "Segnungen der industriellen Revolution" und der zunehmenden Fähigkeit, Stahl zu verarbeiten und zu formen.

Anfang wollte man die Geschützte mittels Stahlplatten abschirmen, später ging man dazu über, ihnen einen glockenähnlichen Schirm auf Hartguss bzw. Gussstahl überzustülpen. Treiber diese Entwicklung waren Industrielle in Deutschland und Frankreich, wobei auch die Skoda-Werke in Pilsen zu führenden Rüstungsunternehmen in Europa gehörten. Sie produzierten später auch die Panzertürme, die Österreich-Ungarn in seinen Panzerfestungen installierte. Ergebnis ihrer Bemühungen waren letztlich Panzerkuppeln bzw. gepanzerte Geschütztürme, die bis zu 400 Tonnen wiegen konnten. Dabei unterschieden sich die Modelle erheblich: Frankreich setzte auf dreh- und versenkbare Panzertürme, während das Deutsche Kaiserreich als auch Österreich-Ungarn ausschließlich drehbare Panzertürme bauten.

Was genau ist nun ein Panzerturm?

"Panzerturm - gepanzerter Geschützstand für ein oder zwei Geschütze ...Der oben geschlossene Panzerturm dreht sich mit dem Geschütz, um diesem das Feuern nach allen Richtungen zu gestatten, entweder um eine wirkliche senkrechte Achse, wie die Panzerlaffete, oder um eine ideelle Achse auf einer Rollbahn mit Laufrollen oder Laufkugeln, die unter der senkrechten Wand am Panzerturms befestigt sind, Panzerdrehturm. ... Der Oberbau des Turmes erhielt durch Gruson bei seinen Hartgusstürmen die Kuppelform, die heute auch bei Panzerlaffeten und Panzertürmen der Küsten- und Binnenlandsbefestigungen gebräuchlich ist. Die gewölbte, in Hartguss hergestellte Panzerdecke der Panzertürme legt sich auf einen Vorpanzerring auf ....

Die Scharten, die sich in der gewölbten Decke befinden, bilden die unvermeidliche Schwäche des Turmes, der an dieser Stelle durch das feindliche Feuer am leichtesten verletzbar, sonst aber infolge der sphärischen Kuppelform (ein deutsches Konstruktionsprinzip, das seinerzeit in Konkurrenz mit andern, speziell französischen, weite Verbreitung fand) äußerst widerstandsfähig ist."

Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 15. Leipzig 1908, S. 378.


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Österreich-ungarische Panzertürme - produziert von den Škoda-Werken in Pilsen

Die Hauptbewaffnung österreich-ungarischer Festungswerke an der Grenze zu Italien war die 10-cm-Turmhaubitze T.H. M.9.. Der hier gezeigte Panzerturm ist der M.6 – ein Prototyp der späteren Geschützpanzerkuppel. Er hat eine Wandstärke von bis zu 20 Zentimetern und wog knapp sechzehn Tonnen. Seine Form ist etwas gedrungener als die des späteren M.9 – er ist gut zwanzig Zentimeter flacher. Ein solcher Turm wurde im Werk Gschwent eingebaut.

Als Geschütz verwendete man eine Weiterentwicklung der Feldhaubitze M99 mit einem Kaliber von 104 mm. Mit ihr konnte man die Schrapnellgranaten M9 als auch die Sprenggranaten M11 verschießen. Die Reichweite belief sich auf etwas mehr als sieben Kilometer. Sie hatte eine Feuerrate von zehn Schuss pro Minute.

Problematisch war die Reichweite der Haubitzen, weil sie nicht bei allen Werken ausreichte, um das Feuer der mit 15-cm-Langrohrgeschützen ausgestatteten italienischen Panzerwerke Forte Mont Verena oder Forte Campolongo zu erwidern. Die Panzerkuppeln, die die Turmhaubitzen schützten, waren so stabil, dass sie nicht einmal von italienischen 30,5-cm-Küstenmörsern durchschlagen werden konnten. Schwachpunkt waren jedoch die Vorpanzer (siehe "V" in der Darstellung des M.6-Panzerturms). Wiederholt wurden die Vorpanzer durchschlagen, was dazu führte, dass die Panzerkuppel durch die Wucht der Explosion herausgeschleudert werden konnte, oder die Geschützbrunnen (Halterung) wurde freigeschossen, was zum Kippen der Geschütztürme führte.

kuk-Turmhaubitze - M.6

Quelle: Mitteilungen über Gegenstände des Artillerie- und Geniewesens, Jahrgang 1909, Supplementheft 56, Herausgeber: k.u.k. Technischen Militärkomitee, Wien

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