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Festungen in
Deutschland, Frankreich
und dem restlichen Europa

Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen,
Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen
zu wollen. Nur Blut soll immer mit Blut abgewaschen werden.

Bertha von Suttner
Friedennobelpreisträgerin
1843-1914

19. Jahrhunderrt: Festungsbau in Europa

Europa im Verlauf des 19. und beginnenden 20. Jahrhundert: Festungen galten seinerzeit noch als wesentlicher Stützpfeiler der Landesverteidigung. Man errichtete sie, um strategisch wichtige Städte und Verkehrsknotenpunkte zu schützen. Wollte der ungeliebte Nachbar das eigene Land angreifen, musste er zuerst die Festungen niederringen. Überall in Europa investierten die Länder hohe Summen in den Festungsbau. Vier Nationen taten sich meiner Ansicht nach dabei aber ganz besonders hervor:

  • Belgien hatte erst 1830 seiner Unabhängigkeit errungen und wollte seine wichtigen Industriestädte schützen. Sie errichteten daher weitläufige und moderne Festungssysteme rund um Lüttich, Namur und Antwerpen.

  • Deutschland (genaugenommen Preußen) wiederum konzentrierte sich Anfang bis Mitte des Jahrhunderts um den Ausbau strategisch wichtiger Städte nahe Frankreichs (Köln, Koblenz) und nahe der Grenze zu Russland (Thurn, Königsberg). Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm I. und dem gewonnenen Deutsch-französischen Krieg 1870/71 verschob sich der Fokus in Richtung der neuen deutsch-französischen Grenze - dazu gleich mehr.

  • Und die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn hatte Mühe, einerseits sein Land zusammenzuhalten und andererseits galt es, den eigenen Machtanspruch in Südtirol (es gehört heute bekanntlich zu Italien) durchzusetzen. Sie taten dies natürlich durch den Bau neuer Festungen, die im Verlauf des Ersten Weltkriegs traurige Berühmtheit im sogenannten Alpenkrieg ab 1915 erlangten.

Neue Waffen verändern den Festungsbau

Im Verlauf des 19. Jahrhunderts machte auch die Waffentechnik enorme Sprünge.

Es begann Mitte des Jahrhunderts mit der Einführung neuer Geschütze. Sie verfügten über gezogene Läufe, und man konnte erstmals sog. Langgeschosse verwenden (anstatt bisheriger Eisenkugeln). Das erhöhte die Reichweite und Treffgenauigkeit der Geschütze enorm, stellte eine immense Bedrohung bisher errichteter Festungen dar, bot den Festungsbauingenieuren und Militärstrategen allerdings auch die Möglichkeit, die Feuerkraft der eigenen Festungen stark zu erhöhen.

Spätestens aber mit der Erfindung sogenannter Spreng- oder Brisanzgranaten war klar, dass sich der Festungsbau komplett neu orientieren muss. Angesichts dieser neuen Bedrohung galten auf einen Schlag bisherige Festungen, auch die, die just errichtet wurden, als veraltet. Frankreich, Deutschland und Österreich-Ungarn, die europäischen Nationen, die besonders viel Geld in den Festungsbau investierten, reagierten darauf. Es entstanden sogenannte Panzerfestungen, deren Angriff und Verteidigung ganz andere Strategie vorsahen.



Festungen nahe der deutsch-französischen Grenze

Speziellen Augenmerk verdient das Verhältnis zwischen Deutschland und Frankreich: Spätestens seit der Napoleonischen Kriege galt es als angespannt. Seinerzeit entstanden Ressentiments mit Folgen bis ins 20. Jahrhundert. Bereits vor der Gründung des Kaiserreichs (1871) investierten Preußen hohe Summen, um Städte nahe der französischen Grenze militärisch zu sichern, weil man von einem erneuten Angriff der Franzosen ausging (Köln, Koblenz). Dann folgte der von Frankreich angezettelte Deutsch-französische Krieg 1870/71, der nicht nur für die Franzosen mit der Niederlage bitter endete.

Frankreich - deutsche und französische Festungen im Département Grand-Est

Er hatte auch zwei einschneidende Folgen: Einerseits musste Frankreich die wichtigen Regionen Elsass-Lothringen an das Kaiserreich abtreten. Als wäre das (fast) noch zu verkraften, wog aber auch die Erkenntnis schwer, dass die Landesverteidigung komplett neu aufgebaut werden musste. Die Armee war in einem schlechten Zustand und die einst so gerühmten Festungen (meist veraltete Vauban-Festungen) boten keinen Schutz mehr. Also unternehmen die Franzosen innerhalb weniger Jahrzehnte enorme Anstrengungen, einen neuen Festungswall zu errichten, weil man seinerseits glaubte, dass es bald wieder zu einem Krieg mit Deutschland kommen wird.

Diese sich gut über ein Jahrhundert aufgebauten Ressentiments mündeten beiderseits in dem Gedanken, dass der Nachbar der Erzfeind sei und schlussendlich in den bluten Schrecken des Ersten Weltkriegs. Die Ironie der Geschichte war, dass die meisten kurz von den Deutschen oder Franzosen errichteten Festungen in diesem Krieg keine Rolle spielten, weil er sich zu einem Stellungskrieg entwickelte - meist fernab der wuchtigen Festungsanlagen. Lediglich bei Verdun spielten die Festungen der Barrière de Fer eine traurige Rolle.

