Festungen des Festungsbaumeisters
Sébastien Vauban



Festungen, die im 17. Jahrhundert in Frankreich
vom Festungsbaumeister Sébastien Vauban
für den Sonnenkönig Ludwig XIV. errichtet wurden.


Derjenige, der erstmals an Stelle
eines Speeres ein Schimpfwort benutzte,
war der Begründer der Zivilisation.

Sigmund Freud
1856 - 1939



Der Festungsbaumeister Sébastien Vauban


Sébastien Le Prestre de Vauban - in Deutschland ist er für viele Menschen eher ein unbekannter Baumeister, obwohl ihm die Befestigungen von Saarlouis und Luxemburg zu verdanken sind. In Frankreich wiederum gilt er als der berühmteste aller Militärbaumeister. Er hat aus der Sicht viele Franzosen eigene Kapitel der Militärgeschichte des Landes verdient, der sich vom einfachen Soldaten zu dem Festungsbaumeister des Sonnenkönigs Ludwig XIV. mauserte. Selbst noch im Ersten Weltkrieg wurden von ihm errichtete Festungen wirkungsvoll eingesetzt wie das Beispiel von Longwy zeigt.


Festungsbaumeister Sébastien Vauban

Festungsbaumeister Sébastien Vauban

Dokumentation über Vauban
von arte bei Youtube.

Die Erfindung des Schießpulvers im 14. Jahrhundert hatte für den damaligen Festungsbau weitreichende Folgen: Bisher galten Festungen dann als besonders sicher, wenn sie hoch aufragende Mauern hatten. Burgen oder andere Verteidigungsanlagen dieser Zeit zeigen das sehr deutlich. Die Verteidiger standen auf den Festungsmauern und konnten von dort aus (also von oben herab) die Angreifer effektiv bekämpfen. Diese wiederum versuchten unter hohen Verlusten, die Mauern mit Leitern oder Wehrtürmen zu überwinden. Die Höhe (und eigentlich auch die Dicke) der Mauern waren damals eine Form des Schutzes.

Dann kam 1453 der Sturm der Osmanen auf die Stadt Konstantinopel, die von den neuartigen osmanischen Kanonen der Belagerungstruppen regelrecht sturmreich geschossen wurde. Spätestens jetzt wurde den Militäringenieuren klar, dass just diese hochregende Bauweise angesichts der neuen Waffentechnik ausgedient hatte. Künftige Festungen mussten niedrig und geduckt sein, um im Fall eines Beschusses mit Kanonen möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Außerdem musste der Grundriss der Anlage so angelegt sein, dass jede Stelle direkt vor der Festung mit eigenen Kanonen beschossen werden konnte und es keinen toten Winkel gab, den feindliche Truppen zum Schutz nutzen konnten, um sich den Festungsmauern zu nähern.

Ausgehend von diesen Erkenntnissen wandelte sich der Festungsbau in den nächsten Jahrhunderten maßgeblich. Anfangs nur langsam – immerhin werden neue Festungen nicht alle Tage errichtet. Doch nach und nach setzten sich neue Prinzipien durch und führten schließlich im 17. Jahrhundert zu einer Hochzeit des „modernen Festungswesens“. Das war die Zeit von Sébastien Le Prestre Vauban (1633-1707), der heute vielfach als der Festungsbaumeister des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. bezeichnet wird. Vauban griff die eben erwähnten Prinzipien, die unter anderem von italienischen Festungsbaumeistern ausgetüftelt wurden, auf und entwickelte sie maßgeblich weiter.


Schematische Darstellung - Vauban-Festungen in Frankreich

Vauban-Festungen in Frankreich
Schematische Darstellung
(ohne Anspruch auf Vollständigkeit)

Im Laufe seiner 50 Jahre erreichte Vauban die sogenannte „Ringmauer des französischen Königshauses“, nämlich einen mächtigen Festungsgürtel um ganz Frankreich – zum Schutz der Krone. Besonders stark wurde dabei die Nor- und Ostgrenze des Landes gesichert. Alles in allem hat Vauban – der schon zu Lebzeiten mit dem Ehrentitel „Ingénieur de France“ belegt wurde – dreiunddreißig neue Festungen geplant und unzählige Festungsanlagen modernisiert. Eines seiner Meisterwerke ist die Garnisonsstadt Neuf-Brisach nahe der deutsch-französischen Grenze (siehe historische Karte der Stadt) oder die zu einer Festung ausgebauten Alpenstadt Briançon.

