Der Deutsch-französische Krieg 1870/71 und die Folgen für Frankreich

Der Deutsch-französische Krieg 1870/71 war im Verlauf des 19. Jahrhunderts einer der Tiefpunkte im Verhältnis zwischen Frankreich und seinem europäischen Rivalen, dem aufstrebenden Preußen. Der 70er-Krieg (wie er in der Folge häufig genannt wurde) offenbarte den Franzosen, dass sie militärisch ihrem Erzrivalen weit unterlegen waren. Kurz vor Friedensschluss mussten es die Franzosen dann sogar ertragen, dass auf französischem Boden in Versaille das Deutsche Kaiserreich ausgerufen wurde. Und kurz nach Friedensschluss musste Frankreich sogar die wirtschaftlich wichtigen Regionen Elsass und Lothringen an das noch junge Kaiserreich abtreten.

Gut nachvollziehbar, dass diese Ereignisse aus französischer Sicht das Verhältnis zu Deutschland nicht besserten.

Die Schmach des verlorenen Krieges wäre vielleicht noch zu ertragen gewesen. Aber der Verlust französischer Regionen wog schwer - emotional und insbesondere militärisch. Denn man verlor gegenüber Deutschland einen wichtigen geographischen Vorteil. Mit dem Rhein und den Vogesen war die bisherige Ostgrenze günstig zu verteidigen gewesen. Jetzt fielen diese natürlichen Barrieren weg und es galt, die neue, offene und ebene Grenze zum Erzrivalen Deutschland militärisch zu sichern. Ganz unabhängig davon ging Frankreich aus dem 70er-Krieg militärisch stark geschwächt und (weil man die Auseinandersetzung selbst anzettelte) in Europa auch recht isoliert hervor.

Das war die Stunde von General Séré de Rivières. Er war Festungsbaumeister und hatte kurz vor Ausbruch des Krieges bereits den Auftrag erhalten, die wichtige Grenzstadt Metz militärisch auszubauen.

Das Vorhaben musste wegen des Kriegsausbruchs dann jedoch gestoppt und konnte später von ihm nicht vollendet werden, weil das lothringische Metz inzwischen in deutscher Hand war. Diese nutzten übrigens die von Rivières entwickelten Pläne und vollendeten die von ihm begonnenen Bauarbeiten.

Revières wurde also ins Kriegsministerium berufen und wurde mit der Errichtung einer neuen Festungslinie entlang der neuen deutsch-französischen Grenze beauftragt - der Barrière de Fer bzw. dem Système Séré de Rivières wie es die Franzosen später nennen werden. Damit sollten drei Ziele erreicht werden:

  • Im Fall eines Krieges galt es, die Deutschen bei ihrem Vormarsch auf Paris mindestens zu verlangsamen - optimalerweise zu stoppen.

  • Gleichzeitig hätte man mehr Zeit zur Mobilisierung eigener Truppen.

  • Last but not least sollte die Festungslinie Ausgangspunkt einer Offensive zur Rückgewinnung von Elsass-Lothringen sein.

Übrigens: In Berichten über die Barrière de Fer geht häufig unter, dass die Bauarbeiten zwar von General Séré de Rivières zwar im Jahr 1874 begonnen, aber später nicht beendet wurden. Im Jahr 1880 kam es zu Spannungen und Rivalitäten rund um das gigantische Bauvorhaben. Die Kritik an dem neuen Verteidigungssystem wurde immer lauter. In Folge dessen wurde Rivières im Januar 1880 abgesetzt; er trat in den Ruhestand. Putzigerweise wurde das System dennoch ausgebaut und bis Anfang des Ersten Weltkriegs stetig modernisiert – anfangs unter der Leitung von Cosseron de Villeoisy.


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Barrière de Fer / Système Séré de Rivières – die neue Festungslinie Frankreichs

Das militärische Konzept der Barrière de Fer (auch Système Séré de Rivières) basiert auf einer Kette unterschiedlichster Festungen, die strategisch wichtige Städte und Verkehrswege schützen. Anker des Systems waren die sogenannten Camps Retranchés. Das waren Großfestungen, die wiederum von Gürtelforts umgeben waren. Die Städte Verdun, Toul, Épinal und Belfort galten also solche Großfestungen. Selbstredend wurde auch der Raum zwischen den Städten durch sogenannte Sperrforts beziehungsweise Zwischenwerke gesichert. Einzige Ausnahmen war die Region zwischen Toul und Épinal. Hier sah Revières eine Lücke vor. Er nannte Sie Trouée de Charmes. Er erwartete, dass die deutschen Truppen im Fall eines Angriffes diesen Weg nutzen, um in Richtung Paris vorzurücken. In dem Fall müsste die deutsche Heeresleitung die Truppen auf engstem Raum konzentrieren, so dass die französische Armee sie hätte massiert angreifen und zurückschlagen können.

Und in der Tat: In gewisser Weise ging der Plan Rivières auf. Gleich zu Beginn des Ersten Weltkriegs kam es zwischen dem 24. und 26. August zu einer kurzen und heftigen Grenzschlacht zwischen Toul und Épinal. Heute spricht man von der Schlacht an der Trouée de Charmes. Eingeleitet wurde die Schlacht durch einen Angriff der deutschen 6. Armee unter der Führung des Kronprinzen Rupprecht aus dem Raum Lunéville. Er stieß auf die 2. französische Armee unter Édouard de Castlnau. Nach anfänglichen Erfolgen der deutschen Armee wendete sich schnell das Blatt. Kurz nach dem Beginn der Offensive musste Rupprecht einsehen, dass es kein Durchkommen gab. Stark geschwächt musste er sich zurückziehen. Frankreich wiederum war eine Katastrophe entgangen. Wären die Deutschen hier durchgebrochen, hätten sie quasi freie Bahn in Richtung Paris gehabt.

Die Barrière de Fer konzentrierte sich allerdings nicht nur auf die Regionen zwischen Verdun und Belfort. Sie reichte letztlich von der Nordseeküste bis zum Mittelmeer und unterteilte sich in mehrere Gruppen mit unterschiedlicher Ausbaustärke. Der nördliche Teil reiche von Dünkirchen bis Montmédy, über Maubeuge und Lille. Er war recht schwach gefestigt.

Festungen in Frankreich - Festungen der Barrière de Fer

Festungen der Barrière de Fer
Frankreich zwischen 1874 bis 1914

Dann folgte der mittlere Abschnitt, auf den ich bereits eingegangen bin – Verdun, Toul, Épinal und Belfort. Weiter südlich verlief sie dann über die Festungsstädte Besançon und Pontarlier bis zum Mittelmeer. Entlang der italienischen Grenze wurden allerdings meist alte Festungsanlagen modernisiert (Albertville, Briançon oder Tournoux).

Alles in allem entstanden unter der Regie von Séré de Rivières ab 1874 mehr als 190 Festungen, knapp 60 Zwischenwerke und knapp 280 Batterien. Die kosten dieses gigantischen Projekts nationalen Ausmaßes beliefen sich auf schätzungsweise 450 Millionen Goldfranken für die Festungen selbst und weitre 250 Millionen Goldfranken für die Bewaffnung.

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Französische Festungen

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