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Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg,
bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind,
besonders die, die nicht hinmüssen.

Erich Maria Remarque
1898-1970

Festungssysteme - errichtet zwischen 1930 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Geprägt von den Schrecken des Ersten Weltkriegs, der Industrialisierung des Tötens und dem grauenhaften Stellungskrieg begannen in den 1920er-Jahren die Militärs aller europäischen Nationen mit der Aufarbeitung ihrer Erfahrungen. Obwohl alle einte, dass ein derartig blutiger Stellungskrieg in künftigen Auseinandersetzungen zu vermeiden sei, kamen sie jedoch auch zu der Erkenntnis, dass die Landesverteidigung auf einer mittels moderner Festungen stark befestigten Landesgrenze fußen sollte. Ihre Logik war relativ schlicht: Wenn ein Stellungskrieg schon nicht vermieden werden kann (wovon sie alle ausgingen), dann sollten wenigstens die eigenen Soldaten durch Bunker und betonierte Stellungen angemessen geschützt werden.

Vor dem Hintergrund dieser Überlegungen entstanden aber der 1930er-Jahre in Frankreich (Maginot-Linie), Deutschland (Ostwall bzw. Oder-Warthe-Bogen sowie der Westwall), Russland (Stalin-Linie) oder Italien (Alpenwall) wuchtige, mit modernen Bunkern und Artillerie gespickte Festungslinien entlang der eigenen Landesgrenzen.



Der Krieg hat einen langen Arm.
Noch lange, nachdem er vorbei ist,
holt er sich seine Opfer.

Martin Kessel
1901-1990

Geschichte des Festungsbaus: Wissenswertes über Panzerfestungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts

Das war ein Schock für die Festungsbauingenieure: Bereits 1840 entwickelte der Schwede Martin von Wahrendorff den Hinterlader und kurz darauf Geschütze mit gezogenem Lauf, was der Artillerie auf den Schlachtfeldern zu einem Bedeutungssprung verhalf. Das hatte natürlich auch Einfluss auf den Festungsbau, erschütterte ihn aber nicht.

Dann - 1880 - kamen Brisanzgranaten auf den Markt - Sprenggeschosse, die mit TNT und ähnlich explosivem Material gefüllt waren, und eine enorme Zerstörungskraft hatten. Eine Wucht, der bisherige Festungen - selbst wenn sie kurz zuvor errichtet wurden - nichts entgegenzusetzen hatten. Alle Festungsbauingenieure in Europa suchten händeringend nach einer Lösung. Die Deutschen entwickelte als Antwort auf diese Bedrohung die moderne Panzerfestung.



Krieg ist ein Zustand, bei dem Menschen aufeinander schießen,

die sich nicht kennen – auf Befehl von Menschen,
die sich wohl kennen, aber nicht aufeinander schießen.

George Bernard Shaw
1856-1950

Blick in die Geschichte: Die Schrecken des Ersten Weltkriegs 1914 - 1918

Ein Blick in die Geschichte erklärt viele Dinge:

- Warum hat das Deutsche Kaiserreich ab 1871 mit größten Anstrengungen etliche Festungen in Elsass-Lothringen errichtet?
- Warum hielten die Franzosen mit einem neune Festungsgürtel, der von Verdun bis Belfort reichte dagegen?
- Und was hat das alles mit dem Ersten Weltkrieg zu tun?

Fragen über Fragen, die ich versuchen werde, mit wenigen Worten zu klären. Ich habe daher eine kurze Dokumentation über den Deutsche-Französischen Krieg 1870/71 erstellt. Die Ereignisse dieses Krieges waren prägend für die Folgejahre und erklären die enormen Anstrengungen, die das Deutsche Kaiserreich unternahm, um das Reichsland Elsass-Lothringen zu schützen. Es folgt eine kurze Dokumentation über den Ersten Weltkrieg inklusive dem chronologischen Verlauf aller Ereignisse der Jahre 1914 bis 1918. Meiner Ansicht nach ist es wichtig, auf dieses Kapitel der Geschichte einzugehen. Letztlich bereiteten die Anstrengungen der Franzosen und des deutschen Kaiserreichs zur Errichtung neuer und moderner Festungen dieses Massaker vor.

Die Klammer zwischen den beiden zuvor genannten Kriegen war die Kaiserzeit in Deutschland von 1871 bis 1918. Ich frage mich also, wie wohl diese Zeit war und was damals geschah. Ich kann mir heute nicht vorstellen, vorbehaltlos einen Monarchen zuzujubeln, der nicht einmal vom Volk gewählt wurde. Und von dem man letztlich weiß, dass sein Machtanspruch so viele Menschenleben kostete. Also habe ich auch eine kleine Dokumentation über die Kaiserzeit erstellt - ich konzentriere mich dabei auf eine kurze Darstellung der geschichtlichen Ereignisse.

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