Vauban’s Festungen gelten noch heute als Wegweiser der Festungsarchitektur des 17. Jahrhunderts. Und er selbst gilt als der bedeutendste Militärarchitekt der Barockzeit. Seine Ideen beeinflussten Baumeister auf der ganzen Welt (siehe dazu JacobBogle.com | StarForts around the world). Seine Gedanken wurden sogar noch Ende des 19. Jahrhunderts aufgegriffen, was man eindrucksvoll an einigen Festungen rund um die französische Stadt Metz sehen kann (siehe: Fort Plappeville oder Fort Saint-Julien).

Doch Vauban war nicht nur Architekt, sondern als auch als brillanter Belagerungsingenieur. Eigentlich klar. Wenn sich jemand auf der Erreichten wirkungsvoller Festungsanlagen versteht, sieht er bei anderen Werken natürlich auch schnell deren Schwachstellen. Einige Historiker sind heute sogar der Ansicht, dass Vauban’s Ruhm als Belagerer sogar noch den des Festungsbaumeisters übersteigt.






Festungen - errichtet vom Festungsbaumeister Sébastien Vauban

Garnisonsstadt Neuf-Brisach

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts erhielt der Festungsbaumeister Sébastien Vauban vom Sonnenkönig Ludwig XIV. den Auftrag, die Festungsstadt Neuf-Brisach zu errichten. Sie sollte den Zugang zum Elsass sperren. Für Vauban wiederum war das ein Glücksfall. Es kam selten vor, dass er solch komplexe Festungsanlagen komplett neu erbauen durfte. Meist war er mit dem Ausbau vorhandener Wehranlagen befasst. Neuf-Brisach gilt heute als das Meisterwerk von Vauban.

Citadelle de Bitche

Die Garnisonsstadt Bitche hatte über Jahrhunderte hinweg eine wechselhafte Geschichte. Mal gehörte sie zu Lothringen, mal zum Heiligen Römischen Reich. Im 17. Jahrhundert wiederum war Ludwig XIV. - König von Frankreich - der Herrscher. Er beauftragte Sébastien Vauban mit dem Ausbau der vorhandenen Wehranlage. Das war der Ursprung der Zitadelle von Bitche wie wir sie heute kennen.

Festungen

Citadelle de Montmédy

17. Jahrhundert: Nach der Einnahme von Montmédy durch die Truppen des Sonnenkönigs Ludwig XIV. beauftragte dieser seinen bevorzugten Festungsbaumeister Sébastian Vauban mit dem Aus- und Umbau der Festungsanlage hoch über der Gemeinde. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts legte Séré Rivières ebenfalls Hand an. Er war Erbauer der Festungslinie Barrière de Fer mit der sich Frankreich gegen Angriffe Deutschlands schützen wollte.

Citadelle de Longwy

Wirklich viel ist heute von der einst mächtigen Zitadelle von Longwy nicht mehr zu sehen. Eigentlich kann man heute nur noch die Hauptportale bewundern und einige Meter des ehemaligen Grabens rund um die Stadt. Vor Jahrhunderten wiederum war Longwy eine wichtige Festungsstadt und schützte relevante Verkehrsknotenpunkte. Ludwig XIV. ließ sie vom Festungsbaumeister Vauban zu einer Zitadelle ausbauen.



Wissenswert.

GESCHICHTE: FESTUNGSBAU

Ich gab mir Mühe und versuchte die Geschichte des Festungsbaus mit wenigen Worten zusammenzufassen. Dabei konzentriere ich mich auf die preußischen Festungen Ende des 19. Jahrhunderts.

KMZ-DOWNLOAD

Wenn Du die konkrete Lage der einzelnen Festungen rund um Metz erfahren möchtest, lade Dir die KMZ für Google Earth herunter. Ich rate Dir aber zu äußerster Vorsicht bei Besuchen.

DOKU: ERSTER WELTKRIEG

Ich habe auch eine eigene Dokumentation über den
Ersten Weltkrieg erstellt. Meiner Ansicht nach
ist diese wichtig, um Inhalte der Homepage geschichtlich
entsprechend und richtig einzuordnen.

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